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08.02.2022

02:18

Technologie

Peter Thiel legt Posten im Verwaltungsrat des Facebook-Konzerns nieder

Von: Stephan Scheuer, Felix Holtermann

PremiumDer Investor gehörte zu den ersten Unterstützern der Plattform. Nun will er sich stärker auf die Politik konzentrieren. Schon jetzt fördert er rechte Hardliner.

Der Investor gehörte zu den frühesten Unterstützern von Mark Zuckerberg beim Aufbau von Facebook. imago images/ZUMA Wire

Peter Thiel

Der Investor gehörte zu den frühesten Unterstützern von Mark Zuckerberg beim Aufbau von Facebook.

San Francisco, New York Der Milliardär Peter Thiel gehörte zu den ersten Geldgebern, die an die Zukunft von Mark Zuckerberg und seiner Plattform glaubten. Zwei Jahrzehnte begleitete er den Aufstieg des Unternehmens. Bei der anstehenden Hauptversammlung des Mutterkonzerns Meta wird Thiel nun aus dem Verwaltungsrat ausscheiden, wie Meta am Montag mitteilte.

Der 54 Jahre alte Thiel sagte: „Es war ein Privileg, mit einem der größten Unternehmer unserer Zeit zu arbeiten. Mark Zuckerbergs Intelligenz, Energie und Gewissenhaftigkeit sind enorm.“ Mit seinem Talent werde er Meta in eine neue Ära führen.

Zuckerberg sagte: „Peter war ein wertvolles Mitglied unseres Vorstands.“ Weiter führte Zuckerberg aus: „Ich bin zutiefst dankbar für alles, was er für unser Unternehmen getan hat – angefangen damit, dass er an uns geglaubt hat, als es nur wenige andere taten, bis hin dazu, dass er mir so viele Lektionen über Unternehmen, Wirtschaft und die Welt beigebracht hat.“

Peter Thiel gehört in den Club der superreichen Tech-Milliardäre. Sein Vermögen wird auf zwei bis acht Milliarden Dollar geschätzt. Trotzdem gilt er mit seinen politisch konservativen bis rechtspopulistischen Ansichten als Außenseiter in der eher liberal geprägten Tech-Szene in den USA.

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    Er teilte nie den uneingeschränkten Technikenthusiasmus anderer Investoren aus dem Silicon Valley. Über den Kurzmitteilungsdienst Twitter spottete er: „Man versprach uns fliegende Autos, stattdessen bekamen wir 140 Zeichen.“

    Thiel will sich auf Politik konzentrieren

    Seit einigen Jahren engagiert sich Thiel als Geldgeber in konservativen und populistischen Kreisen in den USA. „Trumpismus ohne Trump“ nennt Biograf Max Chafkin die Strategie von Thiel. Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz hat er als „Global Strategist“ bei seiner privaten Vermögensverwaltung Thiel Capital angestellt.

    Nun will Thiel sich laut einstimmigen Medienberichten stärker auf die Politik konzentrieren. Er unterstützt unter anderem die beiden Kandidaten Blake Masters und JD Vance bei den Wahlen für den Senat in diesem November, die Trump nahestehen.

    Laut seinem Umfeld verstärkt Thiel sein politisches Engagement seit Jahren. „Die Politik hat immer mehr Raum bei ihm eingenommen. Peter ist superpolitisch, und das schon seit fünf, sechs Jahren“, sagte eine ihm nahestehende Person. „Die Biden-Administration sieht er als ein Geschenk an, weil er sie so schlecht findet.“ Demnach sei die Wahl von US-Präsident Joe Biden ein Pyrrhussieg für die Demokraten gewesen: Die Unpopularität Bidens erlaube den Republikanern, sich für die Kongress- und die Präsidentschaftswahlen neu aufzustellen.

    In Thiels Umfeld glaubt man nicht, dass Zuckerberg ihn aufgrund seines politischen Engagements zum Ausstieg gedrängt hat. Der Facebook-Gründer habe die politischen Verbindungen seines Mentors immer geschätzt: „Auch wenn er nun nicht mehr bei Facebook ist: Peter bleibt einer der mächtigsten Tech-Männer der USA. Und das weiß er auch.“

    Börsengang von Facebook brachte Thiel Milliarden

    Der in Frankfurt am Main geborene Thiel zog mit seinen Eltern im Alter von einem Jahr in die USA. An der renommierten Stanford University studierte er Philosophie und später Rechtswissenschaften.

    Reich wurde er als Mitgründer des Zahlungsdienstleisters Paypal. Mit dessen Börsengang und späterem Verkauf an den Onlinehändler Ebay wurde er Millionär, und er begann, sein Geld in andere Firmen zu investieren. Er war Chef des Founder Funds, als er Mark Zuckerberg kennenlernte.

    Bei einem ihrer ersten Treffen soll Zuckerberg in Flipflops aufgetreten sein und eine Visitenkarte mit dem Schriftzug „I'm CEO ... bitch“ verteilt haben, beschrieb der bestens informierte Technologie-Reporter Steven Levy die Szene.

    Trotz oder gerade wegen seines Auftretens entstand eine enge Verbindung zwischen den beiden Männern. Thiel investierte im August 2004 insgesamt 500.000 Dollar in Zuckerbergs Unternehmen, was den Firmenwert auf fünf Millionen Dollar brachte. Der Börsengang von Facebook machte Thiel 2012 zum Milliardär. Über die folgenden Jahre stieß er immer wieder Aktienpakete ab. Im Jahr 2020 soll er nur noch 10.000 Aktien gehalten haben.

    Thiels Rolle bei Facebook war jedoch sehr umstritten. Thiel ist einer der prominentesten Unterstützer der Republikaner aus der US-Technologieszene. Er spendete mehrmals für Gruppen, die den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump unterstützen.

    Seine Rolle bei Facebook soll Thiel laut Recherchen des „Wall Street Journals“ dafür genutzt haben, politische Werbung ungefiltert auf der Plattform vor der Präsidentschaftswahl 2020 zuzulassen. Gleichzeitig soll Thiel in Firmen investiert haben, die von sich behaupteten, die Verschlüsselung des Meta-eigenen Dienstes WhatsApp knacken zu können.

    Neben seinem Posten im Verwaltungsrat von Facebook gehört Thiels Rolle als Chairman beim Softwarekonzern Palantir zu seiner prominentesten Aufgabe als Unternehmer. Von Palantir gab es bisher keine Rückmeldungen, ob dort auch Veränderungen anstehen könnten.

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