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17.06.2019

18:59

Kapitalerhöhung

Infineon besorgt sich 1,5 Milliarden Euro für Rekordübernahme

Von: Joachim Hofer

Mit einer Kapitalerhöhung verschafft sich der Halbleiterhersteller die Mittel für eine große Übernahme. Die Aktie steht seit Monaten unter Druck.

Der Chiphersteller will sich einen Teil der benötigten Milliarden für die Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor durch eine Kapitalerhöhung besorgen. Bloomberg

Halbleiterproduktion bei Infineon

Der Chiphersteller will sich einen Teil der benötigten Milliarden für die Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor durch eine Kapitalerhöhung besorgen.

MünchenInfineon will sich per Kapitalerhöhung rund 1,5 Milliarden Euro bei Investoren besorgen. Das teilte Deutschlands größter Halbleiterhersteller am Montagabend mit. Die neuen Aktien würden unter Ausschluss der Bezugsrechte der Altaktionäre verkauft, so der im Dax notierte Konzern. Die Papiere sollten ausschließlich institutionellen Anlegern angeboten werden, und zwar außerhalb des regulären Börsenhandels.

Vorstandschef Reinhard Ploss braucht das Geld, um die größte Akquisition der Firmengeschichte zu finanzieren: Für neun Milliarden Euro will der Manager bis spätestens Anfang 2020 den US-Chiphersteller Cypress übernehmen. Das hatte Ploss Anfang Juni verkündet. Der Dax-Konzern werde dadurch größer und profitabler und zudem schneller wachsen.

Die Anleger überzeugte der Konzernchef damals nicht. Der Aktienkurs stürzte gleich nach der Ankündigung um rund neun Prozent auf 14,60 Euro, den niedrigsten Wert seit Ende 2016. Obwohl sich Ploss seither mit zahlreichen Investoren getroffen hat, um den Deal zu erläutern: Die Papiere haben sich seither nicht erholt, im Gegenteil.

Mit 14,36 Euro notierten sie am Montag sogar noch etwas niedriger. In den vergangenen vier Wochen hat das Münchener Unternehmen knapp ein Fünftel an Wert verloren, binnen Jahresfrist beträgt das Minus sogar mehr als 40 Prozent.

Ploss hatte schon Anfang Juni erklärt, dass er sich frisches Geld von bis zu 2,7 Milliarden Euro besorgen will. Eine weitere Kapitalerhöhung dürfte also folgen. Zudem wird Infineon Kredite aufnehmen, um die Transaktion zu stemmen.

Die Investoren schockierte, dass Infineon einen Aufschlag von knapp der Hälfte auf den durchschnittlichen Cypress-Aktienkurs vor Ankündigung des Kaufs zahlen will. Die Prämie sei nicht außergewöhnlich, aber durchaus hoch, sagten an der Übernahme beteiligte Kreise. Ploss selbst sprach von einem „stolzen Preis“. Infineon setzte sich in einem fünfwöchigen Bieterwettbewerb durch.

Analysten warnen vor Risiken

Mit dem Kauf von Cypress will Infineon zum führenden Hersteller von Autochips aufsteigen. Die Halbleiter gelten wegen des Wandels hin zum autonomen und elektrischen Fahren als eines der wachstumsstärksten Felder der Industrie. Insgesamt werde das Unternehmen durch die Akquisition zur Nummer acht der Chiphersteller weltweit.

Der geplante Zukauf erscheine auf den ersten Blick sinnvoll und gewinnsteigernd, schrieb Barclays-Analyst Andrew Gardiner vergangene Woche. Dennoch hat der Banker das Kursziel für Infineon wegen der geplanten Übernahme von 17,00 auf 15,50 Euro gesenkt und die Einstufung auf „untergewichten“ belassen. Die mit dem Deal einhergehenden Risiken sowie die hohe Bewertung von Cypress ließen kein besseres Anlagevotum zu.

Noch ist der Deal nicht genehmigt. Ploss zeigte sich allerdings zuletzt zuversichtlich, den Segen der amerikanischen Behörden zu bekommen. Vor drei Jahren wurde Infineon ein Zukauf in den USA mit Verweis auf die nationale Sicherheit verwehrt.

Infineon wollte sich nicht dazu äußern, was mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung geschehen soll, falls die Akquisition noch scheitert. Eine Option, so hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens, sei dann ein Aktienrückkauf. Damit könnte der Konzern den Anteilseignern das Geld wieder zurückgeben.

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