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14.08.2019

18:47

Datenschutz

Facebook hat Sprachnachrichten von Nutzern ausgewertet

Von: Larissa Holzki

Nach Amazon, Apple und Google hat nun auch das soziale Netzwerk zugegeben, Aufnahmen von Nutzern analysiert zu haben. Verwendet wurden Daten des Chatdienstes Messenger.

Facebook gibt Auswertung von Nutzerdaten durch Mitarbeiter zu dpa

Facebook

Für Facebook ist die Situation noch etwas heikler: Seit Jahren geht das Gerücht um, Apps des Online-Netzwerks hörten den Nutzern zu, um die Werbung zu personalisieren.

Düsseldorf Auch Facebook-Nutzer wurden abgehört: Das Unternehmen hat Menschen dafür bezahlt, Sprachaufzeichnungen ihrer Nutzer anzuhören und abzutippen. Hunderte Auftragnehmer sollen damit beauftragt gewesen sein, berichtet der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf anonyme Informanten. Die externen Mitarbeiter hätten nicht gewusst, woher die Aufnahmen kommen und von wem sie stammen, sondern nur, dass sie verschriftlicht werden sollen.

Facebook hat inzwischen bestätigt, auf diese Weise seine Spracherkennung verbessert zu haben. Vor einer Woche habe man die umstrittene Praxis aber eingestellt, teilt das Unternehmen mit. Betroffen seien Nutzer gewesen, die dem Messenger ihre Nachrichten diktiert hätten. Dazu muss über das Mikrofonsymbol die Transkriptionsfunktion aktiviert werden.

Die Nachricht überrascht kaum noch. Facebook folgt damit dem Vorgehen von Google, Amazon und Apple, die in den vergangenen Wochen einräumen mussten, zur Verbesserung ihrer Spracherkennung bei ihren virtuellen Assistenten auf Menschen zu setzen. Im Fall von Google hatte der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar ein Verfahren eingeleitet, das dem Unternehmen für drei Monate untersagt, die Audiodaten auf diese Weise zu verarbeiten.

Daraufhin versprachen auch die Mitbewerber, vorerst keine Audioaufzeichnungen mehr von Menschen abhören zu lassen. Sie wollen nun nach Wegen suchen, über die man die Nutzer ausdrücklich um Erlaubnis bitten kann. Vorwürfe, Audioaufnahmen abhören zu lassen, wurden auch gegen Microsoft laut: .Dort sollen Menschen helfen, die Übersetzungsfunktion von Skype und die Spracherkennungssoftware Cortana zu verbessern.

Microsoft sieht aber keinen Handlungsbedarf. „Wir bemühen uns bei der Sammlung und Nutzung von Sprachdaten transparent zu sein, damit Kunden informierte Entscheidungen treffen können“, sagt ein Sprecher des Unternehmens Tatsächlich findet sich im Hilfebereich der Skype-Seite der Hinweis, das Microsoft-Angestellte Aufzeichnungen transkribieren könnten, um die Spracherkennung zu verbessern.

Inzwischen ist hinlänglich bekannt: Die Künstliche Intelligenz versteht nicht jeden nuschelnden Nutzer von Anfang an. Versteht die Software etwas nicht, werden die Audiodateien Menschen vorgelegt, die sich die Stelle anhören und dem Algorithmus beibringen, was er hätte verstehen sollen.

Sensible Daten betroffen

Was das konkret bedeuten kann, scheint vielen aber nicht bewusst zu sein. Das zeigt die öffentliche Empörung der letzten Wochen, in denen mehr und mehr Whistleblower erzählen, das beim Abhören der Daten einiges zu hören sei, was die Sender und Empfänger mit Sicherheit lieber unter Verschluss gehalten hätten – etwa sensible Gespräche über Krankheiten, illegale Absprachen und intime Nachrichten. So war auch publik geworden, dass die Sprachassistenten zum Teil unabsichtlich ausgelöst werden und Menschen unbemerkt aufzeichnen, zum Beispiel beim Sex.

Datenschützer und Kritiker werfen den Unternehmen auch vor, nicht nur die Kunden selbst, sondern auch Kinder und etwa Besucher ungefragt aufzuzeichnen. In Deutschland dürfen Audioaufnahmen grundsätzlich nur mit Erlaubnis der Betroffenen aufgezeichnet werden.

Dabei wären auch technische Vorkehrungen denkbar, Menschen vor unbemerkten Aufzeichnungen zu schützen. Der Datenschützer Johannes Caspar hat für die Sprachassistenten, die in vielen Wohnzimmern stehen, etwa eine Zugriffskontrolle per Stimmprofil vorgeschlagen: Nutzer könnten ihren Geräten zunächst beibringen, die eigene Stimme zu erkennen, damit die Geräte anschließend nur auf diese reagieren würden. Wenn eine dritte Person in Mikrofonreichweite ist, müsste diese nicht befürchten, dass ihre Daten auf den Servern der IT-Konzerne landen..

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