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08.08.2022

13:23

Technologieinvestor

Der Absturz von Masayoshi Son: Softbank erleidet Quartalsverlust von 23 Milliarden Euro

Von: Martin Kölling

Der Kollaps der Tech-Aktien trifft den weltgrößten Tech-Investor hart. Gründer Son räumt Fehler ein und kündigt ein massives Sparprogramm an.

Softbank-Gründer Masayoshi Son Reuters

Masayoshi Son

Der Softbank-Gründer Masayoshi Son hat versprochen, künftig selektiver zu investieren und mehr Geld vorzuhalten.

Tokio Bisher versprühte Masayoshi Son auch bei hohen Verlusten von Softbank Optimismus. Auch wenn die Zahlen rot waren, investierte der Gründer des japanischen Investmentkonzerns mit seinen Softbank Vision Fund 1 und 2 rasant weiter. An diesem Montag, als er die jüngste Quartalsbilanz vorstellte, war davon nichts mehr zu spüren.

Angetrieben vom Absturz der Tech-Aktien weltweit und dem Kursverfall des Yens meldete Son einen Nettoverlust von 3,2 Billionen Yen, umgerechnet etwa 23 Milliarden Euro. „Dies ist der größte Quartalsverlust unserer Geschichte, und wir nehmen ihn sehr ernst“, sagte er mit steinerner Miene.

Kurz darauf kündigte Son ein großes Sparprogramm bei den Herzstücken des weltgrößten Technologieinvestors an. „Wir müssen die Anzahl der Mitarbeiter im Vision Fund drastisch reduzieren und auch auf Unternehmensebene die Kosten senken“, sagte Son. Statt wie gewohnt in die Offensive zu gehen, schaltet Japans Investorenlegende nun voll auf Defensive um.

Softbank ist damit ein weiterer Großinvestor, den der Absturz der Aktienkurse allgemein und der Technologieunternehmen im Besonderen schwer trifft. Berkshire Hathaway, die Holding der US-Investorenlegende Warren Buffett, bilanzierte für das vergangene Quartal sogar einen Verlust von 44 Milliarden Dollar.

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    Softbank: Verluste vor allem durch Absturz von Yen und Tech-Aktien

    Doch bei Softbank ist die Krise dramatischer, da sich das Unternehmen auf riskantere Investitionen in Mega-Start-ups konzentriert hat, die der Konzern dann mit Gewinn an die Börse bringen will. In den vergangenen zwei Quartalen haben die beiden Vision-Fonds von Softbank fast sechs Billionen Yen (44 Milliarden Euro) Verlust gemacht. Dadurch haben sich fast alle angesammelten Gewinne in Luft aufgelöst.

    Grafik

    Der jetzige Wert der inzwischen 473 Unternehmen, die Softbank in den beiden Fonds führt, ist auf nur noch 112 Milliarden Yen abgestürzt. Nur Ende 2019 lag der Wert niedriger, nämlich knapp im Minus. Damals rissen Krisen wie die des Gemeinschaftsbüroanbieters Wework und des Mobilitätsdiensts Uber die Bilanz in den Keller.

    Doch Softbank wurde durch den Boom der Tech-Aktien gerettet, der durch die Geldschwemme während der Coronakrise und den weltweiten Siegeszug des Homeoffice ausgelöst wurde. Vor einem Jahr lag der Wert von Sons Fonds bei 54 Milliarden Dollar – bevor der noch steilere Fall kam.

    Softbank-CEO Masayoshi Son sieht noch kein Ende der Krise

    Doch dieses Mal scheint für Son mehr auf dem Spiel zu stehen. Der Gründer stellt nun sein Geschäftsmodell infrage: das rasante Investieren in einen Schwarm von Firmen, mit dem Son die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik vorantreiben will.

    Allein mit dem Vision Fund 1 hatte Son seit 2017 fast 100 Milliarden Dollar von Softbank und vor allem finanzkräftigen Partnern in 88 sogenannte Einhörner, also Start-ups mit Milliardenbewertung, investiert. Darunter sind der Fahrdienstvermittler Didi, der Onlinehändler Coupang oder die deutsche Gebrauchtwagen-Plattform Auto1.

    Mit dem zweiten Fonds änderte er seine Strategie und investierte geringere Summen in kleinere Unternehmen. Aber auch da habe er sich überschätzt, gab Son am Montag zu. „Ich dachte, wir könnten eine gute Rendite erzielen“, sagte Son. Softbank habe daher mehr investiert, „als wir hätten investieren sollen“. Tatsächlich ist der Wert des zweiten Vision-Fonds nun negativ, während der erste dank gelungener Börsengänge noch positiv die Bilanz beeinflusst.

    Im Gegensatz zu früher ist Son zudem skeptisch, dass sich die Lage wieder schnell bessern wird. Einige Anleger meinten, man solle jetzt wieder kaufen. „Ich aber runzele dieses Mal die Stirn“, erklärte Son. „Drei Monate oder drei Jahre“ – er wisse nicht, wie lange der Abschwung der Tech-Aktien angesichts des Ukrainekriegs, der Taiwankrise, steigender Zinsen und Preise und der Pandemie andauern wird. „Normalerweise werden in solchen Zeiten Aktien stark verkauft“, sagte Son.

    Softbank-Gründer mit harscher Kritik an der Start-up-Branche

    Besonders hart geht der Softbank-Gründer kurz vor seinem 65. Geburtstag mit der Start-up-Branche ins Gericht. „Die Chefs der Einhörner glauben immer noch an ihre hohen Bewertungen“, sagte er. Solange nicht an der Börse notierte Unternehmen um ein Vielfaches höher bewertet seien als börsennotierte, wolle er abwarten, versprach Son. „Der Winter für privat gehaltene Firmen könnte länger dauern.“

    Um zu überwintern, drosselt Softbank die Ausgaben noch stärker, als Son vor sechs Monaten angekündigt hatte. Die Kriterien für Investitionen werden weiter verschärft, neue Investitionen massiv gesenkt. Im vergangenen Quartal steckte Son nur noch 600 Millionen Dollar in Start-ups, ein Dreißigstel der Summe von vor einem Jahr. Frisches Geld soll auf Start-ups im bisherigen Portfolio konzentriert werden, sagte Son. Auf die Weise will er die finanzielle Gesundheit des Konzerns absichern.

    Der Netto-Vermögenswert, darunter versteht er den Wert der Anlagen minus Netto-Schulden, ist mit 18,5 Billionen Yen trotz der Verluste gleich geblieben, da Softbank Schulden abgebaut hat. Aber Son tröstet das nicht. Kein Mal sprach er wie sonst üblich über die KI-Revolution, die er als seine Mission ansieht. Stattdessen sagte der Softbank-Gründer zum Abschluss der 90-minütigen Pressekonferenz: „Ich entschuldige mich für die sehr deprimierende Ergebnismeldung, aber ich wollte transparent sein.“

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