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26.08.2019

18:00

Diversity

So will SAP die Vielfalt in der Gründerszene fördern

Von: Christof Kerkmann

Weiß und männlich: So sehen viele Start-ups aus. SAP fördert nun Gründerteams mit Frauen und Minderheiten – dem eigenen Geschäft dürfte es dienen.

Die Gründerin von Augmania kämpft gegen die Vorurteile im Silicon Valley.  SAP

Rania Reda

Die Gründerin von Augmania kämpft gegen die Vorurteile im Silicon Valley.

Düsseldorf Rania Reda hat bereits mehrere Start-ups gegründet, groß gemacht und verkauft. Derzeit baut sie mit Augmania eine Plattform auf, die die Erstellung von Inhalten für Augmented Reality deutlich erleichtern soll.

Trotz ihrer Erfahrung tut sich die 46-jährige Gründerin schwer, im Silicon Valley von den namhaften Risikokapitalgebern eine Finanzierungsrunde zu bekommen – und das, so ist sie überzeugt, liegt weder an ihrer Geschäftsidee noch an ihrer Präsentation.

„Es ist offensichtlich, dass die ganze Atmosphäre zu Vorurteilen führt“, sagt sie. Wer weiß, männlich, Absolvent der Universität Stanford und am besten noch Ex-Mitarbeiter von Google ist, der kommt in der Technologiebranche leicht an Geld: In der Venture-Capital-Szene finden sich viele mit solchen Lebensläufen. Reda passt nicht ins Schema: Sie kam in Ägypten zur Welt, ist Frau und Muslima.

Diesem Ungleichgewicht will SAP etwas entgegensetzen. Der Softwarehersteller achtet bei der Förderung von Start-ups seit Kurzem auf die Diversität. „Es gibt in der Start-up-Welt ein unglaubliches Ungleichgewicht zwischen denen, die Geld und Unterstützung erhalten, und denen, die das nicht bekommen“, sagt Ram Jambunathan, Geschäftsführer der Organisation SAP.iO.

Im Frühjahr startete er in Berlin das erste Programm, das gezielt Unternehmen mit Frauen und Minderheiten an der Spitze fördert. Auch Rania Reda und Augmania.

Wenig Frauen in IT-Firmen

Männlich und weiß – so lässt sich die Belegschaft in vielen Technologiefirmen charakterisieren. In Deutschland liegt der Frauenanteil in IT-Firmen bei knapp einem Fünftel. In Start-ups ist die Lage nicht viel anders – ob in San Francisco oder in Berlin. Das wirkt sich auch auf die Finanzierung aus: Unternehmen mit Frauen an der Spitze erhielten im Silicon Valley 2018 nur zwei Prozent des Risikokapitals, in Europa waren es sieben Prozent.

Dabei bietet Diversität handfeste Vorteile, wie SAP betont. „Wir glauben, dass wir unsere Umsätze steigern können, wenn wir den Anteil weiblicher Führungskräfte erhöhen, da wir dadurch in der Lage sind, den Bedürfnissen unserer vielfältigen Kunden besser gerecht zu werden“, heißt es etwa im Geschäftsbericht. „Die vielen verschiedenen Stimmen bei SAP sind eine unserer größten Stärken“, lautet daher ein Credo im Dax-Konzern.

SAP tut einiges, um für mehr Vielfalt zu sorgen. Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen, egal, woher sie kommen und welche sexuelle Orientierung sie haben. Daher gibt es diverse Gruppen und Netzwerke im Konzern und auch Programme, um Frauen zu fördern. Der Anteil weiblicher Führungskräfte soll bis Ende 2022 auf 30 Prozent steigen – Ende 2018 lag sie bei rund 26 Prozent.

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Mit SAP.iO fördert der IT-Konzern Gründerteams, die geschäftliche Software entwickeln. Das Ziel sei es, um die wichtigen Produkte herum Ökosysteme zu erschaffen, sagt Geschäftsführer Jambunathan. Ein Beispiel ist die Plattform Hardskills. Sie bietet Weiterbildungen an und lässt sich in die Personallösung Success Factors integrieren. Der Konzern kann die innovative Idee vermarkten, während das Start-up neue Kunden erreichen kann.

Auch hier achtet SAP nun darauf, möglichst viele Gruppen zu repräsentieren. Es gehe darum, den Unternehmern eine Chance zu bieten – und den Kunden Zugriff auf deren innovative Ideen, sagt Jambunathan. Davon hat auch der Konzern etwas: Diverse Teams, so die Überzeugung, bilden die Vielfalt in der Geschäftswelt besser ab.

Rania Reda entwickelt mit Augmania eine Software, mit der Nutzer Inhalte für Augmented Reality einfach zusammenklicken können. „Man braucht nicht viel technisches Wissen“, versichert sie – bislang ist das eine Hürde für den Einsatz der Technologie. Das bewährt sich bereits in der Praxis: Coca-Cola nutzte die Lösung für Marketing in einem Einkaufszentrum, der Weather Channel wiederum illustrierte damit die Gefahren durch einen Hurrikan.

Mentoren, Investoren und Kunden kennengelernt

Bei SAP.iO nahm sie an einem Accelerator-Programm teil: Sie erhielt über mehrere Monate Zugang zu Mentoren und Kunden. Im Gegenzug entwickelte sie mit ihrem Team eine Integration in die Lösung C/4 Hana, mit denen Unternehmen die „Customer Experience“ abwickeln, also alle Interaktionen mit Kunden. SAP-Nutzer können mit wenigen Klicks auf die Lösung zugreifen.

Es sei eine „sehr gute Erfahrung“ gewesen, bilanziert Reda am Ende des Programms. Über SAP habe sie viele Mentoren, Investoren und Kunden kennen gelernt und dazu viele Verkaufschancen erhalten. Der Autohersteller Daimler zählt bereits zu ihren Kunden, weitere Deals seien gerade in der Abschlussphase.

Auch bei der Finanzierung von Start-ups will SAP stärker auf Vielfalt achten. Der SAP.iO-Fund soll mindestens 40 Prozent des Kapitals in Unternehmen investieren, in deren Führung Minderheiten repräsentiert sind – Frauen natürlich, aber darüber hinaus beispielsweise auch Menschen mit Migrationshintergrund. Bis 2023 sollen davon weltweit mehr als 200 Gründerteams profitieren.

Bislang kam Reda ohne viel Fremdkapital aus: Nach einer frühen Finanzierung begann das Start-up bereits, die Software zu verkaufen. „Daher konnten wir uns selbst finanzieren“, sagt die Gründerin. Nach dem Start in den USA baue Augmania nun den Vertrieb in Europa aus – und bemühe sich um eine Finanzierungsrunde, um diesen Schritt zu bezahlen. Jetzt muss die gebürtige Ägypterin nur noch den richtigen Geldgeber finden.

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