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09.11.2022

19:08

Vantage Towers

Vodafone verkauft großen Teil seiner Funktürme – Amerikaner kontrollieren bald die Infrastruktur

Von: Philipp Alvares de Souza Soares, Arno Schütze

Der Mobilfunkkonzern reduziert seine Beteiligung am Funkmastenbetreiber Vantage Towers deutlich. Die Investoren zahlen dafür einen Milliardenbetrag.

Vantage Towers ist Europas größter Funkmastenbetreiber. Reuters

Vodafone

Vantage Towers ist Europas größter Funkmastenbetreiber.

Hamburg Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone verkauft einen erheblichen Teil der eigenen Funkturminfrastruktur, um Schulden abzubauen. Dies teilte das Unternehmen am Mittwochvormittag mit. Neue Eigentümer einer 50-Prozent-Beteiligung sollen der US-amerikanische Private-Equity-Investor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und der Infrastrukturfonds GIP werden.

Vodafone hatte die Funkturmsparte 2019 in das Tochterunternehmen Vantage Towers ausgelagert und im März 2021 an die Frankfurter Börse gebracht. Gut eineinhalb Jahre später wollen die Briten Vantage nun wieder vom Parkett nehmen – gemeinsam mit den neuen Partnern.

Derzeit hält Vodafone rund 81,7 Prozent der Vantage-Aktien. Diese will Vodafone nun in das Gemeinschaftsunternehmen Oak Bidco einbringen, an dem das Unternehmen zu mindestens 50 Prozent beteiligt sein wird. Die Partner KKR und GIP sollen einmal einen ähnlich hohen Anteil halten. Die Holding werde den verbliebenen Aktionären dann 32 Euro je Vantage-Aktie bieten, um alle Anteile vom Markt zu nehmen, hieß es. Das Handelsblatt hatte bereits im Oktober über die Verkaufsverhandlungen berichtet.

Vantage Towers soll unter neuem Konsortium wachsen

KKR und GIP kündigten an, die Expansionspläne von Vantage mit Milliardeninvestitionen vorantreiben zu wollen. Vincent Policard, Co-Chef des europäischen Infrastrukturgeschäfts von KKR sagte dem Handelsblatt dazu: „Dabei geht es zum einen darum, das Funkturmnetz engmaschiger zu gestalten. Für den 5G-Standard sind viele sogenannte Mikro-Standorte nötig – nicht Antennen auf den Dächern, sondern viel kleinteiligere Funkzellen in Städten, etwa auf Bushaltestellen.“ Zum anderen plane man Investitionen in die Mobilfunkinfrastruktur innerhalb großer Gebäude, wie etwa Büros oder Schulen. Hier gibt es heute häufig noch keine gute Netzabdeckung. Vantage-CEO Vivek Badrinath sprach davon, gemeinsam „die nächste Wachstumsphase für das Unternehmen angehen“ zu wollen.

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    Vantage, das aus Düsseldorf geführt wird, kämpft seit der Gründung mit Problemen: Dem deutschen Kunden 1&1, der gerade ein neues 5G-Netz aufbaut, konnte Vantage zuletzt nicht rechtzeitig die vereinbarte Menge Standorte liefern. Mehrere Führungskräfte hatten das Unternehmen zuvor verlassen. Mithilfe von KKR will Vantage Towers versuchen, den Anteil Dritter an der Nutzung der Infrastruktur deutlich zu steigern.

    Vodafone verliert mit dem Teilverkauf die alleinige Kontrolle über einen essenziellen Teil seiner Infrastruktur, nimmt jedoch viel Geld ein: Bis zu 7,1 Milliarden Euro könnten dem Konzern so zufließen, hieß es in einer Mitteilung.

    Vantage wird mit bis zu 16 Milliarden Euro bewertet

    Die Konzernführung in London will mit den Einnahmen vor allem die hohe Verschuldung reduzieren, um Handlungsspielraum zurückzugewinnen. Vantage wird an der Börse derzeit mit rund 16 Milliarden Euro bewertet.

    Vodafone-Chef Nick Read brachte zudem eine Übernahme des Telefónica-Anteils an Cornerstone Towers, einem britischen Mobilfunkmasten-Betreiber, ins Gespräch. Der spanische Telekomkonzern hatte seine 50-prozentige Beteiligung vor einigen Tagen zur Disposition gestellt. Die andere Hälfte hält der Kabel-Konzern Liberty Global.

    Telekom verkaufte bereits die Mehrheit an GD Towers

    Das Geschäft mit Mobilfunktürmen gilt als attraktiv und verspricht Investoren stabile Gewinne. Vor diesem Hintergrund rollt eine Konsolidierungswelle durch die Branche. Im Sommer verkaufte die Deutsche Telekom die Mehrheit an ihrer Tochter GD Towers. Auch bei diesem Geschäft galt KKR bis zuletzt als Interessent.

    Analysten spielten in den vergangenen Monaten eine Fusion von GD und Vantage durch. Als möglichen Partner für Vantage nannten sie auch INWIT aus Italien. Dessen Aktien zogen in Mailand als Reaktion auf die Nachrichten um bis zu drei Prozent an. Vantage-Titel gewannen in der Spitze fast zwölf Prozent auf 32,72 Euro und steuerten auf den größten Tagesgewinn seit dem Börsengang vor etwa eineinhalb Jahren zu.

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