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22.04.2022

09:21

Softwarehersteller

Ukraine-Krieg belastet SAP – trotzdem hat der Softwarehersteller gute Wachstumsaussichten

Von: Christof Kerkmann

Zwar sinkt bei SAP der Gewinn. Aber die Umstellung auf die Cloud nimmt Tempo auf – sodass der Konzern die Wachstumsprognosen übertrifft. Die Aktie liegt trotzdem deutlich im Minus.

Der Manager stellt die Cloud in den Mittelpunkt der Strategie. AP

SAP-Chef Klein

Der Manager stellt die Cloud in den Mittelpunkt der Strategie.

Düsseldorf Trotz des Rückzugs aus Russland hat SAP im ersten Quartal die Erwartungen der Börse übertroffen und die Prognose für das laufende Jahr bestätigt. Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:

  • Der Umsatz stieg um elf Prozent auf 7,08 Milliarden Euro und damit stärker, als die Analysten erwartet hatten. Dazu trug maßgeblich das starke Cloud-Geschäft bei, das um 31 Prozent auf 2,82 Milliarden Euro zulegte.
  • Der Krieg in der Ukraine und höhere Investitionen belasteten das Betriebsergebnis jedoch: Die bereinigte Kennzahl, die für die interne Steuerung maßgeblich ist, sank um vier Prozent auf 1,68 Milliarden Euro und lag damit unter den Erwartungen.
  • Der Rückzug aus Russland wird den Softwarehersteller in diesem Jahr voraussichtlich rund 300 Millionen Euro Umsatz kosten. Hinzu kommen Kosten beispielsweise für die Schließung des Rechenzentrums.

Cloud-Strategie zeigt Wirkung

SAP investiert massiv, um das Geschäftsmodell vollständig auf Cloud-Dienste auszurichten – im Fokus steht das Programmpaket S/4 Hana, mit dem Unternehmen Geschäftsprozesse wie Beschaffung, Personal und Buchhaltung steuern. Die Strategie zeigt Wirkung: Im ersten Quartal wuchs der Erlös mit dem Produkt um 78 Prozent auf 400 Millionen Euro.

Vorstandssprecher Christian Klein führte die Entwicklung maßgeblich auf das Programm „Rise with SAP“ zurück, in dem der Softwarehersteller mehrere Produkte bündelt und Kunden bei der Einführung hilft. 250 Kunden haben dafür unterschrieben, darunter große Konzerne wie Accenture und Daimler Trucks.

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    Auch andere Bereiche entwickelten sich gut. So steuerte die Tochterfirma Qualtrics 320 Millionen Euro Umsatz bei, ein Plus von 58 Prozent. Der Auftragseingang deutet auf weiter kräftiges Wachstum hin.

    Das Current Cloud Backlog, das die erwarteten Umsätze für die nächsten zwölf Monate beschreibt, stieg im ersten Quartal um 28 Prozent auf 9,73 Milliarden Euro – und das, obwohl das Geschäft zu Jahresbeginn traditionell langsam in Gang kommt.

    Die Kosten bleiben hoch

    Anfang März stellte SAP den Vertrieb in Russland und Belarus ein, inzwischen ist der vollständige Rückzug aus dem Markt beschlossen. Durch fehlendes Neugeschäft sowie die Beendigung bestehender Aufträge – etwa für die Wartung – rechnet der Softwarehersteller im laufenden Geschäftsjahr mit rund 300 Millionen Euro weniger Umsatz. Hinzu kommen Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 80 bis 100 Millionen Euro, etwa durch die Schließung eines russischen Rechenzentrums.

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    Auch andere Effekte belasteten zu Jahresbeginn das Ergebnis. So steigerte SAP die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 22 Prozent auf 1,42 Milliarden Euro, für Vertrieb und Marketing um 20 Prozent auf 1,99 Milliarden Euro – Ziel sei es, „aktuelle und zukünftige Marktchancen zu nutzen“, betonte der Konzern.

    Als Entlastung wirkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum der Wegfall von Restrukturierungskosten für die Modernisierung der Cloud-Infrastruktur in Höhe von rund 160 Millionen Euro.

    Das unverwässerte Ergebnis pro Aktie sank um 29 Prozent auf 0,63 Euro. Maßgeblich verantwortlich für den Rückgang: Der Risikokapitalfonds Sapphire Ventures, über den SAP in Start-ups investiert, leistete einen deutlich geringeren Beitrag als im Vorjahr – Erträge und Aufwendungen hielten sich praktisch die Waage. In der Vergangenheit hatte der Investor teils erhebliche Finanzergebnisse beigesteuert. Der Gewinn nach Steuern sank um 41 Prozent auf 632 Millionen Euro.

    SAP kündigte „Maßnahmen zur Straffung des Portfolios“ an. Es gehe darum, sich auf Wachstumsfelder zu konzentrieren und Überlappungen zu beseitigen, sagte Finanzchef Luka Mucic. Falls es zu einem Abschluss kommt, rechnet der Manager mit einem Erlös im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Entschieden sei aber noch nichts.

    2020 hatte der Konzern in einer ähnlichen Initiative den Geschäftsbereich mit Cloud-basierten Kommunikationsprodukten für 225 Millionen Euro an das schwedische Unternehmen Sinch verkauft.

    Warten auf einen Impuls für die Aktie

    Die SAP-Aktie gab am Freitag in einem insgesamt schwachen Gesamtmarkt nach. Sie lag deutlich tiefer bei knapp 96,70 Euro, ein Minus von fast drei Prozent zum Vortag.

    >> Lesen Sie hier ein Interview mit SAP-Mitbegründer Hasso Plattner: „Wir haben bessere Zahlen, aber Oracle macht bessere Bilanzpressekonferenzen“

    Der Softwarehersteller erlebt an der Börse eine Schwächephase, der Kurs hat seit Jahresbeginn rund 20 Prozent an Wert verloren. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex Dax hat im selben Zeitraum ein Minus von lediglich neun Prozent verzeichnet.

    Die hohe Inflation und geopolitische Spannungen belasten viele Technologiewerte. Hinzu kommt die Unsicherheit über den Umbruch beim wertvollsten deutschen IT-Konzern.

    Analysten bewerten die Aussichten von SAP aber weiterhin grundsätzlich positiv: Die meisten empfehlen die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 137 Euro, ein Aufschlag von gut 37 Prozent.

    Die Wachstumstreiber seien weiter intakt, erklärte Mohammed Moawalla von Goldman Sachs vor der Veröffentlichung: Das konjunkturelle Umfeld für IT-Ausgaben sei dank hoher Ausgaben für Digitalisierung robust.

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