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18.11.2020

04:06

Telekommunikation

Das 3G-Netz in Deutschland wird abgeschaltet – das sind die Folgen

Von: Stephan Scheuer

Vor 20 Jahren hat 3G den Weg zum mobilen Internet geebnet. 2021 wird das Netz in Deutschland abgeschaltet – mit weitreichenden Konsequenzen.

Die letzten 3G-Antennen in Deutschland sollen Ende 2021 abgebaut werden. imago images / Rupert Oberhäuser

Ende des 3G-Mobilfunks

Die letzten 3G-Antennen in Deutschland sollen Ende 2021 abgebaut werden.

Düsseldorf Mit einer 50 Milliarden Euro schweren Bieterschlacht begann in Deutschland vor zwei Jahrzehnten der Aufbruch in das Zeitalter des mobilen Internets. Nach der umstrittenen Versteigerung der 3G-Mobilfunkfrequenzen wurde das Netz im ganzen Land ausgerollt. Die Einführung des iPhones von Apple im Jahr 2007 machte dann aufwendige Mobilanwendungen einem Massenpublikum zugänglich. Jetzt steht das 3G-Netz vor dem Aus.

Nachdem Telekom und Vodafone sich bereits auf den 30. Juni 2021 als Abschalttermin für 3G festgelegt haben, zieht jetzt auch der dritte Netzbetreiber Telefónica nach: Sechs Monate nach den Rivalen will auch Telefónica sein Netz abschalten, sagte Deutschlandchef Markus Haas dem Handelsblatt. „3G ist nicht mehr zeitgemäß. Wir widmen die Kapazitäten für 4G um.“ Ursprünglich hatte Telefónica davon gesprochen, das 3G-Netz erst im Jahr 2022 abschalten zu wollen.

Damit beschreiten die Netzbetreiber Neuland. „3G wird die erste Mobilfunktechnologie, die komplett abgeschaltet wird“, sagte Haas. So ganz genau kann niemand absehen, was passieren wird. Derzeit gebe es noch rund eine Million Geräte im Telefónica-Netz, die noch das 3G-Netz nutzten, sagte Haas. Zudem seien 140.000 SIM-Karten noch nicht 4G-fähig. Aber die würden Schritt für Schritt ausgetauscht.

Die Bundesnetzagentur teilte in ihrem Jahresbericht mit, dass Ende 2019 noch rund 48 Millionen 3G- und 2G-SIM-Karten im Einsatz waren. Für den 4G-Mobilfunkstandard zählte die Behörde Ende vergangenen Jahres 59 Millionen SIM-Karten. Das dürfte sich aber ändern, weil die Netzbetreiber Neuverträge nun ausschließlich mit 4G ausgeben.

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    Im Mobilfunk wird die Leistungsfähigkeit alle paar Jahre durch eine neue Netzgeneration verbessert. Derzeit ist der Ausbau der fünften Generation, kurz 5G genannt, in vollem Gange. Aus Sicht der Netzbetreiber ist es sinnvoll, eine alte Technik abzuschalten. Die derzeit für 3G reservierten Frequenzen können künftig für 4G genutzt werden. Die Plätze, an denen heute noch 3G-Sendeanlagen an Mobilfunkmasten hängen, können künftig für 4G oder 5G genutzt werden. Zudem sind die neuen Technologien deutlich stromsparender.

    2G-Netz dürfte noch längere Zeit aktiv bleiben

    Noch kann niemand sagen, welche Folgen das Ende der Netztechnologie langfristig haben wird. Bei Smartphones zumindest ist die Lage klar: Ältere Geräte werden nicht mehr richtig funktionieren. Auch wenn die Smartphones theoretisch auf das 2G-Netz ausweichen könnten, wird das für das Surfen im Internet nicht ausreichen. Die Telekom hat eine Webseite eingerichtet, auf der Verbraucher prüfen können, ob ihr Gerät 4G unterstützt. Da sich viele Verbraucher aber ohnehin alle paar Jahre neue Geräte kaufen, dürften letztlich nicht allzu viele Kunden betroffen sein.

    Bei Autos sieht die Situation anders aus: Seit dem Jahr 2018 ist in Europa das automatische Notrufsystem mit dem Namen „eCall“ für Neufahrzeuge gesetzlich vorgeschrieben. Die Technik baut in vielen Fällen auf 3G auf. Viele Verbraucher werden sich kaum im Zyklus der Mobilfunkgenerationen auch ein neues Auto kaufen wollen. Der Verband der Automobilindustrie forderte daher von den Netzbetreibern eine Garantie, dass das Netz bis zum Jahr 2035 erhalten bleibt.

    Haas hält die Sorgen für unbegründet: „Die eCall-Systeme werden weiter funktionieren. Nach dem Ende von 3G nutzen sie einfach 2G. Das Netz hat zwar einen geringeren Datendurchsatz, reicht für die Übermittlung eines Notrufs oder das Abfragen von Staudaten aber völlig aus.“

    Das 2G-Netz werde es in Deutschland noch längere Zeit geben, zeigte sich Haas überzeugt. „Wir brauchen es weiter für Systeme wie Kreditkartenleser, Parkuhren oder die Kommunikation zwischen Maschinen“, sagte Haas.

    Für Endkunden hat das Ende von 3G auch Vorteile: Während vor allem die Netzbetreiber Telekom und Vodafone über Jahre hinweg den Zugang zu 4G nur im Rahmen der teuersten Verträge gewährten und Billigverträge auf 3G beschränkten, werden jetzt alle Verträge für 4G freigeschaltet.

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