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22.01.2022

15:00

Technologie

Ambright druckt Licht – und sucht jetzt Geldgeber

Von: Joachim Hofer

Vor 13 Jahren hat Florian Ilchmann seine Hightech-Firma gegründet. Mit Industriepartnern will der Elektroingenieur nun zum großen Sprung ansetzen.

Vor 13 Jahren gründete der Geschäftsführende Gesellschafter sein Unternehmen Ambright. Ambright

Florian Ilchmann

Vor 13 Jahren gründete der Geschäftsführende Gesellschafter sein Unternehmen Ambright.

München Es werde Licht – und zwar möglichst in jeder erdenklichen Form und zu vernünftigen Preisen: Mit seiner Hightech-Firma Ambright will Florian Ilchmann das Geschäft mit Leuchten revolutionieren. Ein Konzept, das der geschäftsführende Gesellschafter als „industrialisierte Individualität“ bezeichnet.

Die Technik dafür hat der Münchener in den vergangenen 13 Jahren entwickelt, weitgehend mit eigenen Mitteln. Fünf Millionen Euro hat der promovierte Elektroingenieur laut eigener Aussage in die Hand genommen. Um seine Leuchten zu vertreiben, benötigt Ilchmann jetzt aber Hilfe von außen. „Wir suchen weitere strategische Investoren“, sagt der 41-Jährige. „Denn die können uns mehr unterstützen als nur mit Geld.“

Gleichwohl sei er auch offen für Risikokapitalgeber. Zwischen fünf und zehn Millionen Euro möchte Ilchmann in den nächsten Monaten einsammeln.

Die Kernkompetenz von Ambright ist ein Hochfrequenz-Verfahren, mit dem sich hauchdünne Kupferdrähte automatisiert auf vielen Oberflächen anbringen lassen. So werden LEDs miteinander verbunden, die sich auch auf großen Flächen frei anordnen und ansteuern lassen.

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    Die Anlage dafür hat Ambright selbst gebaut. Üblicherweise werden in der Lichttechnik Platinen benutzt, auf denen die Leiterbahnen laufen. Die Lösung von Ambright ist günstiger und flexibler.

    In wenigen Minuten zur individuellen Leuchte

    Mit seinem 40-köpfigen Team programmierte der Familienvater zudem eine Software, mit der die Kunden ihre Leuchten selbst designen können. Das Online-Werkzeug „Light Sketch“ erstellt dabei in wenigen Sekunden ein komplettes Datenblatt. So könnten die Nutzer in kürzester Zeit ein „zertifiziertes elektronisches Produkt“ entwerfen, sagt Ilchmann.

    Bislang hat der Gründer nur einen weiteren Anteilseigner an Bord geholt: den Baukonzern Lindner aus dem niederbayerischen Arnstorf. Das Familienunternehmen hält Ilchmann zufolge knapp ein Drittel der Anteile und investierte dafür 2019 einen siebenstelligen Betrag.

    Veronika Lindner, Vorsitzende des Verwaltungsrats und Gesellschafterin der Lindner Group, bereut das Engagement nicht: „Licht ist ein wesentliches Element im Innenausbau. Licht zu drucken ist einzigartig. Das Team von Ambright hat uns als Unternehmen überzeugt und beeindruckt uns immer wieder mit seiner technologischen Innovationskraft.“

    Lindner setzt stark auf den Innenausbau und hat damit ein großes Interesse an innovativen Lichtkonzepten. Der Konzern hat die Decken des Flughafens von Hongkong geliefert, die Moschee in Mekka ausgestattet und auch die modernen Helios-Schiffe von Aida – die ersten mit flüssigem Erdgas betriebenen Kreuzfahrtschiffe, von denen mit der Aida Nova eines bereits Dezember 2018 in Dienst gestellt wurde.

    Ambright „druckt“ Kupferverbindungen. Dadurch lassen sich LED-Leuchten auf vielen Oberflächen frei anordnen, verbinden und ansteuern. Ambright

    Ambright-Technologie

    Ambright „druckt“ Kupferverbindungen. Dadurch lassen sich LED-Leuchten auf vielen Oberflächen frei anordnen, verbinden und ansteuern.

    Ilchmann hatte noch eine halbe Stelle an der Technischen Universität München inne, als er seine Firma 2009 aufzubauen begann. Seinen ersten Auftrag erhielt der Ingenieur, bevor er einen einzigen Mitarbeiter hatte. Die Medizintechniksparte von Siemens in Schanghai orderte bei ihm eine Beleuchtung für Computertomographen. Bis heute sind Leuchtsysteme für medizinische Geräte ein wichtiger Umsatzbringer.

    Die Firma ist klein, wächst aber schnell: 2021 seien die Erlöse um rund 40 Prozent auf 2,4 Millionen Euro gestiegen, sagt Ilchmann. In zwei Jahren will der Vater von zwei Kindern auf zehn Millionen Euro Umsatz kommen. Siemens ist noch immer Kunde, Ilchmann war auch schon für bekannte Marken wie Swarovski tätig, für den Hausgerätehersteller BSH, die Österreichischen Bundesbahnen oder BMW. Manche Luxusjacht schippert heute mit einem künstlichen Sternenhimmel von Ambright im Schiffsinneren über die Weltmeere.

    Ambright fehlt der Kundenzugang

    Dass Ilchmann nach industriellen Anteilseignern Ausschau hält, hat seinen Grund: „Wir sind im Lichtbereich ein völlig unbeschriebenes Blatt.“ Ambright fehlt daher noch der Kundenzugang. Ilchmann tritt gegen große Namen an, etwa den österreichischen Lichtkonzern Zumtobel, die ehemalige Siemens-Sparte Osram und Signify, eine früheren Division von Philips.

    Bislang hat Ilchmann vor allem Unikate für einige wenige, ausgewählte Großkunden produziert. Mit der Software „Light Sketch“ strebt der Unternehmer nun aber viel größere Mengen an. Seine Leuchten will Ilchmann über Architekten, Planer und innovative Händler vermarkten.

    Gemeinsam mit dem Designmöbel-Hersteller Vitra hat Ilchmann außerdem Regalböden mit Lichtkante entwickelt. Er will das bereits etablierte Geschäft mit kommerziellen Abnehmern weiter ausbauen.

    Ein Vorhaben, das sich angesichts der Corona-bedingten Schwierigkeiten des stationären Handels aber bislang nicht so gut entwickle wie erhofft. Nach 13 Jahren Aufbauarbeit ist der Mittelständler allerdings gewohnt, dass manche Dinge ihre Zeit brauchen.

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