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10.11.2022

12:04

Telekommunikation

Deutsche Telekom macht dank US-Tochter 80 Prozent mehr Gewinn – und zahlt höhere Dividende

Von: Philipp Alvares de Souza Soares

Dank des florierenden US-Geschäfts kann Telekom-Chef Höttges abermals gute Zahlen vorlegen. Allerdings steigt auch der Schuldenstand auf neue Rekorde.

Das US-Geschäft trägt den größten Teil zum Wachstum des Gesamtkonzerns bei. Bloomberg

T-Mobile-Store

Das US-Geschäft trägt den größten Teil zum Wachstum des Gesamtkonzerns bei.

München Die Gewinnsträhne der Deutschen Telekom hält auch im jüngsten Quartal an. Der Umsatz sowie die Kundenzahlen steigen, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Wachstumstreiber ist die erfolgreiche Tochter T-Mobile US.

Nun werden, wie angekündigt, auch die Aktionäre von den Erfolgen profitieren: Die Dividende für das Geschäftsjahr 2022 steige auf 70 Cent, hieß es. Ein Plus von 9,3 Prozent.

Konzernchef Timotheus Höttges sagte: „Unsere Geschäfte wachsen weiter. Wir sind deshalb in der Lage, nicht nur zum dritten Mal die Prognose für das laufende Jahr anzuheben, sondern können auch unsere Dividende erhöhen.“ Die Telekom fühle sich „fast schlecht“, angesichts der prekären Weltlage „so hervorragende Geschäftszahlen zu präsentieren“.

Im abgelaufenen dritten Quartal stieg der Umsatz demnach um 8,8 Prozent auf 29 Milliarden Euro. Fast 66 Prozent davon stammen mittlerweile aus den USA. Die in der Branche besonders relevanten Service-Erlöse legten um 12,5 Prozent auf 23,6 Milliarden Euro zu.

Finanzvorstand Christian Illek hob bei der Präsentation der Zahlen das Nettoergebnis hervor: Dieses sei um satte 80 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro gewachsen.

Aufgrund von Wechselkurseffekten und hohen Investitionen in den Ausbau des 5G-Netzes in den USA erklomm indes auch der Schuldenstand neue Rekorde: Die Nettofinanzverbindlichkeiten stiegen um 16,4 Prozent auf rund 152 Milliarden Euro. „Ohne einen steigenden Dollar“ wären die Schulden zum Teil „rückläufig“, sagte Illek. Er bekräftigte, bis Ende 2024 die Schulden erheblich reduzieren zu wollen. In den Vorjahren waren sie regelmäßig gestiegen.

Die Telekom peilt nun für 2022 einen Betriebsgewinn von mehr als 37 Milliarden Euro an. Das Nettoergebnis werde voraussichtlich bei mehr als 1,50 Euro je Aktie liegen. Bislang hatte der Konzern hier mit 1,25 Euro kalkuliert.

Höttges klagt über „starrsinnige Bürokraten“

Die Telekom profitiert aufgrund des starken US-Dollars von den jüngsten Verwerfungen der Märkte. Rechne man diesen Effekt heraus, hätten die Gesamt- und Serviceumsätze nur um 0,5 beziehungsweise 3,4 Prozent sowie das operative Ergebnis nur um 0,7 Prozent zugelegt, hieß es.

Auch der Nettogewinn sei durch das Finanzergebnis positiv beeinflusst worden. Der Gewinn vor Steuern war im dritten Quartal hingegen um 5,4 Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro gesunken. Die Anzahl der Mitarbeiter ging auf nun umgerechnet rund 208.000 Vollzeitkräfte zurück. Vor allem in den USA wurde im Zuge von Sparmaßnahmen Personal abgebaut.

Dabei ist das US-Geschäft stärker denn je und war wie in den Vorjahren der Treiber hinter der hohen Gesamtperformance des Konzerns. So konnte die Tochter T-Mobile US im dritten Quartal 854.000 Kunden hinzugewinnen, mehr als die wichtigsten Konkurrenten AT&T und Verizon zusammen – und mehr als doppelt so viel wie der Mutterkonzern.

>> Lesen Sie hier: Vodafone verkauft großen Teil seiner Funktürme – Amerikaner kontrollieren bald die Infrastruktur

T-Mobile hatte seine Gesamtjahresziele Ende Oktober ebenfalls angehoben. Die Tochter ist derzeit der wertvollste Telekomkonzern der Welt.

In Europa sieht es trister aus. Hier verbucht die Telekom beim Umsatz ein Minus von 1,1 Prozent. Das operative Ergebnis sei um 5,3 Prozent geschrumpft, teilte der Konzern mit. Im Heimatmarkt Deutschland konnten Umsatz wie bereinigter Gewinn indes um jeweils rund 3 Prozent zulegen.

Telekom-Chef Höttges bekräftigte indes das Ziel, die Anzahl der mit schnellen Glasfaseranschlüssen versorgten Haushalte in Deutschland bis Jahresende um zwei Millionen zu erhöhen. Im Zuge dessen beschwerte er sich über die aus seiner Sicht oft populistische Haltung einiger Politiker. Der Glasfaserausbau werde von „starrsinnigen Bürokraten“ blockiert, klagte der Vorstandsvorsitzende. „Wir könnten schneller, wir könnten besser.“

Der Telekom-Chef gab sich gewohnt selbstbewusst und kampfeslustig. Getty Images

Telekom-Chef Timotheus Höttges

Der Telekom-Chef gab sich gewohnt selbstbewusst und kampfeslustig.

Die Telekom hatte den Glasfaserausbau in Deutschland auch aufgrund der hohen Kosten lange hinausgezögert. Mittlerweile investiert der Konzern Milliarden in das neue Netz und arbeitet dabei auch mit externen Investoren zusammen.

Das seit Jahren kriselnde Geschäft mit IT-Dienstleistungen konnte seine Verluste derweil um rund 50 Prozent reduzieren. So verbuchte T-Systems im dritten Quartal nur noch ein Minus in Höhe von 20 Millionen Euro.

Anfang der Woche hatte die Telekom angekündigt, die IT-Tochter von alten Verbindlichkeiten zu entlasten und Teile des Geschäfts in die Konzernmutter integrieren zu wollen. So soll die erfolgreiche T-Systems-Tochter MMS künftig zum Deutschlandressort von Vorstand Srinivasan Gopalan gehören.

Zur Höhe der „historischen Verpflichtungen“ von T-Systems, die nun von der Telekom übernommen werden, wollte sich Finanzvorstand Illek am Donnerstag nicht äußern. Es gehe um Transfergesellschaften für ausrangierte Mitarbeiter und Teile der Altersversorgung, sagte er.

Den ursprünglich geplanten Verkauf von T-Systems hatte der Konzern am Dienstag auch offiziell abgeblasen und mitgeteilt, die IT-Einheit künftig schlanker und deshalb schlagkräftiger aufstellen zu wollen.

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