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15.01.2021

14:00

Softwarehersteller

SAP erreicht Jahresziele – doch Corona belastet den Konzern weiter

Von: Christof Kerkmann

Das vierte Quartal lief ordentlich, vor allem dank der Cloud. Die Coronakrise ist aber noch längst nicht überstanden. Zudem baut SAP den Vorstand um.

Der Softwarehersteller investiert verstärkt ins Cloud-Computing. dpa

SAP-Zentrale in Walldorf

Der Softwarehersteller investiert verstärkt ins Cloud-Computing.

Düsseldorf Im Herbst schockierte SAP die Aktionäre mit einem düsteren Ausblick für 2020 und darüber hinaus – am Jahresende hat sich das Geschäft des Softwareherstellers aber ordentlich entwickelt. Das geht aus dem vorläufigen Ergebnis für das vierte Quartal und das gesamte Jahr hervor, das der Dax-Konzern überraschend bereits Freitagabend veröffentlicht hat.

Es habe eine Verbesserung gegenüber dem Vorquartal gegeben, „obwohl die Corona-Krise andauerte und in manchen Regionen das öffentliche und wirtschaftliche Leben erneut eingeschränkt wurde“, hieß es in einer Mitteilung von SAP. Dazu habe vor allem die Nachfrage nach verschiedenen Cloud-Lösungen beigetragen. Der Konzern konnte somit die eigene Prognose erfüllen und teils übertreffen.


Die wichtigsten Zahlen für 2020 im Überblick:

  • Der Umsatz sank im abgelaufenen Geschäftsjahr um ein Prozent auf 27,34 Milliarden Euro – während SAP im Cloud-Geschäft ein Plus von 19 Prozent verbuchte, schrieb der Konzern beim Verkauf von Softwarelizenzen ein Minus von 20 Prozent.
  • Das Betriebsergebnis steigerte der Softwarehersteller kräftig auf 6,62 Milliarden Euro, weil deutlich geringere Aufwendungen für Restrukturierungen und Aktienoptionen anfielen. Die bereinigte Kennzahl lag mit 8,28 Milliarden Euro aber lediglich um ein Prozent im Plus.
  • Der operative Cashflow wird voraussichtlich auf 7,0 Milliarden Euro steigen, doppelt so viel wie im Vorjahr, als Steuerzahlungen und eine Restrukturierung SAP teuer zu stehen kamen. Zudem machen sich die Sparmaßnahmen währen der Pandemie bemerkbar.

Gut lief zuletzt das Geschäft mit dem Cloud-Computing, also Lösungen, auf die Unternehmen übers Netzwerk zugreifen können – hier konnte SAP nach eigener Einschätzung „einen eindrucksvollen Schlusspunkt für das Jahr“ setzen. Eine „weiterhin hohe Nachfrage“ gebe es beispielsweise nach Software für E-Commerce, der Meinungsforschungsplattform Qualtrics sowie der Personalsoftware Success Factors.

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    Allerdings verbuchte SAP in dem Geschäftsnetzwerk Concur, über das Unternehmen Reisen buchen und verwalten können, deutlich weniger Nachfrage. In der Summe wuchs das Cloud-Geschäft im wichtigen vierten Quartal um acht Prozent auf 2,04 Milliarden Euro, der Auftragsbestand um sieben Prozent auf 7,15 Milliarden Euro.

    Dagegen erschwert die Pandemie den Verkauf von Softwarelizenzen samt den damit verbundenen Projekten, der Erlös sank um 15 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro – das war allerdings nicht so schlecht wie von einigen Analysten befürchtet. Der Umsatz summierte sich zum Jahresabschluss auf 7,54 Milliarden Euro.

    Neben der Wirtschaftskrise belasteten zum Jahresende auch Wechselkurseffekte das Ergebnis: Der Euro stieg im Dezember auf den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2018, was sich negativ auf die Umrechnung der Einnahmen in den USA auswirkt. Beim Umsatz macht das beispielsweise einen Unterschied von vier Prozentpunkten aus

    Corona-Krise wird langsam abklingen

    Die Corona-Pandemie wird auch 2021 das Geschäft belasten. SAP geht davon aus, dass die Krise „langsam abklingen wird, während weltweit Impfprogramme anlaufen“ – daher werde sich die Nachfrage im zweiten Halbjahr 2021 „allmählich verbessern“. Der Softwarehersteller erwartet, dass beispielsweise der Umsatz mit Cloud- und Softwareverkauf währungsbereinigt um höchstens zwei Prozent steigt.

    Der Manager steht seit dem Frühjahr 2020 allein an der Spitze des Softwareherstellers. dpa

    SAP-Chef Christian Klein

    Der Manager steht seit dem Frühjahr 2020 allein an der Spitze des Softwareherstellers.

    Das bereinigte Betriebsergebnis wird der Prognose zufolge um bis zu sechs Prozent sinken – die bereits im Herbst angekündigten Investitionen ins Cloud-Computing, mit denen SAP-Chef Christian Klein den Softwarehersteller schneller auf die veränderten Präferenzen der Kunden ausrichten will, sind teuer.
    Der Kurs der SAP-Aktie hat in den vergangenen Monaten massive Ausschläge verzeichnet. Im September notierte er auf einem historischen Allzeithoch von gut 142 Euro, im Oktober stürzte er nach der Senkung der kurz- und mittelfristigen Prognose sowie einer strategischen Neuausrichtung auf bis zu 90 Euro ab.

    Der Abwärtstrend ist zwar gestoppt, die Aktionäre scheinen aber nach wie vor misstrauisch zu sein – vom kräftigen Plus an den Börsen in den vergangenen Monaten konnte SAP nicht profitieren. Am Donnerstag ging die Aktie mit rund 104 Euro aus dem Handel. Am Freitag zählten die Titel zunächst zu den Gewinnern im Dax mit einem Plus von 0,8 Prozent. Am Nachmittag lagen sie dann wieder in einem schwachen Markt knapp im Minus.

    Unterdessen dreht sich Personalkarussell bei SAP weiter. Vorstandsmitglied Adaire Fox-Martin werde das Unternehmen auf eigenen Wunsch zum Monatsende verlassen, kündigte der Softwarekonzern am Freitag an. Fox-Martin arbeitet seit 2008 für SAP, gehört seit 2017 dem Vorstand an und verantwortet dort die weltweiten Kundenbeziehungen.

    Ihr Nachfolger wird der 47-jährige Australier Scott Russell, der 2010 von IBM zu SAP wechselte. Zudem wird Julia White als Marketingchefin in den Vorstand einziehen. White kommt wie die neue Personalchefin Sabine Bendiek von Microsoft und hat dort zuletzt das Produktmarketing für die Cloudsparte Azure geleitet.

    Im vergangenen Jahr machte SAP mit zahlreichen Wechseln im Vorstand Schlagzeilen. Seit Herbst haben der langjährige Vorstandschef Bill McDermott, SAP-Urgestein Michael Kleinemeier, Personalchef Stefan Ries und auch die zwischenzeitliche Co-Chefin Jennifer Morgan das Unternehmen verlassen. Inzwischen führt Christian Klein allein den Walldorfer Dax-Konzern.
    Mit Agenturmaterial

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