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21.03.2022

17:25

Telekommunikation

Telekom-Betriebsräte fordern Rückzug aus Russland

Von: Philipp Alvares de Souza Soares

Mehr als 2000 IT-Spezialisten arbeiten in Russland für den Dax-Konzern. In der Telekom-Belegschaft sorgt das zunehmend für Unbehagen.

Vorstand und Betriebsräte ringen um eine Lösung in Russland. imago images/Marc John

Hauptsitz der Deutsche Telekom in Bonn

Vorstand und Betriebsräte ringen um eine Lösung in Russland.

Hamburg Seit dem Angriff des Putin-Regimes auf die Ukraine ringt die Deutsche Telekom um das Schicksal ihrer russischen Standorte in Sankt Petersburg, Moskau und Woronesch. Im Rahmen einer internen Veranstaltung hatte Konzernchef Timotheus Höttges am Freitag der Belegschaft lediglich mitgeteilt, dass man nach wie vor an einer Lösung arbeite.

Nun haben zwei Führungsgremien der Arbeitnehmer den Vorstand aufgefordert, die Dependancen aufzugeben und alle Geschäftsbeziehungen in das Land zu kappen. Entsprechende Resolutionen, die dem Handelsblatt vorliegen, haben sowohl der Konzernbetriebsrat (KBR) als auch der Gesamtbetriebsrat (GBR) bis Ende vergangener Woche verabschiedet.

Der Vorstand um Höttges solle die „Geschäftsbeziehungen in und mit Russland“ beenden und „die eigenen Beschäftigungsstandorte in Russland“ schließen, heißt es in der Erklärung des GBR, der die Mitarbeiter in der Zentrale und der „Group Services“ vertritt.

In der Resolution des KBR, zuständig für den gesamten Konzern, ist der Rahmen weiter gefasst. Dort geht es um „Konzepte und verbindliche Richtlinien“ von Aufsichtsrat und Vorstand, um sicherzustellen, dass „Geschäftsbeziehungen ausschließlich mit und in Ländern stattfinden“, die klar für die Einhaltung der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen stünden. Damit sei auch Russland gemeint, betonte die KBR-Vorsitzende Kerstin Marx.

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Standort erkennen

    Den Vorstand in Bonn bringen die Forderungen der Betriebsräte in eine missliche Lage. Bislang hatte er eine konkrete Positionierung vermieden und an den Standorten festgehalten. Kurzfristig, hieß es, ließen sich die Projekte der russischen Kollegen nicht in andere Länder verlegen.

    Die Telekom beschäftigt derzeit mehr als 2000 Menschen in Russland, macht dort aber keine nennenswerten Umsätze. Die russischen Entwickler und IT-Spezialisten arbeiten vor allem an Projekten für den Mutterkonzern in Bonn. Dabei geht es etwa um den Glasfaserausbau in Deutschland oder die neue Open-RAN-Architektur des Mobilfunknetzes. Bei vielen dieser Vorhaben geht es um das Kerngeschäft der Telekom. Die Mitarbeiter sind deshalb nicht ohne Weiteres zu ersetzen.

    Arbeitnehmer fürchten um den Ruf der Telekom

    Im Hintergrund wurde deshalb vorgesorgt. So transferierte die Telekom rechtzeitig Geld nach Russland, um die Bezahlung der Mitarbeiter trotz Sanktionen nicht zu gefährden. Laut Finanzvorstand Christian Illek traf der Konzern zudem Vorkehrungen, um die Versorgung mit IT-Equipment zu sichern. Die Zugänge der russischen Mitarbeiter zu wichtigen internen Systemen wurden indes gesperrt

    Die Arbeitnehmervertreter wünschen sich allerdings eine eindeutigere Haltung der Konzernführung. Sie sehen den Ruf der Telekom, deren größter Aktionär die Bundesrepublik Deutschland ist, in Gefahr. Andere Dax-Konzerne wie Volkswagen hätten sich in Sachen Russland bereits eindeutig positioniert. Bislang habe die Telekom intern lediglich auf das Engagement und Spenden des Konzerns für ukrainische Flüchtlinge verwiesen.

    „Wir erwarten eine Antwort im Laufe dieser Woche“, sagte der GBR-Vorsitzende Constantin Greve dem Handelsblatt. Es gehe um „eine klare Reaktion des Vorstands“, sagte die KBR-Vorsitzende Marx. „Über das Engagement in Russland muss aus unserer Sicht neu nachgedacht werden.“ Bislang habe sich der Vorstand nicht konkret dazu geäußert. Greve und Marx gehören auch dem Aufsichtsrat des Konzerns an.

    Ein Telekom-Sprecher teilte zu den Forderungen mit, dass man „keine russischen Kunden und keine Geschäftsbeziehungen zu Russland“ unterhalte. „Von daher sehen wir uns im Einklang mit der Resolution des KBR.“

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