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23.05.2019

10:06

5G-Versteigerung

Telefónica-Chef erbost über Frequenz-Auktion

Von: Joachim Hofer

Der Milliardenpoker um den Mobilfunk-Standard 5G spitzt sich zu. Das Geld werde fehlen, um zu investieren, kritisiert Telefónica-Chef Markus Haas.

Die Versteigerung der neuen Frequenzen entwickelt sich zum teuren Bieterwettbewerb der Telko-Riesen. AP

5G-Ausbau

Die Versteigerung der neuen Frequenzen entwickelt sich zum teuren Bieterwettbewerb der Telko-Riesen.

MünchenSeit dem 19. März läuft die Versteigerung der Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G in Mainz. In fast 400 Runden haben die Anbieter inzwischen rund sechs Milliarden Euro geboten. Eine gewaltige Summe, die den Konzernen künftig für Investitionen fehlen werde, kritisiert Markus Haas. „Das ist nicht gut für Deutschland“, sagte der Chef von Telefónica Deutschland am Mittwochabend im Club Wirtschaftspresse München.

Einerseits hätten die Konzerne in den nächsten Jahren nicht genügend Mittel für die moderne Technik. „Deutschland wird sicherlich nicht das beste 5G-Netz haben“, erklärte Haas. Ohne die teure Versteigerung würde 5G zudem schneller kommen. Andererseits würden die Konsumenten belastet: „Wir alle zahlen den Preis.“

Gut zwei Monate schon kämpfen die drei etablierten Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica sowie der Herausforderer United Internet um die begehrten Frequenzen für den Echtzeitmobilfunk 5G. 41 Frequenzblöcke stehen zur Auswahl. Jedes Unternehmen kann auf jeden der Blöcke bieten. Eine Runde dauert maximal eine Stunde. Erst wenn keine Firma mehr neue Höchstgebote abgibt, ist die Auktion vorbei.

Wann die Versteigerung endlich zu Ende geht? Dazu wollte sich Haas nicht äußern. Telefónica werde sich die Frequenzen besorgen, „die wir brauchen“. Je mehr Frequenzblöcke sich ein Unternehmen ersteigert, desto leichter fällt später der Netzausbau. Keine der Firmen möchte nachgeben.

Auch die Konkurrenz hat sich zuletzt kritisch zu der Versteigerung geäußert. Telekom-Chef Timotheus Höttges warf der Bundesregierung vor, ein Modell gewählt zu haben, das sehr viel einbringt. „Warum wird die Frequenzauktion so gestaltet, dass dem Bund extrem hohe Einnahmen zufliegen?“, fragte er.

Telefónica-Chef Haas zufolge könnten für die sechs Milliarden Euro 60.000 Mobilfunkmasten errichtet werden. Das würde dem Land helfen, weil es noch immer Funklöcher gebe. Haas: „Es fehlen ein paar tausend Standorte.“ Um die ländlichen Gebiete abzudecken, will er künftig noch stärker mit den Wettbewerbern zusammenarbeiten. „Alle müssen offen sein für Kooperationen.“

Die Mobilfunkanbieter können allerdings auf staatliche Hilfe hoffen. Die Einnahmen aus der Auktion will die Bundesregierung in ein Förderprogramm für den Netzausbau stecken. Das hält Haas aber nicht davon ab, vor Gericht zu ziehen, um die Versteigerung anzufechten: „Wir werden das überprüfen lassen“, kündigte der Manager an.

Aktie ist seit Jahresbeginn eingebrochen

Es tobt ein heftiger Verteilungskampf in der deutschen Telekommunikationsbranche. Der Umsatz des Münchener Unternehmens mit seiner Hauptmarke O2 ist im ersten Quartal um 0,7 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro geklettert. Das um Sonder- und Regulierungseffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen schoss um fast 30 Prozent auf 528 Millionen Euro in die Höhe.

Das lag aber vor allem an neuen Bilanzierungsregeln. Unterm Strich wuchs der Verlust der Tochter des spanischen Telekomkonzerns Telefónica von 82 Millionen Euro im Vorjahr auf 107 Millionen Euro. Das im MDax notierte Unternehmen schreibt wegen hoher Abschreibungen auf Netze und den gezahlten Aufpreis für E-Plus seit der Übernahme 2014 nahezu durchgehend rote Zahlen.

Die Anleger sehen die Entwicklung schon länger skeptisch. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs um rund ein Viertel eingebrochen. Die NordLB hat Mittwoch das Kursziel von 3,50 auf 3,20 Euro gesenkt, die Einstufung jedoch auf „Kaufen“ belassen. Im frühen Handel am Donnerstagmorgen notierten die Papiere leicht im Minus bei 2,60 Euro.

Es ist aber nicht nur die Mobilfunkauktion, die Telefónica Sorgen macht. Auch die Auseinandersetzung um den wichtigen Partner Huawei bewegt den Konzern – und die gesamte Industrie. Die US-Regierung hat amerikanischen Firmen jüngst verboten, die Chinesen zu beliefern. Google hat darauf reagiert und angekündigt, das Handy-Betriebssystem Android nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Damit dürfte es unattraktiv für Kunden werden, Huawei-Handys bei Anbietern wie Telefónica zu kaufen.

Noch viel unangenehmer könnte es werden, wenn Huawei keine Netzwerktechnik mehr zur Verfügung stellen kann, weil die Bauteile von US-Firmen fehlen. Die Chinesen sind einer der wichtigsten Lieferanten der Mobilfunkfirmen, sie gelten bei der  5G-Technik als führend. Telefónica sei „im Gespräch“ mit Huawei, sagte Haas lediglich. Details über die Unterredungen wollte der Manager nicht nennen. Huawei hat in der Branche hierzulande einen ausgezeichneten Ruf.

Wann die Kunden zum ersten Mal 5G nutzen können? Im dritten Quartal werde Telefónica entscheiden, wer das Netz bauen werde. Fest steht laut Haas nur eins. Die ersten Masten mit der innovativen Technik würden an viel besuchten Orten aufgerüstet, an Flughäfen oder in den Fußgängerzonen der Innenstädte. 

Mehr: Während die Auktion der Frequenzen nicht enden will, wollen Industrieunternehmen nur zögerlich eigene 5G-Netze aufbauen. Die Stadtwerke hingegen sind bereit. Warum nur wenige Unternehmen Interesse an 5G haben.

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