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19.07.2021

12:44

US-Videodienst

Größte Übernahme der Firmengeschichte: Zoom will mit Kauf von Softwarefirma Wachstum verstärken

Von: Christof Kerkmann

Der Videokonferenzspezialist expandiert mit der 15-Milliarden-Übernahme von Five9 in den Kundenservice – und nutzt so seine große Reichweite.

Der Videodienst kauft den Cloud-Anbieter Five9. AP

Zoom

Der Videodienst kauft den Cloud-Anbieter Five9.

New York Es ist der bislang größte Deal der Unternehmensgeschichte von Zoom: Der Videokonferenzdienst will für 14,7 Milliarden Dollar (knapp 12,5 Milliarden Euro) in eigenen Aktien Five9 kaufen, einen Anbieter für Kundendienstsoftware aus der Cloud.

Dabei nutzt der Konzern seine hohe Bewertung als Übernahmewährung. Zoom zählt zu den Profiteuren der Coronakrise. Der Videokonferenzdienst gewann während der Pandemie fast 300 Millionen Nutzer und steigerte den Börsenwert zeitweise auf 160 Milliarden Dollar.

Zu der Übernahme schrieb Konzernchef Eric Yuan am Sonntag in einem Blog: „Wir erwarten, dass diese Akquisition dazu beitragen wird, die Präsenz von Zoom bei den Kunden zu verbessern und unsere langfristigen Wachstumschancen zu beschleunigen.“ Der Konzern taxiert das Marktpotenzial für derartige Software auf 24 Milliarden Dollar.

Damit baut Zoom das Angebot für Unternehmenskunden weiter aus – und rüstet sich so für die Zeit nach der Coronakrise, in der das hybride Arbeiten eine wichtige Rolle spielen dürfte. Im vergangenen Jahr hat der Konzern bereits mehrere Produkte für die Kommunikation von Mitarbeitern vorgestellt, darunter einen Chat, ein Telefonsystem und ein Programm für Webinare.

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    Nun soll im Zuge der Übernahme ein Programmpaket für die Kundenbetreuung hinzukommen. Unternehmen sollen mit der Lösung von Five9 für ihre Kunden per Telefon, E-Mail und Textnachricht sowie über soziale Medien erreichbar sein. Zu den mehr als 2000 Kunden zählen beispielsweise Citrix, Under Armour und Olympus.

    Die Five9-Eigner erhalten pro Aktie 0,55 Zoom-Anteile

    Auch das Geschäft von Five9 habe von der Pandemie profitiert, erklärte Yuan – durch das hybride Arbeiten habe es eine Verlagerung in die Cloud gegeben. Diese ermöglicht den Zugriff auf die Software von praktisch überall aus, sodass Mitarbeiter auch zu Hause tätig sein können. Neben der Verknüpfung der Produkte erhoffen sich die Unternehmen Synergien beim Vertrieb, in der Mitteilung betonen sie das Potenzial fürs Cross-Selling. Sprich: Zoom will den vielen Millionen Kunden mehr verkaufen.

    Die Five9-Eigner erhalten pro Aktie 0,55 Zoom-Anteile, was einem Aufschlag von fast 13 Prozent auf den letzten Schlusskurs entspricht. Der Deal soll voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2022 abgeschlossen sein. Die Zustimmung der Aktionäre und Kartellbehörden steht noch aus. Das Geschäft von Five9 soll als operative Einheit von Zoom weitergeführt werden, Rowan Trollope bleibt ihr Chef.

    Für Zoom ist es nicht der erste, aber der größte Deal bislang. Im vergangenen Jahr kaufte der Konzern Keybase, einen Spezialisten für Verschlüsselung und IT-Sicherheit. Kürzlich kündigte er zudem die Übernahme der Kites GmbH an, eines Karlsruher Start-ups, das sich auf automatisierte Übersetzungen spezialisiert hat.

    Als im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie in zahlreichen Ländern zu Ausgangsbeschränkungen führte, setzten viele Unternehmen, Behörden und Schulen in aller Welt auf digitale Kommunikation. Zoom ist dabei zum Synonym für Videokonferenzen geworden.

    Das Unternehmen überzeugte mit einfacher Bedienung, weitgehend stabilen Systemen und wettbewerbsfähigen Preisen – der Dienst gewann zahlreiche Privatkunden und Organisationen als Nutzer, trotz einiger Datenschutzbedenken. Im Geschäftsjahr bis Ende Januar vervierfachte der Konzern den Umsatz auf 2,65 Milliarden Dollar.

    Dieser Trend wird derzeit allerdings wieder gebremst: Viele Unternehmen holen ihre Mitarbeiter ins Büro zurück. Selbst Zoom-Chef Eric Yuan gab kürzlich zu, dass er zu viele Videokonferenzen habe. Zudem investieren Konkurrenten massiv in ihre Systeme. So integriert Microsoft die Kommunikationslösung Teams eng in seine Produkte. Auch Cisco, Google und Facebook bieten leistungsfähige Produkte an.

    Das bekommt Zoom zu spüren: Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen, dass der Umsatz um lediglich rund 43 Prozent steigt. Die Begeisterung der Investoren hat sich daher abgekühlt, die Aktie ging am Freitag mit rund 362 Dollar aus dem Handel. Das ist gut ein Drittel weniger als das Allzeithoch von Oktober, aber immer noch knapp 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Marktkapitalisierung liegt bei 107 Milliarden Dollar.

    Das Zoom-Management will das Unternehmen für die Zeit nach der Pandemie rüsten. Gründer Eric Yuan spricht von einer Plattform mit Kommunikationsdiensten, über Videokonferenzen hinaus. Der Konzern hat einen Fonds mit 100 Millionen Dollar aufgelegt, um in Apps zu investieren, die den Videodienst in ihre Systeme integrieren. Gerüchten zufolge entwickelt er sogar einen eigenen E-Mail-Dienst. Eine Lösung für Callcenter und Kundenbetreuung kommt nun sicher hinzu.

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