Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

28.11.2022

16:58

Zahlungsverkehr

Verimi übernimmt Identitätsdienst der Volksbanken und Sparkassen

Von: Elisabeth Atzler, Teresa Stiens

Durch den Zusammenschluss erhoffen sich die Unternehmen mehr Reichweite für ihre Plattformen. Allein haben sich weder Verimi noch Yes durchgesetzt.

Digitale Identitäten versprechen rechtssichere Logins für Online-Dienstleistungen. imago images/Westend61

Frau mit Kreditkarte und Tablet

Digitale Identitäten versprechen rechtssichere Logins für Online-Dienstleistungen.

Berlin, Frankfurt Sich online rechtssicher ausweisen zu können gilt als Grundvoraussetzung für die Digitalisierung bei Unternehmen und Behörden. „Die digitale Identität schafft einen Raum unbegrenzter digitaler Möglichkeiten“, versprach Bundesdigital- und verkehrsminister Volker Wissing (FDP) beim Handelsblatt-Dialog Digitale Daseinsvorsorge.

Während eine staatliche digitale Identität allerdings auf sich warten lässt, sind vonseiten der Privatwirtschaft bereits einige Lösungen auf dem Markt. Einer der größten privaten Anbieter für digitales Identitätsmanagement, „Verimi“, übernimmt nach Handelsblatt-Informationen jetzt den Konkurrenten „Yes“, der vor allem für Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken die Identifizierung per Bankkonto zur Verfügung stellt. Zuvor hatte der Newsletter „Finanz-Szene“ berichtet.

Die größten Anteilseigner an dem fusionierten Unternehmen werden mehrere Finanzinstitute sein. Mehr als fünf Prozent halten dann jeweils der Versicherer Allianz und GMB Systems, die Investmentgesellschaft der Versicherungswirtschaft, sowie Volkswagen Financial Services, die Deutsche Bank und der genossenschaftliche Finanzverbund über seinen IT-Dienstleister Atruvia und sein Spitzeninstitut DZ Bank. Die bisherigen Yes-Aktionäre werden etwa 25 Prozent besitzen. Der Chef und Gründer von Yes, Daniel Goldscheider, steigt aus der Firma aus. Zu den Konditionen äußerten sich Verimi und Yes nicht.

Anteilseigner investieren im Zuge der Fusion erneut

„Dadurch, dass wir zukünftig auch das Bank-Ident-Verfahren in unsere Wallet integrieren können, bündeln wir die Kräfte und schaffen eine größere Reichweite“, erhofft sich Verimi-Geschäftsführer Roland Adrian. Außerdem verspreche die Fusion eine weitere Finanzierung in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags. Zukünftig soll aus beiden Anbietern eine gemeinsame Plattform werden. Diese werde als Verimi ID-Wallet im Web und via App verfügbar sein.

Verimi und Yes waren vor etwa vier Jahren gestartet und hatten sich von Anfang an Konkurrenz gemacht. Keines der Unternehmen hat sich am Markt durchsetzen können.

An Verimi sind bisher neben der Allianz, der Deutschen Bank und Volkswagen auch die Deutsche Bahn, Lufthansa und die Bundesdruckerei beteiligt. Mithilfe der digitalen Verimi-Geldbörse können sich Nutzer an verschiedenen Stellen ausweisen, einloggen und bezahlen, ohne ihre Daten jedes Mal neu eingeben zu müssen. Etwa bei der Online-Autovermietung oder der Eröffnung eines Bankkontos.

„Yes“ bietet Identifizierungsmöglichkeiten mithilfe von Onlinebanking. Dadurch sollen sich Bankkunden online ausweisen und einfacher auf verschiedenen Internetseiten einloggen können.

Keine Angaben zu Nutzungszahlen

Verimi und Yes wollen keine genauen Angaben zur Zahl ihrer Nutzer machen. Bei Verimi sei eine „siebenstellige Zahl an Wallet-Accounts“ registriert, heißt es vom Unternehmen. Yes habe keine eigenen Nutzer, da es den Zugang auf die Bankkonten herstelle. „Die Reichweite ist die Summe der Onlinebanking-Kunden von Volksbanken und Raiffeisenbanken und Sparkassen“, schreibt das Unternehmen auf Anfrage.

„Allein die drei großen Partner aus der Kreditwirtschaft, darunter Sparkassen, Raiffeisenbanken und Deutsche Bank, decken mit zusammen über 50 Millionen Privatkundinnen und Privatkunden mehr als 50 Prozent des deutschen Marktes ab“, werben Verimi und Yes.

Trotz der potenziell hoher Zahl an Nutzerinnen und Nutzern sind die Anwendungsfälle bei Yes bislang begrenzt. Unter anderem kooperiert Yes mit dem Steuersoftwareanbieter Buhl Data, der Plattform Nebenan.de, der Stadt Marburg und der Onlinespielhalle Jokerstar. Auch Verimi ist wenig bekannt. Solange Verbraucherinnen und Verbraucher die Identitätsdienste nicht regelmäßig benötigen, bleibt ihr Nutzen begrenzt – was wiederum Bekanntheit und Interesse weiterer Unternehmen, Yes oder Verimi einzubinden, klein hält.

In Deutschland bieten zudem erste Banken beispielsweise die Kontoeröffnung über die Onlineausweisfunktion des Personalausweises an – als Alternative zum Video-Ident-Verfahren. Die Onlinebank ING Deutschland ist damit Ende vergangener Woche gestartet, beim Wettbewerber Comdirect gibt es diese Art der Identitätsfeststellung bereits länger. Die ING setzt nun darauf, dass mehr Firmen auf die Onlineausweisfunktion setzen. „Es gibt bisher zu wenig Anwendungsfälle. Wir hoffen, dass andere Unternehmen nachziehen“, sagte Ronnie Schrumpf, Experte für Kundenidentifizierung bei der ING.

Als offen gilt, ob der Staat für die Onlineausweise selbst eine App bauen wird oder ob Wallet-Anbieter wie Verimi den Onlineausweis integrieren und damit mehr Nutzerzulauf erhalten können.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×