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25.04.2022

13:42

Telekommunikation

Marktführer Cellnex zeigt starkes Interesse an Funkturm-Tochter der Telekom

Von: Philipp Alvares de Souza Soares

Der Chef des spanischen Infrastrukturgiganten buhlt um einen Milliardendeal mit der Deutschen Telekom. In Bonn ist man nicht abgeneigt: der Erlös würde die Verschuldung schmälern.

Griff nach Telekom-Funktürmen. Reuters

Cellnex

Griff nach Telekom-Funktürmen.

Hamburg Tobías Martínez Gimeno ist Europas Funkturm-Champion. Das Geschäft mit den Standorten, auf denen Mobilfunkanbieter ihre Antennen montieren, ist wenig beachtet – aber lukrativ. Das von ihm geführte Unternehmen Cellnex hat sich in zwölf Ländern rund 128.000 dieser Maststandorte gesichert.

Auch wenn ein Teil davon noch in Bau ist: Ohne Cellnex würde in Europas Handynetzen ein gewaltiges Loch klaffen. Zu den Kunden, die in der Regel langfristige Mietverträge abschließen, zählen etwa die britische Vodafone oder die niederländische KPN. Mit einer Reihe von Übernahmen sind die Spanier innerhalb weniger Jahre in ihrem Segment zum Marktführer aufgestiegen, der 2021 fast zwei Milliarden Euro Gewinn einstrich.

Nur in Deutschland – dem größten Mobilfunkmarkt des Kontinents – konnten sie bislang nicht landen. Das will Martínez Gimeno nun ändern. Im Gespräch mit dem Handelsblatt bekräftigte er sein Interesse an der Deutschen Funkturm, einer Tochter der Deutschen Telekom. Sie ist hierzulande mit 33.400 Turmstandorten der Marktführer und wird auf einen Wert von bis zu 18 Milliarden Euro taxiert.

„Wir wären mehr als glücklich, wenn wir zu einer Einigung kämen“, sagte der Cellnex-CEO dem Handelsblatt. Deutschland sei ein „superattraktiver“ Markt für Cellnex. Ein Deal mit der Telekom würde sein Unternehmen „transformieren“ und auf ein ganz neues Level hieven. Zu den Verhandlungen selbst will Martínez Gimeno sich nicht konkret äußern.

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    Der Markt für Telekominfrastruktur ist heiß, die Bewertungen erreichen derzeit Rekordwerte. Angesichts eines Schuldenstands in Höhe von 132 Milliarden Euro will Telekom-Chef Timotheus Höttges diese Chance nutzen und das Tochterunternehmen zu Geld machen. Das Team seines M&A-Experten Thorsten Langheim verhandelt gerade mit Interessenten über mögliche Konditionen.

    Cellnex galt dabei von Anfang an als einer der Favoriten. Doch Konkurrent Vodafone aus London, der über die Tochter Vantage Towers ebenfalls um die Telekom-Türme buhlt, steht derzeit unter Druck, ein attraktiveres Angebot zu machen. Investoren verlangen von Konzernchef Nick Read, sich mit einem Deal mehr finanziellen Spielraum zu verschaffen. Im Bündel mit der Deutschen Funkturm könnte er für Vantage-Anteile einen höheren Preis erzielen.

    Auch den Anteilseigner Bund im Blick

    Die Telekom wollte sich auf Anfrage nicht zu den Verhandlungen äußern. Dabei kann man sich eine Zusammenarbeit dort offenbar gut vorstellen. Man schätze das Cellnex-Management sehr, heißt es in Konzernkreisen. Sie hätten eine „Erfolgsstory“ geschrieben. Bereits in den Vorjahren hatten Bonn und Barcelona über eine Partnerschaft verhandelt. Heraus kam bislang jedoch nur ein Deal in den Niederlanden, wo die Telekom die Türme ihrer Tochter T-Mobile Netherlands 2021 mit denen der Spanier zusammenlegte.

    Grafik

    Ein Einstieg oder eine Übernahme der Deutschen Funkturm wäre für Cellnex ein mächtiger Wachstumshebel. Am Wert gemessen dürften die schweigsamen Spanier dann zum größten Mobilfunkunternehmen Europas nach der Telekom aufsteigen. Seit dem Börsengang 2015 vervielfachte Cellnex seine Marktkapitalisierung ohnehin bereits auf aktuell fast 31 Milliarden Euro. Damit wird das Unternehmen heute höher bewertet als der spanische Telekomriese Telefónica, der in Deutschland mit der Marke O2 bekannt ist.

    Die Cellnex-Führung hatte früher als andere begriffen, dass sich der europäische Mobilfunkmarkt dem US-amerikanischen angleichen würde, wo die Türme nie in der Hand einzelner Provider lagen. Die Masten werden heute nicht mehr exklusiv genutzt und stellen deshalb mittelfristig allein keinen entscheidenden Wettbewerbsvorteil mehr dar.

    Martínez Gimeno verkauft sein Unternehmen als zuverlässigen, soliden Partner, der nicht „obsessiv auf Finanzergebnisse“ schiele. Cellnex könne dank seiner Neutralität qualitätsorientierter arbeiten als manche Konkurrenten, die an einem großen Mobilfunkanbieter hängen. Tatsächlich genießen die Spanier in der Branche einen exzellenten Ruf. Cellnex sei „der Goldstandard unter den Tower-Companies“, sagt ein hochrangiger Telekom-Manager.

    Martínez Gimeno hebt im Gespräch mit dem Handelsblatt auch Cellnex’ Kompetenz hinsichtlich der zuverlässigen Versorgung von Zugstrecken und Autobahnen hervor. Ein Punkt, den der größte Anteilseigner der Telekom, die Bundesregierung, zuletzt besonders interessierte. „Wenn wir das in anderen Ländern können, warum dann nicht in Deutschland?“ In Paris stattete Cellnex etwa Nahverkehrslinien mit unterbrechungsfreier Mobilfunkinfrastruktur aus, die mehrere Anbieter nutzen können.

    Der Cellnex-Chef wirbt in einem seiner seltenen Interviews um die Funkturmsparte der Telekom. Cellnex

    Tobias Martínez Gimeno

    Der Cellnex-Chef wirbt in einem seiner seltenen Interviews um die Funkturmsparte der Telekom.

    Gelingt der Deal mit der Telekom in Deutschland, wäre Cellnex der Konkurrenz wohl endgültig enteilt. Der Abstand zur Nummer zwei, Vodafones Vantage Towers, die derzeit 82.000 Masten in zehn europäischen Ländern zählt, wäre immens. Schon heute hat Vantage es schwer, die eigenen Wachstumsziele zu erreichen. Cellnex wüchse zum Infrastrukturgiganten, an dem in Europa in den kommenden Jahrzehnten kaum ein ambitionierter Telekomanbieter mehr vorbeikäme.

    Spätestens in der zweiten Junihälfte will die Telekom einen Abschluss verkünden. Martínez Gimeno wirbt: „Wenn Ihnen Wertschöpfung wichtiger als bloße Monetarisierung ist, dann ist Cellnex die beste Wahl.“

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