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13.05.2022

15:07

Technologie

Mobilfunk: Warum Qualcomm mitten in München eine Fabrik betreibt

Von: Joachim Hofer

Der amerikanische Chipkonzern führt eine ganze Sparte von der bayerischen Metropole aus – und wirft dafür sogar ein ehernes Prinzip über Bord.

Der Mobilfunkstandard 5G treibt auch das Geschäft der Münchner Qualcomm-Sparte. Reuters

Qualcomm

Der Mobilfunkstandard 5G treibt auch das Geschäft der Münchner Qualcomm-Sparte.

München Im Münchener Werksviertel rauchen schon lange keine Schlote mehr. Das Industriegelände hat sich zur Partyzone, zum Ausflugsziel und Büroquartier gewandelt. Ausgerechnet einer der größten Chipkonzerne der Welt aber fertigt noch am Rande des Areals hinter dem Ostbahnhof: Qualcomm.

Eine Elektronikfabrik mitten in einer Großstadt ist an sich schon außergewöhnlich. Für Qualcomm indes ist sie geradezu eine Sensation, denn der weltweit umsatzstärkste Anbieter von Handychips bezieht fast alle seine Ware von Auftragsfertigern.

Doch auch die Sparte, zu der das Werk gehört, fällt bei Qualcomm aus dem Rahmen: Radio Frequency Front-End, kurz RFFE, ist die einzige Division des US-Unternehmens, die nicht in Amerika angesiedelt ist – sondern in München.

Ein Sonderweg, der sich für Qualcomm auszahlt: Im vergangenen Geschäftsjahr ist der Umsatz der Sparte um 76 Prozent auf knapp 4,2 Milliarden Dollar (4 Milliarden Euro) in die Höhe geschossen, das entspricht rund zwölf Prozent der Konzernerlöse. Es war dies das am stärksten wachsende Geschäft der Firma aus San Diego.

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    „Design und Technologie gehen bei uns Hand in Hand“, sagt Bereichschef Christian Block. Daher habe er nach der Übernahme des Geschäfts durch Qualcomm vor zweieinhalb Jahren intern vehement dafür gekämpft, die Fabrik zu erhalten – und auch die anderen beiden Fertigungen in Singapur und China. Von den 5000 Beschäftigten der Sparte sind 1400 in München tätig.

    Die Münchener sind dagegen für Hochfrequenzfilter zuständig. Die Bauteile filtern die Funksignale der verschiedenen Frequenzbänder im Mobilfunk, mit denen die Telefone Informationen empfangen und senden. Ein wenig lässt sich das Vergleichen mit den Radios von früher, wo die Sender getrennt werden mussten. Mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G sei die Technologie noch einmal komplexer geworden, so Divisionschef Block.

    Die Wurzeln reichen zurück bis zu Siemens

    Was Qualcomm auszeichnet, sind die kompletten RFFE-Lösungen auf nur einem Chip, die eine Signalkette vom Modem bis zur Antenne ermöglichen. Qualcomm sieht sich als einziger Hersteller solch hochintegrierter Bauteile mit einem Marktanteil bei Hochfrequenzfiltern im Mobilfunk von 20 Prozent. „Die Leistungsfähigkeit der Filter ist für das gesamte System hochrelevant“, erläutert Block.

    Es ist kein Zufall, dass das Geschäft mitten in der bayerischen Landeshauptstadt angesiedelt ist. Die Wurzeln reichen zurück bis zum Münchener Elektrospezialisten Siemens. Der Dax-Konzern brachte den Bereich 1999 zunächst an die Börse unter dem Namen Epcos, später stieg TDK ein. Die Japaner schufen 2016 zunächst ein Gemeinschaftsunternehmen mit Qualcomm, im Herbst 2019 verkauften sie ihren Teil schließlich an die Amerikaner.

    Bauteile der Münchener stecken in praktisch allen Handys mit dem Betriebssystem Android, von Google über Samsung bis Xiaomi, und auch in den iPhones von Apple.

    Konzernchef Cristiano Amon hat den Anlegern auf dem Investorentag vergangenes Jahr ein strammes Wachstum der Münchener Sparte versprochen. Die Umsätze würden bis 2024 mindestens so stark zulegen wie der Markt, verkündete der Manager, das heißt: nicht weniger als zwölf Prozent plus jedes Jahr.

    Damit käme das Geschäft in zwei Jahren auf knapp sechs Milliarden Dollar Umsatz. Der Markt soll demgegenüber von 17 Milliarden Dollar vergangenes Jahr auf 24 Milliarden wachsen. Bekannteste Wettbewerber auf diesem Feld sind die amerikanischen Konzerne Broadcom, Skyworks und Qorvo sowie Murata aus Japan.

    Bislang stehen die Handyhersteller für den weitaus größten Teil der Erlöse der Division. Bei Qualcomm gehen sie indes davon aus, dass in zwei Jahren drei von vier neuen Autos mit dem Internet verbunden sind – und damit zum fahrenden Smartphone werden. Für den gesamten Konzern, aber auch für die Münchener RFFE, tut sich damit ein gewaltiges Umsatzpotenzial auf.

    „Allerdings werden im Auto auch höhere Anforderungen an die Komponenten gestellt“, sagt Bereichsleiter Block. Bis zu 30 Dollar Umsatz könnte die Sparte künftig bei jedem Fahrzeug mit Bauteilen für eine 5G-Mobilfunkverbindung erlösen, geht aus Unterlagen für Investoren hervor. Zweistellige Wachstumsraten dürften damit auch für die nächsten Jahre garantiert sein – und der Erhalt der einzigartigen Fabrik in München.

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