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16.09.2019

04:04

Cloud-Computing

Cloud zum Anfassen – Amazon Web Services eröffnet neues Büro in München

Von: Christof Kerkmann

Amazon Web Services eröffnet mit Siemens und Boston Consulting ein neues Büro in München. Das Ziel: Cloud-Computing soll verständlich werden.

Die Amazon-Tochter AWS will Industriekunden zeigen, welches Potenzial ihnen Cloud-Computing eröffnen könnte. Getty Images

Rechenzentrum

Die Amazon-Tochter AWS will Industriekunden zeigen, welches Potenzial ihnen Cloud-Computing eröffnen könnte.

Düsseldorf Die Ambition kleidete sich in ein rotes Backsteinimitat. Auf der Hannover Messe im April gestaltete der Cloud-Computing-Anbieter AWS seinen Stand im Stil einer alten Fabrikhalle – zumindest von außen. Innen war an den Ständen zu sehen, wie die Amazon-Tochter es ermöglichen will, Bahnwaggons mit digitalen Doppelgängern zu überwachen oder Ventile zu steuern. Das Signal: AWS kann der Industrie bei der Digitalisierung helfen.

Die Kommunikation, wie sie auf der Messe üblich ist, will AWS dauerhaft führen. Der Internetkonzern eröffnet am heutigen Montag in München ein neues Büro, in dem er beispielhafte Projekte vorführen und mit Kunden an gemeinsamen Ideen arbeiten kann. Siemens und die Boston Consulting Group sind daran beteiligt – der Industriekonzern betreibt einen „Industrial Software Showcase“, die Beratung einen „Digital Builders Showroom“.

„Die Cloud-Nutzung steigt, aber Entscheidungsträger haben oft nicht die Vorstellung, wie Technologie ihr Geschäft verbessert“, sagt Klaus Bürg, der bei AWS das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz leitet, dem Handelsblatt.

„Wir versprechen uns von dem neuen Büro, dass das Thema Cloud-Computing für die Kunden deutlich greifbarer wird.“ Eine mindestens „vierstellige Zahl“ an Besuchern will der Manager im Jahr in die ehemalige Siemens-Zentrale am Oskar-von-Miller-Ring lotsen.

Die Cloud zum Anfassen: AWS reagiert damit auf Veränderungen im Markt. Die Nutzung von IT-Diensten wie Software, Speicherplatz oder Rechenleistung übers Netzwerk sei inzwischen Mainstream, erklärt der Marktforscher Gartner.

Das gilt selbst für Deutschland, wo in der öffentlichen Diskussion lange Sicherheitsbedenken überwogen: 73 Prozent der Unternehmen nutzen die Cloud, zumindest 35 Prozent greifen auf Angebote zu, die komplett beim Dienstleister laufen – Experten sprechen von Public Cloud.

„Jetzt geht es darum, die Cloud zu einem integralen Bestandteil der Wertschöpfung zu machen“, sagt Axel Oppermann, Chef des Beratungsunternehmens Avispador. „Deswegen muss AWS die Kunden anders ansprechen.“ Etwa, um Vorstände und Bereichsleiter zu erreichen. Neu ist dieses Konzept nicht: IBM beispielsweise hat mit dem „Watson IoT Center“ eine Einrichtung aufgebaut, um mit Kunden gemeinsam an Projekten zu arbeiten.

Für Siemens erfüllt das neue Zentrum einen wichtigen Zweck

Für AWS spielen die Partner eine bedeutende Rolle: Sie haben Expertise in ihren Branchen. Siemens, Marktführer bei Industriesoftware, zeigt an zehn Stationen beispielsweise seine Lösungen für die Industrie 4.0. „AWS ist im Moment der führende Anbieter für die Public Cloud“, begründet Andreas Geiss, Technikchef der Plattform Mindsphere, das Engagement.

Auch für Siemens erfüllt das neue Zentrum einen wichtigen Zweck: Es ermögliche es, Szenarien von Kunden aus der Fertigungsindustrie nachzubilden, erläutert der CTO – das sei eine häufige Bitte.

Die Cloud sei in der Industrie heute unverzichtbar, betont Geiss. Sie helfe beispielsweise dabei, schnell neue Anlagen in Betrieb zu nehmen oder alle Maschinen gleichzeitig zu überwachsen – und zwar in aller Welt. „Die Cloud ist wie eine Autobahn mit sechs oder acht Spuren: Man hat fast unendlich große Kapazitäten, um Daten auszutauschen.“

Die Boston Consulting Group (BCG) will Kunden bei der Entwicklung neuer Konzepte helfen. „Auf Kundenseite gibt es einige Berührungsängste mit digitalen Technologien“, sagt Tilman Buchner, Partner bei BCG – daher sei Aufklärungsarbeit nötig. Die Beratung führt in dem neuen Zentrum Technologien wie die Bild- und Spracherkennung sowie die Analyse großer Datenmengen vor.

„In diesen drei Disziplinen sind in den letzten Monaten wesentliche Durchbrüche erfolgt.“ Alle namhaften Cloud-Anbieter stellten Services zur Verfügung, die es erstmals ermöglichen, diese Technologien in einem breiten industriellen Umfeld einzusetzen. Kunden können gemeinsam mit den Beratern Prototypen fürs eigene Unternehmen entwickeln.

„Die Eröffnung des neuen Büros ist das Ergebnis aus unserem rasanten Wachstum“, sagt AWS-Manager Bürg. Geschäftszahlen für einzelne Märkte weist das Unternehmen nicht aus, der globale Umsatz wuchs im ersten Halbjahr um 39 Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar, das Betriebsergebnis um 43 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar. Damit ist es Marktführer, wohl auch in Deutschland.

Das Wachstum spiegelt sich auch in der Entwicklung der Belegschaft wider: 500 neue Mitarbeiter werde AWS im Laufe des Jahres in Deutschland einstellen, berichtet Bürg, in den Rechenzentren wie auch an Entwicklungsstandorten und in den Vertriebsbüros. Wie groß die Belegschaft insgesamt ist, legt der Manager nicht offen.

Klar ist nur: Die Ambitionen sind noch viel größer. „Technisch gesehen bis zu 100 Prozent“ der IT könnten Unternehmen künftig aus der Cloud beziehen, sagte AWS-Chef Andy Jassy im Juli in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Mehr: Immer mehr deutsche Unternehmen nutzen die Cloud. Europäische Anbieter fehlen allerdings. Dabei ist der Bedarf in der Wirtschaft an sicheren digitalen Infrastrukturen hierzulande groß, wie eine Umfrage zeigt.

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