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28.06.2019

06:20

Die Persönlichkeiten der Woche

Der Facebook-Chef und der Finanzrevoluzzer

Von: Astrid Dörner

Mark Zuckerberg will mit der eigenen Kryptowährung Libra das Soziale Netzwerk in ein neues Zeitalter führen. Bei der Implementierung setzt er auf einen ehemaligen Paypal-Manager.

Libra soll Facebooks Umsatz steigern - zumindest indirekt. Bloomberg

Facebook-Vizepräsident David Marcus:

Libra soll Facebooks Umsatz steigern - zumindest indirekt.

New York Mark Zuckerberg musste an die Öffentlichkeit, um sich zu erklären. Um die Kritik der vergangenen Monate nicht einfach auf sich sitzen zu lassen. Kurzfristig hatte der Facebook-Chef deshalb einen Auftritt beim „Aspen Ideas Festival“ angekündigt, eine Art Mini-Davos in den Rocky Mountains, bei dem es vor allem um Innovation und Gesellschaft geht. 

Mit der Kryptowährung Libra, die Facebook vergangene Woche vorgestellt hat, ist Zuckerberg der Mann der Stunde. Wenn alles nach Plan läuft, sollen Nutzer im kommenden Jahr Geld in den digitalen Token umtauschen und damit auf Facebook und auch im Einzelhandel bezahlen können. Das soll vor allem all jenen Menschen in Afrika oder Asien helfen, die kein Bankkonto haben.

Aufseher in den USA und Europa schlagen dagegen Alarm. Zuckerberg versucht zu beruhigen und verweist darauf, dass Libra nicht von Facebook allein gesteuert werden wird, sondern von einem Konsortium. „Wir haben dabei geholfen das Projekt auf die Beine zu stellen, aber wir werden nur eine Stimme von vielen sein“, beteuert er. Doch klar ist auch, dass Facebooks Entwickler die nötige Software und sogar eine eigene Computersprache dafür entwickelt haben.

Der 35-Jährige spricht schnell und mit Nachdruck, spult seine Argumentationen routiniert herunter. Schließlich steht das Soziale Netzwerk, zu dem auch Whatsapp und Instagram gehören, schon seit Monaten wegen Datenschutz- und Fake-News-Skandalen mies da. Dass Nutzerdaten bei der ominösen Wahlforschungsfirma Cambridge Analytica landeten, könnte Facebook eine Strafe über fünf Milliarden Dollar von der US-Aufsichtsbehörde FTC bescheren.

Für Zuckerberg geht es um viel mehr: Das Überleben des Konzerns, den er durch eine gute Idee und zwei kluge Übernahmen geschaffen hat. Forderungen von demokratischen Abgeordneten und Senatoren, die Facebook und Facebook und andere große Tech-Konzerne aufspalten wollen, will er abwehren. „Es würde die Probleme nicht lösen“, sagt Zuckerberg.

Mutig und riskant

Das Soziale Netzwerk mit 2,4 Milliarden Nutzern auf der ganzen Welt sei wegen seiner Größe viel besser gerüstet, Probleme wie die Verbreitung von Fake News und schädlichen Inhalten anzugehen.

Dass er die Kryptowährung Libra in diesem öffentlichen Klima startet, ist mutig und riskant. Doch Zuckerberg war noch nie einer, der große Entscheidungen scheut. Er hat Facebook zu einem Milliardenkonzern gemacht und ist damit selbst zu einem der reichsten Menschen der Welt geworden. Seinen Nutzern einen eigenen Bezahldienst anzubieten ist ein wichtiger Schritt, um zu WeChat, der Alleskönner-App von Chinas Tencent aufzuschließen.

Zuckerberg hat die Leitung des Projektes an einen in der Finanzbranche erfahrenen Manager gegeben. Die Einheit, die sich bei Facebook künftig um die Kryptowährung kümmert, heißt Libra und wird vom ehemaligen Paypal-Präsidenten David Marcus geführt. Von dem Bezahldienst wechselte der 46-Jährige 2014 zu Facebook. Zuckerberg hatte ihn bei einem Abendessen überzeugt.

Der gebürtige Franzose, der in der Schweiz aufwuchs, leitete zunächst die Tochter Whatsapp, die jedoch deutlich weniger Werbeumsätze erzielt als die anderen Apps. Nach dem Cambridge-Analytica-Skandal ordnete Zuckerberg jedoch sein Führungsteam neu und beauftragte Marcus damit, auszuarbeiten, wie die Blockchain-Technologie für Facebook nützlich sein könnte.

 Über ein Jahr lang hat Marcus nun abseits der Öffentlichkeit an dem Projekt gearbeitet, das sogar auf dem Facebook-Campus im kalifornischen Menlo Park in einem separaten Gebäude untergebracht und nur für bestimmte Mitarbeiter zugänglich war. Marcus war wie Zuckerberg schon früh an der ersten und größten Kryptowährung Bitcoin interessiert.

Anders als sein Chef, der am liebsten in Jeans und grau-braunen T-Shirts auftritt, bleibt Marcus dem Business-Look treu. Bei der Libra-Präsentation vergangene Woche trug er einen blauen Anzug mit Einstecktuch, und ist damit einer der wenigen Anzugträger im Unternehmen.

Um Kritik von Politikern und Aufsehern vorzubeugen hat Facebook den Bezahldienst in eine separate Einheit ausgegliedert und angekündigt, die Finanzinformationen nicht dazu zu verwenden, um den Nutzern noch passgenauere Werbung zu zeigen. Facebooks Umsatz soll Libra freilich schon steigern, sagt Marcus. Durch Libra würden kleine Unternehmen mehr verkaufen „und sie werden mehr Anzeigen auf der Plattform schalten, daher wird es gut für unser Werbegeschäft sein.“

Mehr: Regulierer und Politiker sehen Facebooks neue Währung Libra kritisch - sie fürchten, dass das neue Zahlungsmittel Schlupflöcher in der Finanzregulierung nutzt.

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