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10.01.2018

11:34 Uhr

Kinder und digitale Medien

Der ewige Kampf ums Smartphone

VonChristof Kerkmann

Muss Apple mehr für den Jugendschutz tun? Was derzeit Investoren des iPhone-Herstellers fordern, würden viele Eltern unterschreiben. Doch so wichtig Technik dabei ist – sie reicht nicht aus. Einige unbequeme Einsichten.

Das Smartphone ist für Kinder und Jugendliche nicht mehr wegzudenken. picture alliance / Phanie

Wie viel Smartphone braucht das Kind?

Das Smartphone ist für Kinder und Jugendliche nicht mehr wegzudenken.

DüsseldorfVor dem Frühstück, auf dem Weg zur Schule, zwischendurch im Unterricht, und in der Freizeit sowieso: Viele Jugendliche haben das Smartphone permanent in der Hand. Eine große Mehrheit von 68 Prozent ist laut der renommierten JIM-Studie der Ansicht, dass sich der Freundeskreis ohne Handy gar nicht mehr organisieren ließe, immerhin 19 Prozent befürchten, etwas zu verpassen, wenn sie das Gerät einmal ausschalten. Vermutlich ist eine WLAN-Sperre heute eine schlimmere Strafe als ein Hausarrest.

Die Zahlen zeigen: Das Smartphone ist für Kinder und Jugendliche nicht mehr wegzudenken. Die exzessive Nutzung, die viele an den Tag legen, besorgt viele Eltern, auch Jugendschützer und Suchtexperten warnen. So zeigt die Blikk-Medien-Studie, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung in Auftrag gegeben hat, dass ein übermäßiger Medienkonsum, etwa auf dem mobilen Gerät, der Gesundheit schaden kann. Nun regt sich Kritik von unerwarteter Seite: Zwei Großaktionäre von Apple fordern den iPhone-Hersteller auf, sich stärker im Bereich Kinder- und Jugendschutz zu engagieren.

Der wertvollste börsennotierte Konzern der Welt, dessen wichtigstes Produkt mehrere Märkte revolutioniert hat, soll das Thema Smartphone-Sucht stärker untersuchen und außerdem eine Software entwickeln, mit denen Eltern die Nutzung der Geräte beschränken können. Die beiden Investoren machen sich nach eigenen Angaben Sorgen um den Aktienkurs, der bei einem Imageverlust sinken könnte.

Die beiden Unternehmen sprechen ein Thema an, das viele Menschen umtreibt. Allerdings haben Eltern schon jetzt Möglichkeiten, die Internetnutzung von Kindern einzuschränken. So bieten viele Smartphones – auch die von Apple – Schutzfunktionen, während es für PCs einige Internetfilter gibt. Eltern müssen sich damit aber beschäftigen, mahnt die Organisation Jugenschutz.net. Zudem mahnt sie, die Kinder „von Anfang an beim Umgang mit Medien zu begleiten und ihnen je nach Alter Hilfestellung und Schutz, aber auch entsprechende Freiheiten zu bieten“. Der ewige Kampf ums Smartphone bleibt Mamas und Papas nicht erspart.

Tipps für Eltern

Sichere Websites für Kinder

Das Portal www.klick-tipps.net ist ein Angebot der Initiative Jugenschutz.net. Die Mitarbeiter stellen kindgerechte Inhalte zusammen.

Bewertungen von Apps

Die Initiative Jugendschutz.net bewertet auf der Seite www.app-geprüft.net Apps für iOS und Android, die Kinder gefallen könnten. Kriterien sind Kinderschutz, Werbung, In-App-Käufe, Datenschutz und Verbraucherinfos.

Sicherheitseinstellungen fürs Smartphone

Wie lassen sich Smartphones und Tablets absichern? Auf der Seite http://www.surfen-ohne-risiko.net/mobil/ gibt es Anleitungen, die Eltern Schritt für Schritt helfen. Android-Entwickler Google stellt selbst Informationen zusammen, ebenso iPhone-Hersteller Apple.

Medienratgeber für Familien

Eine Initiative des Familienministeriums, an dem ARD und ZDF beteiligt sind, will Eltern helfen. Unter www.schau-hin.info finden sich aktuelle Informationen wie auch zeitlose Tipps zum Umgang mit digitalen Medien.

