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25.11.2022

09:33

Start-up-Check

Levity will Mittelständlern Künstliche Intelligenz beibringen

Von: Nadine Schimroszik

Nur jedes zehnte Unternehmen in Deutschland nutzt Künstliche Intelligenz. Das will das Berliner Software-Start-up ändern und Firmen bei der Digitalisierung helfen.

Thilo Hüllmann (links) und Gero Keil wollen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen vereinfachen.

Levity-Gründer

Thilo Hüllmann (links) und Gero Keil wollen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen vereinfachen.

Berlin Künstliche Intelligenz (KI) gilt als Schlüsseltechnologie, die praktisch überall zum Einsatz kommen könnte. Bislang nutzen aber nur wenige Unternehmen die Technologie. Vielen fällt es schwer, die theoretischen Möglichketen von KI in konkrete Anwendungen zu übertragen. Denn häufig fehlen dafür personelle Ressourcen, Fähigkeiten und Daten, zeigt eine Bitkom-Umfrage.

Das Berliner Start-up Levity will dem Mittelstand dabei helfen, Künstliche Intelligenz für das eigene Geschäft zu nutzen. „Wir haben da die Möglichkeit gesehen, eine Plattform nach dem Baukastenprinzip aufzubauen“, sagt Firmenmitgründer Gero Keil. Mit Levity sollen auch nicht technische Anwender einen Prozess leichter automatisieren können – ohne große Vorkenntnisse im Programmieren. In der Branche werden solche Angebote daher als „No Code“-Technologie bezeichnet.

Levity-Gründer Keil und sein Mitstreiter Thilo Hüllmann wollen damit vor allem Firmen mit 50 bis 1000 Mitarbeitern gewinnen, in denen es bereits etablierte Prozesse gibt.

Was macht Levity?

Mit der Technologie des 2019 gegründeten Start-ups lassen sich unstrukturierte Datentypen wie Bilder, Texte und Dokumente automatisiert auswerten und bearbeiten. So können beispielsweise E-Mails und Anhänge automatisch gelabelt und weitergeleitet oder bestimmte Dokumente den passenden Ordnern zugeordnet werden.

Die Anwendungsbeispiele können aber auch Aufgaben übernehmen, die für Menschen zu kompliziert oder unangenehm sind: Ein Kunde habe unzählige Proben von Hundekot unter dem Mikroskop auf Wurmeier untersucht, erzählt Firmengründer Keil.

Die Fotos aus dem Mikroskop habe man mit der Anwendung von Levity analysiert. „Zuvor war der Prozess komplett händisch und es gab eine hohe Fluktuation der Mitarbeiter, die sich normalerweise den ganzen Tag lang die Proben anschauen mussten“, so Keil.

Wie groß ist das Potenzial?

Das Marktforschungsinstitut Gartner rechnet damit, dass bis 2025 rund 70 Prozent aller neuen Anwendungen, die von Organisationen entwickelt werden, Low-Code- oder No-Code-Technologien nutzen. 2020 sei es weniger als ein Fünftel gewesen.

Allerdings ist es schwierig zu sagen, wie viel von diesem Wachstum auf sogenannte „No Code“-Technologien entfällt, wie Levity sie anbietet. Denn diese werden nicht gesondert ausgewiesen. „Bei No Code geht es darum, Mitarbeitern die Fähigkeit zu geben, etwas zu erledigen, was sie sonst nicht tun könnten“, erklärt Keil. Low Code soll dagegen vor allem Softwareingenieuren das Programmieren erleichtern. Bei Marktprognosen werden häufig noch beide Kategorien zusammengefasst.

Eins steht für Gartner-Analyst Milind Govekar aber fest: Das Silodenken in der Softwareentwicklung soll obsolet werden. Davon dürfte auch Levity profitieren.

Was sagen Investoren?

Erst im Oktober hat Levity eine Seed-Finanzierung in Höhe von 8,3 Millionen Dollar erhalten. Damals kam auch Wagniskapitalgeber Balderton an Bord. „No Code beziehungsweise Low Code überbrückt die Kluft zwischen knappem technischem Fachwissen und der schnell wachsenden Nachfrage nach der Automatisierung von Geschäftsprozessen“, ist Balderton-Investorin Shikha Ahluwalia überzeugt.

Grafik

Levity habe einen „holistischen Blick auf Prozesse“ und könne so eine Fülle von komplexen Anwendungsfällen im Umgang mit unstrukturierten Daten abbilden. Perspektivisch sei auch ein IPO denkbar, verrät Gründer Keil. „Langfristig gesehen ist es unsere Ambition, an die Börse zu gehen.“

Wer ist die Konkurrenz?

„Unser größter Wettbewerber ist die Einstellung der Leute, die der Meinung sind, dass Prozesse nicht automatisiert werden müssen“, sagt Levity-Gründer Keil. Doch auch im Tagesgeschäft ist die Zahl der Konkurrenten groß, die mit No- oder Low-Code-Anwendungen um Kunden werben. Zu den Etabliertesten gehört das US-Start-up Airtable, das inzwischen bei Investoren rund 1,4 Milliarden Dollar an Wagniskapital eingesammelt hat. Auch der No-Code-Anbieter Softr, der wie Levity aus Berlin kommt, ist zuletzt gewachsen und hatte Anfang des Jahres mehr als 13 Millionen Dollar eingesammelt. Das Start-up Seatable wiederum will mit seinem Low-Code-Ansatz das Excel der Zukunft bauen.

Weitere Start-up-Checks finden Sie hier:

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