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17.05.2018

17:54

Banken, Energiebranche, Landwirtschaft

5 Bereiche, die von der Blockchain umgekrempelt werden

Von: Astrid Dörner, Felix Holtermann, Anna Gauto, Katharina Slodczyk

Die Finanzbranche könnte die Blockchain-Technik am stärksten verändern. Doch auch auf dem Acker kommt sie zum Einsatz – und sogar in Flüchtlingscamps.

In der Finanzbranche dürfte Blockchain die größten Auswirkungen haben. ddp images/Jaap Arriens/

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In der Finanzbranche dürfte Blockchain die größten Auswirkungen haben.

New York, Frankfurt, Amman Finanzbranche: Weg vom Papier

Banken, Börsen und Versicherungen sind ganz vorne mit dabei, wenn es um neue Dienstleistungen auf Blockchain-Basis geht.

Es ist ein Dauerthema im Außenhandel: Wie sichern sich Exporteure dagegen ab, dass nach Lieferung der Ware die Rechnung nicht bezahlt wird? Banken und andere Finanzdienstleister haben zwar einige Lösungen parat, doch gerade für mittelständische Unternehmen sind die häufig zu teuer. Die Blockchain-Technologie könnte helfen, den Schutz vor Zahlungsausfällen einfacher und vor allem billiger zu machen.

Eine Gruppe von sieben Geldhäusern, darunter die Deutsche Bank, HSBC und Unicredit, will einen Teil der Handelsfinanzierung für kleine und mittelständische Firmen in Europa künftig über eine gemeinsame Blockchain-Plattform abwickeln. So sollen die an einem Geschäft beteiligten Parteien ihre Transaktionen besser steuern, überwachen und auch ihre Risiken deutlich senken können. Das Projekt soll demnächst an den Start gehen.

Das ist aber nur der erste Schritt. Grundsätzlich kann die Blockchain-Technologie gerade die Handelsfinanzierung noch viel stärker vereinfachen: „Blockchain kann vor allem da seine Vorteile entfalten, wo es darum geht, möglichst viele Teilnehmer zusammenzubringen, die zeitgleich bestimmte Informationen bekommen sollen“, sagt Patrick Pohl, der sich bei der Deutschen Bank um Mittelstandsprodukte kümmert.

In der Handelsfinanzierung sind das die Banken des Warenimporteurs und des -exporteurs, die Transportversicherung sowie die Hafen- und Zollbehörden. „Wenn die Blockchain alles ablöst, was sich in der Handelsfinanzierung bisher noch auf Papier abspielt, dann sind wir in die Champions League vorgedrungen“, so Pohl.

Börsen und Finanzinstitute überall auf der Welt haben das Potenzial der Blockchain erkannt. JP Morgan, Amerikas größte Bank, bündelt die Aktivitäten in einer Gruppe mit dem hochtrabenden Namen „Blockchain Center of Excellence“. Das Institut hat seine eigene Blockchain namens Quorum entwickelt. Sie ist ein Ableger der Ethereum-Blockchain, der sich ganz auf die Bedürfnisse von Unternehmen und Banken spezialisiert.

Im Internet der Werte: Blockchain – eine Technologie verändert die Welt

Im Internet der Werte

Blockchain – eine Technologie verändert die Welt

Weltweit testen Unternehmen das Potenzial der neuen Technologie – um den Trend bloß nicht zu verpassen. Aber was kann die Blockchain wirklich?

Tests laufen unter anderem beim internationalen Zahlungsverkehr. Seit Herbst etwa besteht eine Kooperation zwischen Banken in Kanada, Australien und Neuseeland, die das Überweisen von Geld über nationale Grenzen hinweg deutlich schneller und günstiger macht. Die Zentralbanken in Frankreich, Brasilien, Singapur und Südafrika experimentieren ebenfalls mit Quorum, wenn es um die Abwicklung von Finanztransaktionen geht.

JP Morgan erwägt derzeit, Quorum als eigenständiges Unternehmen auszugliedern. Denn die Blockchain funktioniert dann am besten, wenn sie von möglichst vielen Teilnehmern genutzt wird. Und gerade konkurrierende Banken könnten sich sträuben, eine Technologie zu nutzen, die ein Wettbewerber entwickelt hat.

