Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

17.05.2022

13:21

Telekommunikation

Vodafone „unzufrieden“ mit stagnierendem Deutschland-Geschäft

Von: Torsten Riecke

Der Telekom-Konzern sucht nach einer neuen Wachstumsstrategie. Konzernchef Nick Read steht unter Handlungsdruck und hält einen Gewinnrückgang für möglich.

Vodafone-Filiale imago images/Fotostand

Vodafone-Filiale in Bamberg

Der britische Telekom-Riese wird von Anlegern unter Druck gesetzt.

London Angriff ist die beste Verteidigung: Mit dieser Strategie versucht der unter starkem Handlungsdruck stehende Vodafone-Chef Nick Read den britischen Telekommunikationskonzern wieder auf Erfolgskurs zu steuern. Read will die aktuelle Flaute im wichtigen Deutschland-Geschäft schnell überwinden und zeigte sich am Dienstag bei der Vorlage der Jahresergebnisse auch offen für Joint Ventures und Übernahmen. „Wir stehen an einem Wendepunkt“, konstatierte der Manager.

Für ein stabiles Umfeld soll dabei der neue Großaktionär aus Abu Dhabi sorgen. Am Wochenende wurde bekannt, dass der staatlich kontrollierte Telekomkonzern Etisalat für 4,4 Milliarden Dollar einen Anteil von knapp zehn Prozent an Vodafone erworben hat. Etisalat wird vom Vodafone-Veteranen Hatem Dowidar geführt, der Read und seinem Team umgehend das Vertrauen aussprach.

Der Einstieg des unter der Marke „e&“ bekannten Unternehmens vom Golf kommt in einer Zeit, in der das Vodafone-Management unter starkem Druck der Anteilseigner steht. Cevian, der größte aktivistische Investor Europas, drängt darauf, die Konsolidierung des europäischen Geschäfts voranzutreiben, sich von Sparten zu trennen und die Rendite zu verbessern.

Im Fokus steht dabei das Mobilfunkgeschäft in mehreren europäischen Märkten. Vodafone wurde zuletzt mit einer Konsolidierung in Italien, Spanien und Großbritannien in Verbindung gebracht. Im Vereinigten Königreich wurde über eine Übernahme des Anbieters „Three“ spekuliert, der vom Konglomerat Hutchison in Hongkong kontrolliert wird. Einen Verkauf seines italienischen Mobilfunkgeschäfts an den französischen Investor Iliad hatte Vodafone im Februar abgelehnt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Im Februar hatte Read einen industriellen Zusammenschluss mit einem gleichgesinnten Betreiber wie Orange oder der Deutschen Telekom ins Spiel gebracht. Das sei die „ideale Option“ für das von ihm im letzten Jahr ausgegliederte Unternehmen Vantage Towers.

    Bislang hat der Vodafone-Chef an der Portfolio-Front jedoch noch nicht das geliefert, was aktivistische Investoren wie Cevian erwarten. Derzeit erschwerten makroökonomische Probleme die Dealgespräche, sagte Read nun am Dienstag. Man mache aber „im Allgemeinen gute Fortschritte in diesen Diskussionen“. Weitere Details wollte er nicht nennen, versicherte aber, es handele sich nicht um „Notverkäufe“.

    Vodafone und Deutsche Telekom dpa

    Vodafone und Telekom

    Vodafone ist auf Partnersuche: Ist die Telekom ein Kandidat?

    Das Ergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr wird den Druck auf Read nicht vermindern. Vodafone steigerte zwar seinen Reingewinn dank des Ergebnisbeitrages aus Deutschland um fünf Prozent auf 15,2 Milliarden Euro und erhöhte auch den Umsatz um vier Prozent auf rund 45,6 Milliarden Euro. Der Gewinn lag jedoch am unteren Ende der eigenen Erwartungen und erreichte nicht ganz die Voraussagen der Analysten. Read sprach dennoch von einem „guten Ergebnis“.

    Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Vodafone ein bereinigtes Kernergebnis zwischen 15 und 15,5 Milliarden Euro, was nicht nur unter dem derzeit am Markt erwarteten Durchschnitt von knapp 15,6 Milliarden Euro liegt, sondern auch die Möglichkeit für einen Gewinnrückgang offenlässt.

    Nicht zufrieden war der Vodafone-Chef jedoch mit dem Geschäftsverlauf in Deutschland, wo mit rund 5,7 Milliarden Euro zwar der Löwenanteil des Konzerngewinns erwirtschaftet wurde, das Kundenwachstum jedoch auf breiter Front zurückgegangen ist. Read sieht Handlungsbedarf bei der Kundenzufriedenheit, will mehr Geschäft über digitale Vertriebskanäle generieren und hofft auf Großaufträge von Wohnungsbaugesellschaften.

    Umsetzen soll das alles der neue Deutschland-Chef Philippe Rogge, der von Microsoft kommt und zum 1. Juli sein Amt antritt.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×