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22.06.2022

04:00

Start-up

Software-Spezialist Personio steigert Bewertung auf 8,5 Milliarden Dollar

Von: Axel Höpner

Die Investoren sehen bei der Finanzierung von Start-ups genauer hin. Doch das Beispiel Personio zeigt, dass Investoren weiter bereitstehen, wenn sie das Geschäftsmodell überzeugt.

Personio hat eine Standardsoftware für die Personalverwaltung von kleinen und mittelständischen Unternehmen entwickelt.

Hanno Renner

Personio hat eine Standardsoftware für die Personalverwaltung von kleinen und mittelständischen Unternehmen entwickelt.

München Personio zählt zu den am höchsten bewerteten deutschen Start-ups. Im zunehmend schwierigeren Finanzierungsumfeld sammelte der Personalsoftware-Spezialist nun weitere 200 Millionen Dollar ein. Die Unternehmensbewertung erhöhte sich dabei auf 8,5 Milliarden Dollar.

„Das ist ein starkes Signal, dass die Investoren von der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells überzeugt sind“, sagte Gründer Hanno Renner dem Handelsblatt. Auch und gerade in unsicheren Zeiten investierten die Unternehmen in Software, um die Personalprozesse zu digitalisieren und damit die Prozesse effizienter zu machen.

Personio hat eine Standardsoftware für die Personalverwaltung von kleinen und mittelständischen Unternehmen entwickelt. Ziel ist es, eine Art SAP für Personaler in Firmen mit bis zu 2000 Mitarbeitern zu werden. Als potenzielle Kunden sieht Personio 1,7 Millionen Firmen in Europa.

Im zweiten Teil einer Series-E-Finanzierungsrunde warb Renner nun weitere 200 Millionen Dollar ein. Im vergangenen Herbst waren es zuletzt 270 Millionen Dollar gewesen, die Bewertung lag damals bei sechs Milliarden Dollar. Angeführt wurde die neue Runde wieder von Greenoaks.

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    Aktuell sehen Investoren angesichts der globalen Unsicherheiten deutlich genauer hin. Die Zeiten, in denen Finanzierungsrunden Selbstläufer waren, weil zu viel Geld am Markt unterwegs war, sind vorbei.

    Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells entscheidend

    Bei den Gesprächen mit potenziellen Investoren gehe es derzeit nicht mehr primär darum, ob ein Unternehmen wie Personio nun um 100 oder um 120 Prozent wachse, sagte Renner. Die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells sei entscheidend. Auf Basis der aktuellen Finanzierung könne Personio trotz des starken Wachstums jederzeit profitabel werden.

    Andere Firmen tun sich bei der Geldgebersuche derzeit schwerer. Die globalen Investments in Tech-Start-ups sanken im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal von 10,3 auf acht Milliarden Dollar. „Zwei bis drei Quartale lang dürfte der Markt in jedem Fall von Unsicherheit und Erschütterungen geprägt sein“, sagt Alicia Fuller, Start-up-Expertin bei der Silicon Valley Bank in New York.

    Der US-Wagniskapitalgeber Sequoia zeichnete kürzlich das Szenario eines „Survival of the quickest“. Nur diejenigen Firmen überlebten Monate, die ihre Kosten am schnellsten in den Griff bekommen. In Deutschland kündigte eine Reihe von Start-ups wie der Banking-Anbieter Kontist und der Expresslieferdienst Gorillas bereits Stellenstreichungen an.

    Für Start-ups heißt das, dass die Finanzierungsrunden kein Selbstläufer mehr sind. Doch bedeutet das nicht, dass nichts mehr geht. „Wir beobachten nach wie vor hohe Investitionssummen und erfolgreiche Exits“, sagte Carsten Rudolph, Geschäftsführer des Investorennetzwerks BayStartup, dem Handelsblatt.

    Es gebe inzwischen viele Fonds in Deutschland – einige davon wie der HTGF und Earlybird seien gerade frisch mit Kapital ausgestattet. „Allerdings werden die Anforderungen hinsichtlich der messbaren Unternehmensentwicklung und fundierten Planung steigen; auch stehen die Bewertungen unter Druck.“ Für Start-ups mit einem überzeugenden Geschäftsmodell werde die Finanzierung weiter gut möglich sein.

    Gesundes finanzielles Polster

    Bei Personio vertrauen die Investoren bislang weiter auf das Geschäftsmodell. Insgesamt hat das Unternehmen nun 720 Millionen Dollar eingeworben. „Einen großen Teil davon haben wir noch nicht ausgegeben, wir haben ein gesundes Polster“, sagt Renner. Das sei beruhigend für Mitarbeiter und Kunden. „Wir müssen keine schlechten oder falschen Entscheidungen treffen, weil wir finanziell unter Druck stehen.“

    Im vergangenen Jahr haben sich die Umsätze des Unternehmens laut Branchenschätzungen auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag mehr als verdoppelt. Renner ist überzeugt, die dreistelligen Wachstumsraten noch lange durchhalten zu können.

    Die Investoren glauben an die Story. „Das Produkt von Personio ist zu einem unverzichtbaren Tool für kleine und mittelständische Unternehmen in Europa geworden, die sich gerade von den Herausforderungen der Pandemie erholen“, sagte Greenoaks-Gründer Neil Mehta. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten müssten die Firmen ihre Prozesse effizienter gestalten. Personio sei „mit seinem schnellen Wachstum, einem nachhaltigen Geschäftsmodell und einem außergewöhnlichen Führungsteam“ eines der weltweit besten „Software as a Service“-Unternehmen.

    Mit dem frischen Kapital will Personio die Technologie weiterentwickeln. Kürzlich hatte das Unternehmen zudem die zweite Übernahme gewagt und für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag den Software-Spezialisten Back Technologies übernommen.

    Back automatisiert Personalprozesse und führt Kanäle wie E-Mail, WhatsApp und Slack zusammen. Mit der Technologie können zum Beispiel klassische Mitarbeiteranfragen zu Gehaltsthemen über Slack oder Teams mithilfe Künstlicher Intelligenz automatisiert beantwortet oder an die richtige Stelle weitergeleitet werden.

    Auf längere Sicht strebt Personio einen Börsengang an. „Das ist der klare mittelfristige Plan“, sagte Renner. Man könne hier aber auf den richtigen Zeitpunkt warten und auch andere Optionen prüfen. Aufseiten der Investoren besteht kein Exit-Druck: Die frühen Geldgeber sind seit 2016 an Bord, viele Venture-Capital-Fonds haben aber einen Zeithorizont von acht bis zehn Jahren bei ihren Investments.

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