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11.11.2022

15:24

Telekommunikation

EnBW stellt Glasfasertochter Plusnet zum Verkauf

Von: Arno Schütze, Philipp Alvares de Souza Soares

Der Ausbau des Netzes macht hohe Investitionen notwendig. Dazu will der Energieversorger EnBW einen externen Geldgeber an Bord holen.

Jüngsten Zahlen zufolge haben derzeit gerade einmal 26 Prozent der deutschen Haushalte die Möglichkeit, einen Internetanschluss via Glasfaser zu buchen. dpa

Glasfaserausbau

Jüngsten Zahlen zufolge haben derzeit gerade einmal 26 Prozent der deutschen Haushalte die Möglichkeit, einen Internetanschluss via Glasfaser zu buchen.

Frankfurt, Hamburg Der baden-württembergische Versorger EnBW plant Finanzkreisen zufolge den Verkauf eines Anteils an seiner Glasfasertochter Plusnet. Der Energieversorger hatte die Kölner Firma mit rund 25.000 Geschäftskunden erst 2019 für 230 Millionen Euro von der QSC AG gekauft.

Angesichts notwendiger hoher Investitionen für den Ausbau des Netzes hält EnBW allerdings nun Ausschau nach einem Investor, der neues Eigenkapital hereinbringt und dabei möglicherweise auch die Mehrheit oder sämtliche Anteile der Firma übernehmen könnte, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten.

Die niederländische Investmentbank ING, die in ihrem Heimatland eine Vielzahl von Glasfaserdeals begleitet hat, unterstützt EnBW den Kreisen zufolge bei dem Verkaufsprozess, der Anfang 2023 offiziell starten soll. EnBW und ING lehnten Stellungnahmen dazu ab.

EnBW steigt nicht komplett aus Glasfasergeschäft aus

Infrastrukturinvestoren mit bestehenden Glasfaser-Investments gelten in Finanzkrisen als mögliche Interessenten für Plusnet. Die EnBW trennt sich allerdings nicht komplett vom Glasfasergeschäft. Mit seiner vor allem auf Baden-Württemberg fokussierten Tochter Netcom BW bleibt das Unternehmen am Markt.

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    Die bundesweiten Ambitionen, die EnBW mit der Plusnet verfolgte, werden allerdings zurückgeschraubt – auch angesichts von Milliardeninvestitionen, die die EnBW für den Ausbau der Strominfrastruktur stemmen muss. Hohe Verluste bei der Gashandelstochter VNG machen dem Konzern zudem zu schaffen. Am Freitag senkte EnBW angesichts seiner Probleme die Gewinnprognose für 2022.

    Plusnet verfügt über 6500 Kilometer eigene Glasfaserleitungen und hat durch eine Kooperation mit Gasline sowie DB Broadband Zugang zu mehr als 50.000 Kilometern, deren Netze entlang von Gaspipelines und Bahnlinien verlaufen.

    Bei seinen Ausbauprojekten fokussiert sich Plusnet auf Gewerbegebiete in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Bis 2030 will das Unternehmen bis zu rund einer halben Million Glasfaseranschlüsse verwalten. Im September schloss die Firma zudem einen Vertrag mit Glasfaser Plus, einem Gemeinschaftsunternehmen von Deutscher Telekom und dem Investor IFM, zur Erweiterung des eigenen Angebots.

    Immer mehr Bündnisse mit Investoren

    EnBW folgt mit seinem Plan dem Vorbild anderer Telekommunikationskonzerne und Versorger. Den Unternehmen fehlt oft die Finanzkraft, um die Investitionen in die ultraschnellen Leitungen allein zu stemmen.

    Gleichzeitig ist die Finanzierung des Glasfaserausbaus aufgrund der stabilen Renditen des Geschäfts bei Investoren derzeit äußerst beliebt. Die meisten Telekommunikationskonzerne sind zudem hochverschuldet und haben wenig Spielraum, für Glasfaserunternehmungen Milliardenkredite zu bekommen.

    Noch große Lücken beim Glasfaserausbau

    Die Welle von Deals erklärt sich auch aus dem Rückstand Deutschlands in Sachen Glasfaser. Während Länder wie Spanien früh auf einen breitflächigen Ausbau setzten, haben Anbieter wie die Deutsche Telekom oder Vodafone lieber ihre – weitestgehende abgeschriebene – Kupferinfrastruktur weiter ausgereizt.

    Lange scheuten sie die Ausbauinvestitionen, die in Deutschland auch deshalb besonders hoch sind, weil die Kabel in der Regel unterirdisch verlegt werden. Mittlerweile unterstützen Bundes- wie Landesregierungen den Glasfaserausbau durch Förderprogramme.

    Dabei bleibt viel Luft nach oben: Jüngsten Zahlen des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko) zufolge haben derzeit gerade einmal 26 Prozent der deutschen Haushalte die Möglichkeit, einen Internetanschluss via Glasfaser zu buchen. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind dabei gravierend: Während in Schleswig-Holstein rund 61 Prozent der Haushalte mit Glasfaser versorgt sind, trifft das in Berlin nur auf rund zehn Prozent der Haushalte zu.

    Die Bundesregierung hatte im Rahmen ihrer „Gigabitstrategie“ im Sommer das Ziel ausgegeben, bis 2025 50 Prozent aller Haushalte und Unternehmen mit Glasfaser zu versorgen. 2030 soll schließlich das ganze Land versorgt sein.

    Während große Anbieter wie Deutsche Telekom, Vodafone oder Telefónica Investitionsprojekte mithilfe externer Investoren angeschoben haben, gibt es Dutzende kleinerer Anbieter mit eigenen ehrgeizigen Plänen. Branchenexperten erwarten in den nächsten Jahren eine Welle von Zusammenschlüssen unter den regionalen Spielern. Plusnet könnte ein solcher Deal werden.

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