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09.08.2019

15:32

Android-Konkurrent

Neues Betriebssystem Harmony OS ist für Huawei eine Art Lebensversicherung

Von: Christof Kerkmann

Der chinesische Smartphone-Hersteller hat ein eigenes Betriebssystem vorgestellt. Harmony OS könnte wichtig werden, wenn der Konzern den Zugang zu Android verlieren sollte.

Harmony OS: Huawei stellt sein eigenes Betriebssystem vor AFP

Huawei

Der chinesische Smartphone-Hersteller hat sein eigenes Betriebssystem vorgestellt.

Düsseldorf Richard Yu bewies diplomatisches Geschick. Der Top-Manager von Huawei stellte am Freitag das neue Betriebssystem Harmony OS vor, dass auf vernetzten Geräten aller Art laufen soll, vom Auto über den PC bis zu einem Sensor. Der Konzern könne es jederzeit auch auf seinen Smartphones installieren, ließ er auf der Bühne wissen – lieber setze er allerdings weiter die Google-Software Android ein.

Die Präsentation auf der Entwicklerkonferenz von Huawei zeigt: Der chinesische Konzern hat große Ambitionen, er will eine Plattform für die Vernetzung der Welt aufbauen. Kurzfristig ist er allerdings beim wichtigsten Produkt – dem Smartphone – von Partnern wie Google abhängig, zumindest außerhalb von China.

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Harmony OS, in China Hongmeng, soll auf allen Geräten laufen können, die vernetzte Technik enthalten – ob Autos, Lautsprecher, Computer, Smartphones, Smartwaches oder Sensoren. Um das zu ermöglichen, entwickelt Huawei einen Kern, der mit geringer Rechenleistung auskommt und ergänzt diesen von Produkt zu Produkt mit verschiedenen Diensten. An der Entwicklung können sich andere beteiligen, der Quellcode steht offen zur Verfügung.

Es beginne ein Zeitalter, in dem Menschen ein „ganzheitliches, intelligentes Erlebnis über alle Geräte und Szenarien hinweg erwarten“, sagte Yu. Das neue Betriebssystem soll dies mit plattformübergreifenden Funktionen unterstützen. Ein wichtiger Aspekt: Die Programme werden automatisch an verschiedene Geräte angepasst, der Aufwand für Entwickler sinkt somit.

Die Einführung wird sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. In diesem Jahr soll ein erstes Produkt mit dem Betriebssystem herauskommen, nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ein Smart-TV. Ab 2020 soll es PCs und Smartwatches mit dem System geben, ab 2021 Lautsprecher und Kopfhörer, ab 2022 Virtual-Reality-Brillen und weitere, nicht näher beschriebene Geräte.

Auch für Smartphones soll sich Harmony OS eignen. Der Umstieg von Android sei sehr einfach, betonte Yu, der die Mobilsparte von Huawei leitet. Falls die USA und China ihren Handelskonflikt nicht lösen und die US-Regierung ihre Sanktionen gegen den Konzern aufrechterhält, ist das Betriebssystem eine Art Lebensversicherung.

Bislang ist es allerdings keinem Anbieter gelungen, ein Betriebssystem neben Android und iOS zu etablieren. Mit Microsoft scheiterte selbst der größte Softwarekonzern der Welt. Samsung nutzt Tizen auf Fernsehern und Smartwatches, aber nicht mehr auf Smartphones.

Die größte Herausforderung besteht darin, ein Ökosystem mit Anwendungen und Medieninhalten aufbauen: Außerhalb von China gibt es keine Alternativen zu Google, Facebook und Amazon. Huawei will daher eine Milliarde Dollar investieren, um Entwickler zu unterstützen.

Experten sind jedoch skeptisch. Die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems sei angesichts der politischen Lage unvermeidlich, erklärte Ben Wood, Chefanalyst bei CCS Insight. Bei vernetzten Geräten bestehe durchaus Aussicht auf Erfolg, „Android zu ersetzen ist aber eine praktisch unmögliche Aufgabe“.

Mehr: Huawei spürt die US-Sanktionen bisher kaum, der Umsatz ist fast um ein Viertel gestiegen. Trotzdem arbeiten 10.000 Entwickler in drei Schichten täglich an einem Plan B.

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