Die schwedische SEB setzt auf das kalifornische Krypto-Start-up Ripple, um internationale Transaktionen zum Beispiel von Europa in die USA zu beschleunigen. Ripples Technologie setzt auf der bestehenden Infrastruktur der Banken auf und ermöglicht es, binnen Minuten Geld von einem Land ins andere zu transferieren. Ripple arbeitet nach eigenen Angaben mit über 100 Banken und Finanzdienstleistern in der ganzen Welt zusammen, darunter auch die deutsche Reisebank.

Die ehemalige JP-Morgan-Bankerin Blythe Masters wiederum hat als eine der Ersten das Potenzial der Blockchain-Technologie für die Finanzwelt erkannt. Mit ihrem Start-up Digital Asset arbeitet die Britin an Blockchain-Lösungen unter anderem für den australischen Börsenbetreiber ASX. Die Blockchain soll dort vor allem für die Abwicklung des Wertpapierhandels eingesetzt werden.

Masters sieht die Finanzindustrie auf einem guten Weg, die Blockchain-Technologie anzunehmen: „Es ist einfach, die Banken für die Gier, die Hybris und die Exzesse vor der Finanzkrise zu kritisieren. Aber wir brauchen Finanzdienstleistungen, und zwar solche, die auf dem neusten technologischen Stand sind.“ Und genau darum gehe es bei der Blockchain-Technologie.

Astrid Dörner, Katharina Slodczyk

Amerikas größter Einzelhändler testet die Blockchain für seine Warenketten. Reuters

Mitarbeiter bei Walmart

Amerikas größter Einzelhändler testet die Blockchain für seine Warenketten.

Logistik: Die ganze Palette

Der Weg von Waren rund um den Globus lässt sich mit der Blockchain-Technologie einfacher als bisher verfolgen. Das spart Zeit und Geld.

Was ist ein Bitcoin? Für Dirk Siegel ist die Sache klar. Der Partner der internationalen Wirtschaftsberatung Deloitte sieht darin die „digitale Repräsentanz einer Münze“. Wie eine reale Münze kann dieses Abbild um die Welt wandern, ohne verloren zu gehen, abgesichert durch die Blockchain-Technologie.

„Und wenn das Abbild einer Münze um die Welt reisen kann, warum soll das nicht auch mit dem Abbild einer Palette gehen?“, fragt der Gründer des Deloitte-eigenen Blockchain-Instituts. Oder anders gesagt: Wenn finanzielle Transaktionen in der Blockchain abgebildet werden können, warum dann nicht auch reale?

Beobachter sind sich einig: Ihre Stärken spielt die Blockchain-Datenbank dort aus, wo die digitale Technologie eine analoge, ineffiziente Buchhaltung ersetzt. In der Realwirtschaft ist Logistikexperten zufolge vor allem ein Bereich reif für einen Neustart: der internationale Transport von Waren und Vorprodukten, das sogenannte Supply Chain Management. „Eine Logistikkette ist nichts anderes als eine Abfolge von Transaktionen“, erklärt Siegel.

So wird eine Palette mit in China produzierten Gummidichtungen beispielsweise von der Fabrik in den Schanghaier Hafen verfrachtet, dort auf ein Schiff Richtung Europa gehoben, in Rotterdam in einen Güterwaggon umgeladen und in Mannheim in einen Lkw, bevor sie beim Mittelständler im Allgäu ankommt. Dabei kann eine Menge schiefgehen – vertauschte Paletten sowie verlorene Container gehören zu den größten Ärgernissen der Logistik.

Und selbst wenn alles gutgeht: Da jeder Weitertransport, jedes Aus- und Umladen der Palette dokumentiert werden muss, ist der Prozess aufgrund der vielen Akteure in unterschiedlichen Ländern langsam und fehleranfällig.

