Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

22.02.2023

00:01

Wagniskapital

Diese elf deutschen Start-ups könnten künftig zum Einhorn werden

Von: Nadine Schimroszik

PremiumWelche wachstumsstarken Start-ups folgen auf Personio, Celonis und Trade Republic? Elf Unternehmen aus Deutschland sind unter den Top 50, die bald die Milliardenbewertung erreichen könnten.

Der frühere Tesla-Deutschlandchef Philipp Schröder hat 1Komma5 gegründet.

Hamburger Energie-Start-up 1Komma5 gilt als Kandidat für eine Milliardenbewertung

Der frühere Tesla-Deutschlandchef Philipp Schröder hat 1Komma5 gegründet.

Berlin Der Kölner Übersetzungsdienst DeepL ist das jüngste Einhorn aus Deutschland. Anfang des Jahres sammelte das Start-up frisches Geld ein und wird seither von Investoren mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet. Es laufen aber bereits Wetten, wer als Nächstes in die begehrte Gattung der Fabeltiere aufgenommen wird.

Die Plattform Tech Tour, ein Zusammenschluss führender europäischer Kapitalgeber, hat dafür eine Liste der 50 am schnellsten wachsenden wagniskapitalfinanzierten Technologieunternehmen in Europa erstellt, die allesamt bereits mit mehr als 100 Millionen Euro bewertet werden und das Potenzial haben, künftig zum Einhorn zu werden – also mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet werden.

Elf der Einhorn-Kandidaten kommen aus Deutschland. Dazu zählen das Energie-Start-up 1Komma5 aus Hamburg, Navvis aus München, das digitale Kopien von Gebäuden erstellt, und auch die Dresdner Wasserstoff-Firma Sunfire, die Finanzkreisen zufolge bereits über eine neue Geldspritze verhandelt, mit der das Unternehmen die Milliardenbewertung erreichen würde.

Vier der elf Anwärter aus Deutschland kommen aus den Bereichen Energie und Nachhaltigkeit. So auch Hydrogenious aus Erlangen. Die Firma ist einer der Pioniere der sogenanntem LOHC (Liquid Organic Hydrogen Carrier)-basierten Energiespeicherung und setzt damit auf einem Trendthema auf.

„Regierungen und Unternehmen suchen nach Lösungen, die erhebliche Investitionen in neue Speicher-, Transport- und Verflüssigungsinfrastrukturen vermeiden“, sagt Strategiechef Andreas Lehmann. Die LOHC-Technologie binde Wasserstoff an ein nicht explosives, schwer entflammbares Thermalöl, das ungefährlicher sei als Diesel.

Die nächste Finanzierungsrunde will das Unternehmen bereits dieses Jahr stemmen. Ob dann bereits der Einhorn-Status erreicht werden kann, ist unklar.

Einhörner in Europa: Finanzierungsprozess dauert länger

Denn mitten in der Zinswende, anhaltenden Inflation und Wirtschaftsschwäche halten sich viele Wagniskapitalgeber dabei zurück, frisches Geld in Start-ups zu stecken. Deshalb entstehen nicht mehr so viele Einhörner wie noch zu den Hochzeiten der Coronapandemie. Dabei adelt der Einhorn-Status Gründer wie auch Investoren, da er besonders hohe Renditen bei späteren Verkäufen oder Börsengängen verspricht.

„Alle 50 Unternehmen haben das Potenzial für eine Bewertung von einer Milliarde Euro,“ sagt Falk Mueller-Veerse, Vorsitzender des Tech-Tour-Auswahlgremiums und Partner der Investmentbank Bryan, Garnier & Co.

Aber angesichts der konjunkturellen Herausforderungen dürften die meisten Unternehmen länger auf den Wartelisten stehen: „Die Größe der Finanzierungsrunden geht derzeit signifikant nach unten. Die jungen Unternehmen sollten jetzt deutlich mehr Zeit bis zum erfolgreichen Abschluss eines Finanzierungsprozesses einplanen.“

Grafik

Um die 50 Start-ups zu ermitteln, haben sich mehr als 90 Investoren rund 300 privat finanzierte europäische Technologieunternehmen mit einer Bewertung von weniger als einer Milliarde Euro angeschaut und die aussichtsreichsten Kandidaten ermittelt.

Neben 1Komma5, Navvis, Sunfire und Hydrogenious halten sie die Medizin-Softwarefirma Caresyntax, das Gesundheits-Start-up Ada Health, den Anbieter von hybriden Hausarztpraxen, Avi Medical, das Biotech-Unternehmen Resolve, die Power-to-Gas-Firma Electrochaea, die IoT-Plattform HiveMQ und die Softwarefirma Y42 aus Deutschland für besonders vielversprechend.

Das Dresdner Start-up verhandelt Finanzkreisen zufolge bereits über eine neue Geldspritze. Reuters

Sunfire aus Dresden gehört zu den Einhorn-Kandidaten

Das Dresdner Start-up verhandelt Finanzkreisen zufolge bereits über eine neue Geldspritze.

In der Vergangenheit lag Tech Tour mit seinen Listen häufig richtig. Frühere Kandidaten wie Getyourguide, N26, Chrono24, WeFox, Mambu oder DeepL gehören inzwischen zu den deutschen Einhörnern.

Elf Start-ups aus Deutschland

Genau wie aus Deutschland kommen diesmal elf Start-ups aus Frankreich und neun aus Großbritannien. Sechs haben ihren Sitz in der Schweiz und vier in Finnland. Allein die Unternehmen auf der Top-50-Liste von Tech Tour konnten 2022 mehr als 1,9 Milliarden Euro einsammeln. Von den deutschen Kandidaten hat bisher 1Komma5 mit 300 Millionen Euro die meisten Gelder eingenommen.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der neuen Einhörner im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken: Während 2022 laut dem jährlichen Bericht des Londoner Risikokapitalgebers Atomico zum Zustand der europäischen Start-up-Szene 31 neue Start-ups entstanden, die mit mehr als einer Milliarde bewertet sind, waren es 2021 noch 105 gewesen. Insgesamt zählte Europa Ende des Jahres rund 352 sogenannte Einhörner – darunter 36 aus Deutschland.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×