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25.10.2022

09:20

Software

„Wichtiger Wendepunkt erreicht“ – SAP wächst in der Cloud

Von: Christof Kerkmann

Trotz der Krise investieren die Unternehmen in SAP-Produkte – Cloudgeschäft und Umsatz wachsen deutlich. Die Aktie der Walldorfer legt zu. Der Rückzug aus Russland zieht sich allerdings.

Die Aktie des Unternehmens stand wie andere Tech-Werte zuletzt unter Druck. Bloomberg/Getty Images

SAP-Zentrale in Walldorf

Die Aktie des Unternehmens stand wie andere Tech-Werte zuletzt unter Druck.

Frankfurt SAP kommt mit der Umstellung des Geschäftsmodells schneller voran als erwartet. Im dritten Quartal wuchs das Geschäft mit Clouddiensten um 38 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 25 Prozent. Der Umsatz legte um 15 Prozent auf 7,84 Milliarden Euro zu, währungsbereinigt um fünf Prozent. Beide Kennzahlen liegen über den Erwartungen der Analysten.

Bei der Neuausrichtung habe SAP „einen wichtigen Wendepunkt erreicht“, betonte Vorstandssprecher Christian Klein bei der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse am Dienstag. Die Cloud sei mittlerweile die wichtigste Umsatzquelle. Durch die wiederkehrenden Umsätze aus den Gebühren sei das Geschäft zudem resilienter geworden.

Allerdings belasten die hohen Investitionen wie auch die Umstellung des Geschäftsmodells weiterhin den Gewinn. Das Betriebsergebnis sank von Anfang August bis Ende September um ein Prozent auf 1,24 Milliarden Euro, ohne Währungseffekte um acht Prozent. Das bereinigte Ergebnis pro Aktie sank um 36 Prozent auf 1,12 Euro.

Bei allen Kennzahlen profitierte SAP von deutlichen Wechselkurseffekten: Die USA sind der wichtigste Markt für Unternehmenssoftware – die Umrechnung des aktuell starken Dollars in Euro fällt daher für den deutschen Konzern vorteilhaft aus.

Am Finanzmarkt wurde das Ergebnis positiv aufgenommen. Die Aktie stieg am Dienstag nach Handelsbeginn um mehr als 3,5 Prozent auf rund 95 Euro. Angesichts der makroökonomischen Probleme seien das Umsatzwachstum und die Verbesserung der Cloudmarge positiv zu bewerten, urteilte Knut Woller, Analyst bei der Baader Bank. Zumal SAP im Vergleich zu früheren Rezessionen niedrig bewertet sei.

Wirtschaftliche Unsicherheit als Verkaufsargument

In schwierigen Zeiten überprüfen Unternehmen ihre IT-Budgets – das hat SAP in den vergangenen Monaten jedoch nicht geschadet. „Unser starkes Ergebnis zeigt die Relevanz unserer Strategie in dieser turbulenten Zeit“, sagte Klein.

Der Konzern helfe Kunden beim Umgang mit drängenden Problemen, von der Automatisierung der Geschäftsprozesse über die Stabilisierung der Lieferkette bis zum Umgang mit neuen Nachhaltigkeitsregeln.

Doch das Geschäft habe sich verändert: In vielen Unternehmen buche man nun Clouddienste mit monatlichen Gebühren, um hohe einmalige Investitionen in geringere laufende Kosten umzuwandeln, erklärte der SAP-Chef.

Das lässt sich einerseits an den Kennzahlen fürs Cloudgeschäft ablesen, die oberhalb der Markterwartungen lagen. Das gilt für den Umsatz mit 3,29 Milliarden Euro ebenso wie für den Auftragsbestand, gemessen im Current Cloud Backlog, mit 11,27 Milliarden Euro, die beide um 38 Prozent stiegen.

Die Verhaltensänderung der Kunden zeigt sich andererseits beim Softwaregeschäft, das deutlich geschrumpft ist. Der Verkauf von Lizenzen brachte nur noch 406 Millionen Euro ein, ein Minus von 38 Prozent und weniger als von Analysten erwartet.

Das Geschäft mit dem Softwareverkauf wachse nur noch im öffentlichen Sektor, so Finanzchef Luka Mucic – in allen anderen Branchen werde die Cloud bevorzugt. Das sei mittelfristig jedoch positiv für die Transformation von SAP.

Langwieriger Rückzug aus Russland

Die vor zwei Jahren angekündigte Umstellung des Geschäftsmodells ist allerdings teuer. SAP investiert in die Harmonisierung der IT-Infrastruktur für die Cloud, zulasten der Profitabilität. Erst für das kommende Jahr stellt das Management deutlich Verbesserungen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn in Aussicht.

Der Trend ist zumindest positiv: Im Cloudgeschäft konnte SAP bereinigte die Bruttomarge das dritte Quartal in Folge steigern, dieses Mal um 2,8 Prozent auf 69,8 Prozent. Durch die wachsende Kundenzahl bei Produkten wie S/4 Hana Cloud, Qualtrics und Success Factors erzielt der Softwarehersteller Größeneffekte.

Der Rückzug aus Russland und Belarus gestaltet sich nach Unternehmensangaben aber schwieriger als erwartet. Im April hatte das SAP-Management unter dem Eindruck des Kriegs und auf Druck der Öffentlichkeit die vollständige Abwicklung des Geschäfts verkündet. Doch das dürfte dauern.

Finanzchef Luka Mucic machte dafür am Dienstag in einer Telefonkonferenz rechtliche Anforderungen verantwortlich, die gegenüber Kunden und Beschäftigten bestünden. Einen neuen Zeitpunkt, zu dem die Aktivitäten in Russland komplett beendet sein sollen, habe das Unternehmen derzeit nicht im Visier.

Man schließe keine Neuverträge ab und habe das Cloudrechenzentrum in Moskau geschlossen, sagte der Jurist. Wartungsverträge mit Unternehmen, die nicht von den Sanktionen betroffen sind, werde man aber erfüllen. Ein Grund dürfte sein, dass die lokalen Angestellten für Vertragsverstöße in Haftung genommen werden können.

Gegenwärtig beschäftigen die Walldorfer in Russland laut dem Manager noch rund 600 Mitarbeiter, ursprünglich waren es 1250. Zum Ende des Jahres dürften es noch rund 100 Beschäftigte sein. „Das (Geschäft) an Dritte abzugeben ist schwierig und aktuell nicht machbar“, sagte Mucic.

Aktie seit Monaten unter Druck

Angesichts der steigenden Zinsen und der unsicheren Konjunkturaussichten stehen Technologieanbieter an der Börse seit einigen Monaten unter Druck, auch SAP. Die Aktie des deutschen Softwareherstellers rutschte in diesem Jahr kurzzeitig sogar unter die Marke von 80 Euro. In den vergangenen Wochen hat sich der Kurs etwas erholt, am Dienstag setzte sich der Trend fort.

Zuletzt verschaffte ein Report von JP Morgan der SAP-Aktie neue Nachfrage. Analyst Toby Ogg geht davon aus, dass die makroökonomischen Schwierigkeiten bereits zu stark in den Kurs eingepreist seien und der Markt zudem die Veränderung des Geschäftsmodells nicht richtig einschätze. Er stufte den Softwarehersteller auf „overweight“ hoch und hob das Kursziel um zehn auf 115 Euro an.

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