Stellt sich die Frage, ob eine solche Lösung nicht auch ohne Blockchain denkbar wäre. Schließlich können Kunden bei DHL und anderen Logistikern schon heute den Weg ihrer Pakete nachvollziehen. Dirk Siegel winkt ab: „Solange wenige Akteure am Transport einer Ware beteiligt sind, die sich gut kennen, braucht es keine Blockchain. Sobald aber viele Akteure aus unterschiedlichen Ländern an Bord sind, wächst das menschliche Misstrauen.“

Die Blockchain dagegen gehört niemandem, ist technisch einfach aufzusetzen und funktioniert ohne aufwendige Wartung. „Sie bringt alle am Transport Beteiligten zusammen, aber niemand kann eigenmächtig manipulieren“, sagt der Deloitte-Partner: „Wäre die besagte Palette mit einem digitalen Abbild in der Blockchain verknüpft, könnten alle Handelspartner und Transporteure durchgängig den Standort der Palette im weltweiten Warenstrom nachvollziehen.“

So könnte die Palette mit den Gummidichtungen etwa mit einem QR-Code versehen werden, der bei jedem Umladevorgang automatisch in der Datenbank verzeichnet wird. „Und die Blockchain könnte noch mehr“, glaubt Siegel. Über sogenannte Smart Contracts könnten beim Verladen der Palette direkt Teilzahlungen an Lieferanten und Transporteure ausgelöst werden – vollautomatisch rund um den Globus und ohne Beteiligung menschlicher Buchhalter.

IBM hat bereits eine solche Blockchain-Lösung entwickelt, die Deloitte-Experten betreuen. Getestet wird sie derzeit unter anderem von 15 Versicherern der 2016 gegründeten „Blockchain Insurance Industry Initiative“ unter Führung der Munich Re. Doch auch der Einzelhandel ist dabei: IBM arbeitet mit Walmart und mit Nahrungsmittel-Herstellern wie Dole, Nestlé und Unilever zusammen, um leichter nachverfolgen zu können, woher ein bestimmtes Produkt kommt.

So dauert es heute dank Blockchain Minuten statt mehrerer Tage, um den Weg zurückzuverfolgen, den eine Schale geschnittene Mango von der Farm bis in den Supermarkt hinter sich hat. Im Fall von vergifteten Lebensmitteln kann dieses höhere Tempo Leben retten.

Eine Schwachstelle gibt es jedoch. Scannt der Hafenarbeiter in Schanghai schlicht die falsche Palette, liefert auch die beste Blockchain falsche Ergebnisse. Siegel: „Die Blockchain ersetzt nicht menschliches Denken. Aber sie kann einer langsamen Sachbearbeitung Beine machen.“

Die falsch gescannte Palette würde in einer Blockchain-überwachten Logistikkette im besten Fall sofort als Fehler auffallen – und gar nicht erst auf dem Frachter gen Europa landen.

Astrid Dörner, Felix Holtermann

Alle Macht den Kleinen. KEVIN HAGEN/The New York Times/R/Redux/laif

Blockchain-basiertes Energienetz in Brooklyn

Alle Macht den Kleinen.

Energiebranche: David mit Goliath

Blockchain-Technologie hilft gerade kleinen Erzeugern, ihren Strom zu vermarkten. Auch weil große Konzerne den Wandel unterstützen.

Die weltweite Premiere spielt im New Yorker Stadtteil Brooklyn an einem Apriltag des Jahres 2016. In der President Street, gesäumt von schmalen Sandstein-Stadthäusern, verkauft einer der Anwohner seine überschüssige Sonnenenergie an einen Nachbarn einige Häuser weiter. Die Handelsplattform, die sie dafür nutzen, basiert auf einer Blockchain. Es ist das erste Mal, dass diese Technologie im Energiesektor zum Einsatz kommt.

Projekte wie das in Brooklyn gibt es inzwischen in vielen Teilen der Welt. In Europa haben die Energiehandelsfirmen Priogen Trading und Yuso Ende 2016 die erste Transaktion auf Blockchain-Basis abgewickelt. Konzerne wie Shell und BP entwickeln derzeit Handelsplattformen, die sich die neue Technologie zunutze machen. Und für das laufende Jahr prophezeien Experten, dass bei den Blockchain-Anwendungen in der Energiebranche die nächste Entwicklungsstufe gezündet wird.

Diese werde durch mehr Investitionen in Blockchain-Lösungen und durch das stärkere Engagement etablierter Versorger gekennzeichnet sein, heißt es in einer Studie von GTM, einem Ableger der schottischen Energieberatungsgesellschaft Wood Mackenzie. „Veteranen der Branche schalten sich ein und beschäftigen sich mit den Start-ups“, schreiben die Analysten. Denn nur gemeinsam könnten Newcomer und etablierte Player das volle Potenzial erschließen, das die Blockchain im Energiesektor biete.

