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28.11.2019

10:44

Bitkom-Statistik

124.000 offene Stellen – Mangel an IT-Spezialisten nimmt dramatisch zu

Von: Christof Kerkmann

Ob Autobauer, Versicherung oder Technologiekonzern: Alle Firmen suchen IT-Fachkräfte. Immer mehr Stellen bleiben offen – eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Der Mangel an IT-Experten in Deutschland dürfte sich verschärfen. AFP

Arbeit am Computer

Der Mangel an IT-Experten in Deutschland dürfte sich verschärfen.

Berlin Volkswagen gründet eine Einheit für die Softwareentwicklung. Die Allianz vermarktet eine digitale Plattform an andere Versicherungen. Und die Bundesregierung will Behördengänge mit dem E-Government überflüssig machen: Die Meldungen aus den vergangenen Wochen zeigen, dass der Bedarf nach IT-Spezialisten wächst – und zwar in allen Bereichen.

Allerdings wird es immer schwieriger, diese Stellen zu besetzen: In Deutschland gibt es aktuell 124.000 offene Posten, 51 Prozent mehr als 2018 und mehr als doppelt so viele wie 2017. Das geht aus einer Studie hervor, die der Technologieverband Bitkom am Donnerstag veröffentlicht hat. Grundlage ist eine repräsentative Befragung unter mehr als 850 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen in allen Branchen.

„Der Mangel an IT-Experten betrifft längst nicht mehr nur die IT-Branche, sondern die gesamte Wirtschaft und auch Verwaltung, Behörden und Wissenschaft“, erklärte Bitkom-Präsident Achim Berg. Jede unbesetzte Stelle koste Umsatz, belaste die Innovationsfähigkeit und bremse die digitale Transformation. „Der Mangel an IT-Experten bedroht die Wettbewerbsfähigkeit unserer gesamten Wirtschaft“, warnte der Manager.

In der Umfrage erklärten 83 Prozent der Unternehmen, dass sie einen IT-Fachkräftemangel feststellen, 65 Prozent erwarten eine weitere Verschärfung der Situation. Besonders gefragt sind Softwareentwickler, jede dritte Organisation (32 Prozent) hat entsprechende Stellen offen: Programmierung wird in immer mehr Branchen zu einem wichtigen Bestandteil der Wertschöpfung.

Auch klassische IT-Jobs sind gefragt. Viele Unternehmen suchen beispielsweise IT-Anwendungsbetreuer (18 Prozent), Datenspezialisten (13 Prozent) und Projektmanager (12 Prozent). Durchschnittlich sechs Monate bleiben IT-spezifische Stellen im Schnitt vakant.

Dass Angebot und Nachfrage nicht im Gleichgewicht sind, bestätigen die Preise: Als größtes Problem bei der Personalsuche bezeichnen die Unternehmen die hohen Gehaltsvorstellungen der Bewerber (72 Prozent). 52 Prozent sehen eine Diskrepanz zwischen den Forderungen und den Qualifikationen der IT-Spezialisten.

In den nächsten Jahren dürfte sich die Situation kaum verbessern, die Digitalisierung beschäftigt Wirtschaft und Staat. Gleichzeitig ergreifen vergleichsweise wenige Menschen IT-Berufe: Die Zahl der Studienanfänger in der Informatik ist zwar seit 2014 um durchschnittlich 3,2 Prozent pro Jahr gestiegen, 2018 waren es nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 75.000. Allerdings verließen in dem Jahr nur 27.100 Absolventen die Hochschulen.

„Wir müssen mehr junge Menschen für Informatikstudium und IT-Ausbildung begeistern, gerade auch junge Frauen“, sagte Bitkom-Präsident Berg – diese sind bislang unterrepräsentiert. Zudem gelte es, die Abbrecherquote in der Informatik zu senken. „Sind wir an den Universitäten nicht ganz auf der Höhe der Zeit? Die Frage muss man sich stellen.“

Mehr: Viele Extrawünsche, wenig Leistung – wie IT-Experten zu Diven des Jobmarktes werden

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Kommentare (8)

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H. Dau

28.11.2019, 12:52 Uhr

Wenn die Anzahl an Hochschulabgängern nicht Ausreicht und das Studium schwer oder nervig ist dann sollten vielleicht entweder mehr Anreize geschaffen werden (Bezahlung) oder mehr selbst Ausgebildet falls andere Anforderungen Ausreichen oder passen. Das ist halt Marktwirtschaft.

In vielen westlichen Ländern ist die aktuell deutsche Bezahlung recht durchschnittlich vor allem bei der aktuellen Abgabenlast. Und selbst in China bezahlen viele Firmen in den großen Städten genauso viel oder mehr, obwohl es viel mehr Menschen gibt die als Personal in Frage kommen.

In Anbetracht der Absolventen sind die 72% zu hohe Forderungen vielleicht korrekt und gar nicht so hoch.
Wenn sich das nicht bezahlt macht war die Idee für das Investment vielleicht einfach nicht gut genug.

Herr Alexander Zinn

28.11.2019, 18:15 Uhr

In jedem Unternehmen gibt es genug (eigentlich) motivierte Mitarbeiter mit hoher IT-Affinität und Interesse an Zukunft.
Die meisten davon werden weder erkannt, noch gefördert. Das ist ein internes Führungsthema !
Stattdessen müssen vorhandene Talente veraltete Technologien und Prozesse verwalten.
Oder ganz banal: Sich strikt einordnen. Das ist offenbar so gewollt oder dem allgemein hohen Druck geschuldet.

Herr Christian Salchenegger

28.11.2019, 19:00 Uhr

Herrlich. Das ist der freie Markt - Angebot und Nachfrage. Tipp: Man könnte die Mitarbeiter auch ordentlich bezahlen und schulen. Wobei. Man könnte ja auch einfach osteuropäische "Billigarbeiter" importieren und über den Fachkräftemangel jammern. Traurig.

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