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21.01.2022

02:47

Streaminganbieter

Netflix erwartet schwaches Wachstum – Aktie stürzt nachbörslich ab

Von: Kevin Knitterscheidt

Starke Streaming-Hits wie „Squid Game“ hatten Netflix zuletzt zu einem stärkeren Nutzerwachstum verholfen. Der Ausblick auf das laufende Quartal enttäuschte die Anleger jedoch.

Der Streaminganbieter prognostiziert ein langsameres Wachstum. AP

Netflix

Der Streaminganbieter prognostiziert ein langsameres Wachstum.

San Francisco Wer im vergangenen Jahr Filmpreisverleihungen wie die Oscars oder die Emmys verfolgt hat, ist dabei um den Namen Netflix nicht herumgekommen. Keine andere Produktionsfirma konnte 2021 so viele Nominierungen und Preise auf sich vereinen wie der Streamingdienst aus Los Gatos in Kalifornien.

Das zahlt sich auch finanziell aus. Wie Netflix am Donnerstag anlässlich der Vorlage der Jahreszahlen mitteilte, stieg der operative Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr um 35 Prozent auf knapp 6,2 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der Abonnenten stieg um 8,3 auf 222 Millionen Mitglieder – ein Wachstum von immerhin knapp vier Prozent.

Dennoch wurde der Konzern für die vorgelegten Ergebnisse an der Börse heftig abgestraft. Nachbörslich rutschte der Kurs um 20 Prozent auf knapp 407 US-Dollar ab. Denn Analysten hatten mit einem deutlich stärkeren Wachstum gerechnet, nachdem Netflix 2020, im ersten Jahr der Pandemie stark von den weltweiten Lockdowns profitiert hatte.

Damals hatte der Konzern noch 36 Millionen Mitglieder hinzugewonnen, im abgelaufenen Jahr sank der Zuwachs auf 18,2 Millionen Nutzer. Netflix-Finanzchef Spencer Neumann erklärte die abnehmende Dynamik mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, die in Regionen wie Südamerika nun finanziell stärker in den Privathaushalten zu spüren sei.

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    Netflix im Ausgaberausch

    Vor allem die durchwachsenen Aussichten bereiteten offenbar vielen Anlegern Sorge. So geht Netflix davon aus, dass die Zahl der Nutzer zwischen Januar und März nur um 2,5 Millionen Abonnenten zulegen dürfte. Im Vergleich zum Vorjahresquartal (vier Millionen Nutzer) hat sich der Zuwachs damit deutlich verringert.

    „Netflix war in Sachen Nutzerprognosen immer eine Art Märchenkandidat, steht aber jetzt in einem etwas schwierigeren Licht“, so die Einschätzung von Laura Hoy, Analystin bei Hargreaves Lansdown. So liege die Vorhersage nur knapp höher als die Hälfte des Vorjahreswerts. Das wecke bei den Investoren Skepsis, ob langfristig ausreichend Geld hereinkommt, um die teuren Film- und Serienproduktionen dauerhaft zu finanzieren.

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    So stieg der Schuldenstand des Unternehmens, trotz eines positiven freien Kapitalflusses (Free Cashflow) von rund 570 Millionen US-Dollar, im abgelaufenen Geschäftsjahr von 12,5 auf 13,7 Milliarden US-Dollar an. „Netflix könnte eine wilde Fahrt vor sich haben, nachdem der Konzern im vergangenen Jahr in einen regelrechten Ausgaberausch verfallen ist“, so Hoy. Das sorge im Ergebnis für „nervöse Investoren“.

    Netflix-CFO Neumann betonte in einer Videokonferenz anlässlich der Zahlenvorlage indes, dass der Konzern trotz der abnehmenden Nutzerdynamik bei „wichtigen Kennzahlen wie der Verweildauer unserer Nutzer oder der Abwanderungsquote sehr gut abgeschnitten“ habe. Das langsamere Wachstum sei temporär, so der Manager. „Grundsätzlich sehen wir keine strukturelle Veränderung des Marktes.“

    Disney Plus und HBO Max investieren Milliarden

    Allerdings hat sich der Wettbewerb für den Branchenpionier in den vergangenen Jahren spürbar verschärft. So sind mit Disney Plus und HBO Max zwei große Konkurrenten entstanden, die viele Milliarden investieren, um Marktanteile zu gewinnen. Dadurch wird auch der Abopreis immer relevanter, den Netflix in den USA und Kanada zuletzt angehoben hat.

    Dabei macht Netflix derzeit auch der starke US-Dollar zu schaffen, nachdem die US-Notenbank Fed für 2022 drei Zinsschritte angekündigt hat. Allein durch Währungsverluste könnten dem Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr so rund eine Milliarde US-Dollar an Umsatz verloren gehen, schätzt Neumann. Die Entwicklung sei schon im vergangenen Halbjahr zu spüren gewesen.

    Auch die Konkurrenz bekommt diesen Gegenwind zu spüren. So gaben die Aktien von Disney und Roku ebenfalls nach, nachdem Netflix seine Jahresergebnisse vorgelegt hatte. Beide Unternehmen werden ihre Ergebnisse allerdings jeweils in einigen Wochen vorlegen.

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