Meldung von Verstößen

Wer im Internet Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen feststellt, kann diese bei der Initiative Jugendschutz.net unter https://www.jugendschutz.net/hotline/ melden. Das Team bewertet die Inhalte und bemüht sich gegebenenfalls um eine Löschung.

Apple kommentierte den Vorstoß der beiden Investoren nicht. Der iPhone-Hersteller erklärte in einer Stellungnahme aber, „intuitive Kontrollmöglichkeiten direkt ins Betriebssystem“ einzubauen, und zwar bereits seit 2008. Über die Kindersicherung ist es beispielsweise möglich, die Installation von Apps einzuschränken und einen Filter für Webseiten einzurichten. Weitere Funktionen seien „für die Zukunft“ geplant, kündigt der Konzern an, ohne Details zu nennen.

Tatsächlich gibt es Möglichkeiten, die Nutzung von Smartphones und PCs zu begrenzen. Derartige Technik sei wichtig, betonen die Experten der Organisation Jugendschutz.net: „Der Ansatz, Schutzoptionen bereits im Betriebssystem zu integrieren, stellt für Eltern das niedrigschwelligste Angebot dar“, heißt es auf Anfrage des Handelsblatts. Apple steht im Vergleich übrigens nicht schlecht dar. Der iPhone-Hersteller biete derzeit einen umfassenderen Schutz als die Google-Software Android, erklärt die Initiative der Landesmedienanstalten. (Tipps zu den Sicherheitseinstellungen von Smartphones gibt es hier.)

Am iPhone-Betriebssystem iOS lassen sich die Möglichkeiten und Beschränkungen beschreiben. Es ermöglicht beispielsweise, bestimmte Apps zu blockieren, ebenso Käufe im App Store. Der Browser Safari kann Inhalte im Internet filtern. Zudem lassen sich Ortungsdienste ausschalten. Kurz gesagt: Kinder und Jugendliche können nicht einfach Programme installieren, Geld ausgeben und ihren Standort preisgeben.

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Doch die Technik stößt immer wieder an Grenzen. Denn Inhalte, die über Dienste wie Instagram, Snapchat oder Facebook verbreitet werden, lassen sich nicht filtern. Auf diesem Wege gelangen schnell Pornografie oder Gewalt aufs Smartphone eines Schülers. Trotzdem scheuen sich viele Eltern, ein Programm zu sperren: Whatsapp beispielsweise ist de facto der Standard für die Kommunikation geworden, laut JIM-Studie nutzen mehr als 90 Prozent der Jugendlichen den Dienst der Facebook-Tochter mehrmals wöchentlich.

Auch Jugendschutzfilter für Inhalte im Internet (hier eine Übersicht bei der Initiative Klicksafe) haben Schwächen. Sex und Pornografie identifizieren und blockieren sie zwar inzwischen mit hoher Zuverlässigkeit. Wenn es um Gewalt und Hass, Diskriminierung und Selbstgefährdung geht, sind die Quoten jedoch schlechter. „Hier besteht Verbesserungsbedarf“, kommentiert Jugendschutz.net.

Die Initiative rät daher, Kinder beim Umgang mit Medien zu begleiten „und ihnen je nach Alter Hilfestellung und Schutz, aber auch entsprechende Freiheiten zu bieten“. Die digitale Welt mag Risiken bergen, sie bietet aber auch große Möglichkeiten. Die Initiative empfiehlt Eltern, mit den Kindern Medien gemeinsam zu nutzen. „So können sie sie anleiten, auf Fragen eingehen, ihnen mit zunehmendem Alter unterschiedliche Funktionen erklären und Sicherheitsregeln vermitteln.“

Wichtig ist, mit dem Nachwuchs im Gespräch zu bleiben, auch bei heiklen Themen: Entscheidend sei, dass sich das Kind bei Problemen „jederzeit an die Eltern wenden kann, ohne Sanktionen fürchten zu müssen“. Das gilt für versehentliche Käufe genauso wie für verunsichernde Inhalte im Netz. Viel können Erwachsene über ihr eigenes Verhalten vermitteln: „Wenn Mutter oder Vater ständig auf ihr Smartphone schauen, ist es für Kinder schwer nachvollziehbar, warum sie das nicht auch dürfen.“

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