Dazu gehört vor allem der Vertrieb von Strom, der dezentral erzeugt wird wie beispielsweise in Brooklyn. Der von solchen kleinen, in der Region verteilten Anlagen produzierte Anteil an der gesamten globalen Energieerzeugung wird nach Prognosen der Weltenergieagentur bis zum Jahr 2025 von derzeit fünf auf 25 Prozent zunehmen.

Die Blockchain senkt hier Markteintrittsbarrieren, indem sie Vermarktung, Zahlungsabwicklung und Dokumentation für kleine Produzenten und ihre Kunden einfacher macht. Dadurch öffnet sie den Energiemarkt für mehr Teilnehmer.

Die Blockchain helfe gerade kleinen Einheiten mit einer Elektrozapfsäule im Vorgarten oder einem Solarstrommodul auf dem Dach, ihr Produkt besser zu vermarkten, so Axel von Perfall von der Beratungsgesellschaft PwC. So hat beispielsweise ein Essener Start-up eine App namens Share&Charge entwickelt, die unter anderem Besitzer von Elektroautos und Betreiber von Ladestationen zusammenbringen soll – auf einer offenen Plattform mit Blockchain-Technologie. Transaktionen können dort fälschungssicher festgehalten werden.

Nach Ansicht der Analysten von GTM dürften Angebote wie diese zu den ersten im Energiesektor gehören, die signifikante Erträge bringen: Da es beim Laden von Elektroautos noch keine etablierten Standards fürs Bezahlen gebe, könnten die neuen Blockchain-Lösungen auf eine große Nachfrage hoffen.

Katharina Slodczyk

Landwirtschaft: Geld gegen Korn

Was haben australische Farmer mit Bitcoins zu tun? Eine Menge.

Emma Weston ist Farmerin in Australien. Ihre Familie baut schon seit Generationen Getreide an. Daher ist sie mit einem Problem aufgewachsen, das viele Bauern kennen: Sie sind finanziell abhängig von Großhändlern – und damit auch von deren Zahlungsmoral. Dieses Problem machte aus der Farmerin Emma Weston eine Start-up-Gründerin.

Weston hat in ihrer Firma „Full Profile“ ein System entwickelt, bei dem Getreidelieferungen nach Ankunft beim Großhändler automatisch eine Zahlung auslösen. Sie und ihre Mitgründer waren es leid, nach Lieferungen oft viel zu lange auf ihr Geld warten zu müssen. Außerdem soll die Software, die unter der Marke Agri-Digital vermarktet wird, auch noch bessere Preistransparenz ermöglichen. Ein Zugeständnis an die Zielgruppe: Das System sei vom Smartphone aus einsehbar und daher „auch auf dem Feld erreichbar“.

Die technische Basis bildet eine Blockchain. Die Automatisierung besorgen sogenannte Smart Contracts, also vorab einprogrammierte Verträge, die automatisch Zug um Zug abgewickelt werden: Ist das Getreide geliefert, fließt das Geld.

Weston vermarktet die Idee jetzt auch in Kanada und will neue Märkte wie die Ukraine erschließen. Im vergangenen Jahr ist sie eine Kooperation mit der niederländischen Rabobank eingegangen, die weltweit auf Landwirtschaft spezialisiert ist. Damit ist es möglich, eine Zwischenfinanzierung einzubauen: Die Bank bezahlt den Farmer und gewährt dem Großhändler Kredit, bis der seine Ware weiterverkauft hat. Teil dieses Konzepts ist ein virtueller Australischer Dollar, den die Rabobank herausgibt und an die echte australische Währung koppelt.

Es gibt noch weitere Blockchain-Pioniere in der Landwirtschaft. Im Januar 2018 wurde zum ersten Mal eine Schiffsladung Sojabohnen, die von den USA nach China geliefert wurde, über eine Blockchain abgewickelt. Weitere mögliche Anwendungsbereiche für Bauern sind die Erfassung von Nutzungsrechten an Grund und Wasser in einem dezentralen Grundbuch oder die Kontrolle der Bezugsquellen, etwa von Saatgut.

Frank Wiebe

Bankgebühren gespart. Jose Giribas/SZ Photo/laif

Bezahlung per Blockchain in Jordanien

Bankgebühren gespart.

Flüchtlingshilfe: Daten ohne Bank

In einem Supermarkt in Jordanien zahlen Flüchtlinge per Augenaufschlag. Geld oder Karten sind dank der Blockchain nicht mehr nötig.

