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14.06.2019

09:50

Mobilfunk

Die 5G-Frequenzen sind verteilt – was jetzt auf Verbraucher zukommt

Von: Christof Kerkmann, Stephan Scheuer

Nach dem Ende der Versteigerung starten die Telekomkonzerne den 5G-Ausbau. Was der neue Standard den Nutzern bringt – und wie die Tarife aussehen könnten.

Bisher gibt es nur wenige Geräte für den neuen Mobilfunkstandard. Bloomberg

5G-Smartphones von LG

Bisher gibt es nur wenige Geräte für den neuen Mobilfunkstandard.

DüsseldorfNach mehr als zwölf Wochen ist die Versteigerung der 5G-Frequenzen in Deutschland abgeschlossen. Bald wollen die Netzbetreiber erste Tarife für ihre Kunden anbieten. Was Verbraucher erwarten können und was sich überhaupt verändert, fassen die folgenden Fragen und Antworten zusammen.

Was ist überhaupt 5G?

Die Abkürzung steht für die fünfte Mobilfunkgeneration. Ähnlich wie bei der Einführung der Vorgängertechnologie LTE ab dem Jahr 2010 verspricht sie eine deutlich höhere Leistung – die Geschwindigkeit ist höher, es kommt nur zu geringen Verzögerungen bei der Datenübertragung, und der Stromverbrauch fällt niedriger aus.

Die Netzbetreiber können das Netzwerk zudem mit dem sogenannten Network Slicing in unterschiedliche Bereiche aufteilen. Dabei werden mehrere virtuelle Netzwerke parallel aufgebaut, die aber dieselbe Infrastruktur nutzen. So können die Betreiber einem Unternehmen eine zuverlässige Verbindung oder eine hohe Datenübertragung garantieren. Das ermöglicht neue Geschäftsmodelle.

5G ist daher für die Wirtschaft von großer Bedeutung. Mehrere Unternehmen wollen damit beispielsweise ihre Fabriken vernetzen, in den Plänen der Autohersteller fürs vernetzte und autonome Fahren spielt die neue Technologie eine wichtige Rolle, auch neue Anwendungen in der Telemedizin sind denkbar.

Was haben Verbraucher davon?

Die neueste Netflix-Serie gucken, „Pokémon Go“ spielen oder Fotos per WhatsApp an die Familie schicken: Die Datenmengen, die Smartphone-Nutzer benötigen, wachsen von Jahr zu Jahr – ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. 5G soll künftig dafür sorgen, dass die Übertragung praktisch ohne Wartezeiten gelingt.

Ein Beispiel: Ein Kinofilm in hoher Auflösung könnte künftig innerhalb weniger Sekunden auf dem Smartphone abspielbereit sein. Zumindest wenn das Netzwerk ansatzweise die maximale Geschwindigkeit von zehn Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) erreicht – die Nutzer teilen sich ja die Kapazität einer Sendestation. Allerdings dürfte das Anschauen eines hochauflösenden Kinofilms schon heute bei gutem 4G-Empfang möglich sein.

Grafik

Dank der niedrigen Latenz, die auf eine Millisekunde sinken könnte, werden auch neue Anwendungen möglich. Spiele etwa, bei denen die Reaktionsgeschwindigkeit wichtig ist, sind dann auch unterwegs möglich. Auch die Liveübertragung von Virtual-Reality-Filmen ist denkbar, sobald es erste Spezialbrillen mit Mobilfunkanbindung gibt.

Wie könnten 5G-Tarife aussehen?

Der Echtzeitmobilfunk bietet Netzbetreibern deutlich mehr Kapazitäten. Im Umkehrschluss können auch Verbraucher auf mehr Bandbreite hoffen. In Österreich bietet die lokale Tochter der Deutschen Telekom bereits „5G Ready“-Tarife an. Sie beruhen zwar noch auf dem heutigen 4G-Standard, haben jedoch keine Volumenbegrenzung.

Die Telekom kündigte an, sie wolle damit einen Vorgeschmack auf das 5G-Zeitalter geben, in dem Verbraucher nicht mehr auf ihren Datenverbrauch achten müssen, sondern immer mobil im Netz unterwegs sind – egal ob sie einen Film schauen oder nur ihre E-Mails abrufen.

Wann steht die Technologie zur Verfügung?

Bis Nutzer den Mobilfunkturbo zünden können, dürfte noch einige Zeit vergehen. So brauchen sie dafür ein Smartphone mit 5G-Verbindung. Erste Modelle sollen bald auf den Markt kommen, beispielsweise das S10 5G von Samsung, groß ist die Auswahl aber noch nicht. Apple will Medienberichten zufolge mit der Einführung bis 2020 warten.

Zudem müssen die Mobilfunkanbieter erst ihre Netze für 5G aufrüsten und neue Standorte errichten – ihnen steht daher in den nächsten Monaten viel Arbeit bevor. Wann sie erste Tarife für die neue Technologie vermarkten werden, teilen sie derzeit nicht mit. Experten rechnen damit aber nicht vor 2020.

Wann die Technologie in großen Teilen des Landes zur Verfügung stehen wird, lässt sich derzeit noch nicht genau sagen. Ein konkretes Ziel nennt immerhin die Deutsche Telekom: Der Dax-Konzern will bis zum Jahr 2025 mindestens 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche versorgen.

Warum profitieren womöglich alle?

Der United-Internet-Konzern will mit seiner Marke 1&1 Drillisch ein eigenes Mobilfunknetz aufbauen. Damit entstehe „hoffentlich mehr Wettbewerb mit positiven Auswirkungen für Verbraucher und ihren Geldbeutel“, erklärte Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Davon haben alle etwas.

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