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29.03.2022

11:52

Übernahme

Celonis kauft PAF und will Millionen Microsoft-Nutzer gewinnen

Von: Larissa Holzki

Das wertvollste deutsche Start-up zahlt 100 Millionen Dollar für die Übernahme. Mit dem Zukauf will Celonis neue Kundengruppen erschließen.

Celonis CEO Bastian Nominacher Deutscher Zukunftspreis

Bastian Nominacher

Der Co-Chef von Celonis hat gerade seine vierte Akquisition abgeschlossen: PAF mit 40 Mitarbeitern gehört jetzt zum Münchner Unternehmen.

Düsseldorf Das Münchener Datenmanagement-Unternehmen Celonis kauft für 100 Millionen Dollar die Darmstädter Firma Process Analytics Factory. Damit erschließt sich das wertvollste deutsche Start-up den Zugang zu Millionen von Microsoft-Nutzern. „Wir bringen Celonis dahin, wo die Menschen jetzt schon täglich arbeiten", sagt Co-CEO Bastian Nominacher. Das soll mit der Integration in die Microsoft Power Platform gelingen.

Celonis und Process Analytics Factory (PAF) waren zunächst im gleichen Segment gestartet: Process Mining. Der Begriff ist angelehnt an den Bergbau, wo aus den Minen Bodenschätze gehoben werden. Analog dazu geht es beim Process Mining um das Hervorholen und die Aufbereitung von Daten.

Konkret geht es um eine Software, mit der Unternehmen ihre Prozesse wie Einkauf und Vertrieb visualisieren und analysieren können. Unternehmen wie Siemens, Edeka und die Hypo-Vereinsbank nutzen Celonis, um ihre Prozesse zu verbessern.

Celonis hat sich dabei schnell von seinen Wettbewerbern abgesetzt. Mit vielen Millionen Euro Wagniskapital hat sich das Unternehmen schnell neue Märkte erschlossen – sowohl geografisch als auch technologisch. Mit Großkunden vor allem aus Europa und Nordamerika ist die Firma inzwischen auf 2500 Mitarbeiter gewachsen. Heute bietet Celonis zum Beispiel auch Simulationen und Automatisierungen im Prozessablauf an.

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Standort erkennen

    In diesen Segmenten konkurriert das deutsche Start-up zunehmend auch mit Anbietern für sogenannte Software-Roboter. In einer Art App-Store können Kunden entsprechende Programme buchen, selbst entwickeln und wiederum weitervertreiben.

    Die 40-Mitarbeiter-Firma PAF hingegen hat sich weiter auf das Process Mining spezialisiert und sich auf die Integration in verschiedene Microsoft-Anwendungen fokussiert.

    Durch die Integration in die Microsoft-Umgebung, die viele Mitarbeiter ohnehin nutzen, wird eine breitere Kundengruppe angesprochen. Ein Segment, in dem sich das absehbar an die Börse strebende Celonis Wachstumspotenzial verspricht. Auch innerhalb der Unternehmen sollen so mehr Anwender direkt auf Celonis-Angebote zugreifen.

    Celonis will sich eine neue Kundengruppe erschließen

    Bisher ist Celonis eher ein Angebot für Spezialisten. Nur relativ wenige Strategen arbeiten direkt auf der firmeneigenen Plattform, dem Celonis Execution Management System (EMS). Das soll sich nun ändern: „Oft nutzen Hunderte Mitarbeiter in einem Unternehmen Celonis direkt über das EMS, aber mehrere Tausend arbeiten mit der Power Platform von Microsoft“, sagt Celonis-Chef Nominacher.

    Insgesamt arbeiteten nach Unternehmensangaben mehr als 260.000 Unternehmen weltweit, 97 Prozent der Fortune 500 und damit mehr als zehn Millionen Business-Nutzer jeden Tag mit der Microsoft Power Platform und Microsoft 365.

    Wer dabei auch die Software von PAFnow nutzt, kann – ähnlich wie im bekannten Tabellenkalkulationsprogramm Excel – Daten importieren, Grafiken erstellen und vergleichen. So nutzen etwa Mitarbeiter von Merck, Daimler und Viessmann bereits die Prozessanalysewerkzeuge von PAF.

    Künftig ist ein Zugriff auf das gesamte Celonis-Portfolio möglich: Nutzer, die etwa die Ursachen von Produktionsproblemen bei einem Lieferanten ausgemacht haben, können von dort aus alternative Zulieferer anfragen. Ergebnisse aus Analysen und Simulationen sollen direkt über das Kommunikationsprogramm Teams mit Kollegen geteilt werden können.

    Zum Umsatzpotenzial durch die jüngste Akquisition wollte sich der Celonis-Mitgründer nicht äußern. Er deutete aber an, dass Celonis über Integrationen in weitere Unternehmensumgebungen anstrebt.

    Der wachsende globale Markt für Process Mining soll laut den Analysten von Gartner im laufenden Jahr die Schwelle von einer Milliarde Dollar überschreiten. Der Markt für Hyper-Automatisierungssoftware, den Celonis ebenfalls anvisiert, soll bis 2025 fast 860 Milliarden Dollar erreichen.

    PAF ist die vierte Übernahme für das deutsche Rekord-Start-up

    Entsprechend viel Potenzial sehen Wagniskapitalgeber in Celonis, das den Markt mitentwickelt und sich als marktführendes Unternehmen etabliert hat. Bei einer Finanzierungsrunde im Frühsommer des vergangenen Jahres bezifferten Investoren den Unternehmenswert auf 11,1 Milliarden Dollar (9,1 Milliarden Euro). Damit halten Nominacher und seine Mitgründer Alexander Rinke und Martin Klenk mit der 2011 gestarteten Firma den Rekord unter den deutschen Start-ups.

    Nach den Übernahmen von Lenses.io im vergangenen Jahr, Integromat im Jahr 2020 und Banyas 2019 wird künftig auch das Team von PAF zu Celonis gehören. Der PAF-Gründer und CEO Tobias Rother und Technologiechef Timo Nolle sollen die Themen rund um die Microsoft Power BI weiter betreuen. Der Standort in Darmstadt bleibt erhalten.

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