Es ist kein gewöhnlicher Supermarkt, in dem Safira Saleh (41) an diesem Wintertag für ihre siebenköpfige Familie einkauft. Der „Sameh Market“ steht im Flüchtlingscamp „Azraq“, eineinhalb Autostunden von Jordaniens Hauptstadt Amman entfernt.

Dort, mitten im staubigen Nirgendwo der jordanischen Wüste, bietet das Geschäft Menschen wie Saleh, die Bomben aus ihrer Heimat vertrieben haben, eine Oase der Normalität. Der Supermarkt ist aber auch aus einem anderen Grund außergewöhnlich. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) setzt dort Blockchain-Technologie plus Iris-Scan ein, um das Bezahlen sicherer und einfacher zu machen.

Anhand der Waren, die da auf dem Kassenband entlanggleiten, lässt sich beobachten, wie das funktioniert. Kundin Saleh wuchtet Reissäcke und Bulgur auf das Fließband. Der Kassierer richtet zunächst ein Lesegerät auf die Barcodes der Produkte. Dann schiebt er ein Gerät vor Salehs Gesicht, das ihre Iris fotografiert, um ihre Identität festzustellen.

Auf einem Bildschirm über der Kasse erscheint Salehs rechtes Auge, dann der fällige Betrag, nur Sekunden später ein grüner Haken und der Schriftzug „Transaction completed“. Für den Zuschauer dauert die Transaktion nur wenige Sekunden, ganz ohne Geld oder Verzehrmarken.

Im WFP-Büro in Amman erklärt der Iraner Houman Haddad, der dort für Finanzen zuständig ist, welche Prozesse im Hintergrund ablaufen. Der ehemalige Investmentbanker und seine Mitarbeiter haben für jeden der beteiligten Flüchtlinge, inzwischen sind es 100.000 in den beiden jordanischen Camps Azraq und Zaatari, Konten auf einer Blockchain erstellt, die auf der Ethereum-Technologie basiert. Sobald die Blockchain eine Anfrage aus dem Supermarkt erreicht, überprüft das System, ob ausreichend Deckung vorhanden ist, und autorisiert oder storniert dann die Zahlung.

Blockchain-Technologie: Ein jordanisches Flüchtlingscamp wird zum Testlabor für die Zukunft des Bezahlens

Blockchain-Technologie

Ein jordanisches Flüchtlingscamp wird zum Testlabor für die Zukunft des Bezahlens

In einem jordanischen Flüchtlingscamp testen Hilfsorganisationen hochmoderne Verfahren, die Banken überflüssig machen können. Bezahlt wird per Augenaufschlag.

Eine Bank braucht WFP für die einzelnen Konten nicht mehr. Das Accounting übernimmt dort nun die Blockchain, was WFP 98 Prozent der Gebühren spart – das sind 140.000 US-Dollar im Monat. Einmal pro Woche überweist WFP die fälligen Beträge der Einkäufe, die in der Blockchain gespeichert sind, gesammelt an den Supermarktinhaber.

„Die Banken als Mittler haben wir ersetzt“, sagt Haddad. WFP spare nicht nur Geld, es sichere auch seine Finanzen, vor allem Spenden und Steuergelder. Denn gerade in Krisenregionen könnten Banken ausfallen, dann sei das Geld weg. Für den ehemaligen Investmentbanker Haddad ist die Blockchain „revolutionär“, da sie die mächtigen Akteure ersetze, die bislang für die Korrektheit der Inhalte bürgen mussten.

„Stellen Sie sich die Blockchain wie ein Google-Dokument vor, an dem viele Menschen gleichzeitig arbeiten können“, sagt Haddad . Die Co-Worker vertrauten darauf, dass Google jedem dasselbe Ergebnis anzeige. Dank der Blockchain sei man nicht mehr auf die eine Firma als zentralen Datenspeicher angewiesen. WFP will das Bezahlsystem bald auf 500.000 Flüchtlinge ausweiten.

Künftig wolle man weitere humanitäre Organisationen für die Technologie begeistern und sie in andere Länder bringen. Und bei den Konten soll es aus Sicht von Haddad nicht bleiben. Mit Blockchain könne man auch viele andere Hilfsprojekte stemmen. Banking ist für ihn nur der Anfang.

Anna Gauto

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