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28.11.2019

16:31

Gemeinsames Schreiben

41 Preisvergleichsportale beschweren sich bei der EU über Google

Von: Larissa Holzki, Christof Kerkmann

41 Preisvergleichsdienste werfen dem Internetriesen wettbewerbsschädigendes Verhalten vor. Sie drängen auf eine erneute Prüfung einer EU-Kartellentscheidung.

Bekommt es Google wieder mit ihr zu tun? 41 Preisvergleichsdienste haben sich bei EU-Kommissarin Vestager über Google beschwert. Polaris/laif

EU-Kommissarin Vestager

Bekommt es Google wieder mit ihr zu tun? 41 Preisvergleichsdienste haben sich bei EU-Kommissarin Vestager über Google beschwert.

Düsseldorf Im Briefkopf stehen die bunten Logos in mehreren Reihen: 41 Anbieter von Preisvergleichsdiensten haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an die Europäische Kommission über Google beschwert. Sie seien in ihrer Existenz gefährdet, weil sich der Internetanbieter nicht an die Gesetze und Gerichtsentscheidungen halte, heißt es in der Veröffentlichung vom Donnerstag.

„Der anhaltende Missbrauch von Marktmacht durch Google schadet den Verbrauchern und bedroht Hunderte von Unternehmen in der gesamten EU“, erklären die Firmen, zu denen Geizhals, Idealo.de und Möbel24 zählen. Insbesondere halte sich die Gesellschaft des Alphabet-Konzerns nicht an die Kartellentscheidung der EU vom Juni 2017.

Die Kommission hatte damals geurteilt, dass Google seinen eigenen Vergleichsdienst „Google Shopping“ auf unzulässige Weise bevorzuge. Die Behörde verhängte ein Bußgeld von 2,4 Milliarden Euro gegen den Suchmaschinenbetreiber und forderte ihn auf, die Praxis zu beenden. Nach Meinung der Wettbewerber ist das nicht eingetreten – sie drängen auf eine erneute Prüfung.

Google bewertet die Situation anders: Die Maßnahmen zeigten positive Resultate, erklärte der Konzern auf Handelsblatt-Anfrage. 600 Preisvergleichsdienste seien an dem Verfahren beteiligt, mehr als 28.000 Händler in Europa platzierten über sie Werbung bei Google – das führe zu „mehr Auswahl für Händler und Verbraucher“.

Ein Block von Anzeigen

In der Vergangenheit zeigte Google die Ergebnisse der eigenen Produktsuche „Google Shopping“ über allen anderen Suchergebnissen – ein massiver Block von Werbung. Die EU-Kommission verpflichtete den Konzern, Konkurrenten den Zutritt zu ermöglichen. Der öffnete daraufhin die Box mit den Anzeigen für andere Unternehmen, die nun Plätze ersteigern können.

Die Produkt- und Preisvergleichsdienste werfen Google jedoch vor, dass sie dadurch noch mehr an Sichtbarkeit verlieren. Die Argumentation: Nur wenige Nutzer kämen über diese Boxen mit Produktnamen, Beschreibungen, Bildern, Preisen und Bewertungen hinaus. Zudem sei nicht ersichtlich, nach welchen Kriterien diese Anzeigen ausgewählt sind.

„Niemand klickt mehr durch zu den Webseiten der anderen Preisvergleiche, die sind gar nicht mehr nötig“, sagt der Kartellrechtsexperte Thomas Höppner von der Kanzlei Hausfeld. Er hat das Schreiben an Kommissarin Margrethe Vestager mitkoordiniert und eingereicht. Das sei für Verbraucher schädlich, argumentiert der Jurist: „Die Boxen zeigen nicht die günstigsten Produkte, sondern Artikel von Herstellern mit hohen Werbebudgets.“

Weil Google immer besser verstehe, was die Nutzer genau suchen, verstärke sich das Problem zunehmend, erklärt Höppner: „Je feiner Googles Algorithmen werden und je passendere Ergebnisboxen die Suche liefert, desto stärker ersetzen sie Preisvergleichsseiten.“ Auf Mobilgeräten kommt hinzu, dass die Ergebnisse einen großen Teil des sichtbaren Bereichs einnehmen.

Um den Vorschriften der Kommission nachzukommen, zeigt Google in der Ergebnisbox auch vereinzelt Links zu anderen Preisvergleichsportalen. Doch aus den angeführten Gründen hat das kaum Effekte: „Weniger als fünf Prozent aller Nutzer der Boxen landen am Ende auf einer Seite eines Wettbewerbers“, heißt es in dem Brief. Die Unterzeichner hoffen, dass die Kommission erneut einschreitet und einen Verstoß gegen Wettbewerbsvorschriften anerkennt und die Vorschriften verschärft.

Allerdings hat sich die EU-Kommission im März verhalten positiv zu den Maßnahmen von Google geäußert: Die Konkurrenten seien in den Ergebnissen deutlich präsenter und erhielten mehr Klicks, sagte Vestager. Zudem habe der Konzern eine Funktion angekündigt, mit der Nutzer besser einstellen könnten, welche Ergebnisse sie zu sehen bekommen. „All das sind positive Entwicklungen“ – man werde das Thema aber im Blick behalten.

Das letzte Wort ist nicht gesprochen. In einem Interview mit dem Fachportal Mlex sagte die Politikerin, dass die Wiederherstellung des Wettbewerbs viel Arbeit sei – das ergebe sich „aus der Tatsache, dass sich diese Märkte stark von dem unterscheiden, was wir vorher wussten“.

Mehr: Die EU-Digital- und Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager will nach ihrem Amtsantritt rasch neue Regeln zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz vorlegen.

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