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09.10.2019

17:40

Netzbetreiber

Whatsapp, Skype und Facetime setzen die Telekomkonzerne unter Druck

Deutsche telefonieren erstmals lieber über digitale Dienste als übers Festnetz. Betreiber wie Vodafone reduzieren Kosten, indem sie Shops streichen.

Konzernchef Nick Read gab die Schließung von mehr als 1000 der rund 7700 Geschäfte in Europa über die nächsten zwei Jahre bekannt. Reuters

Vodafone-Filiale in London

Konzernchef Nick Read gab die Schließung von mehr als 1000 der rund 7700 Geschäfte in Europa über die nächsten zwei Jahre bekannt.

Düsseldorf Digitale Dienste wie Whatsapp, Skype oder Facetime setzen die klassischen Telekommunikationskonzerne in Deutschland unter Druck. In diesem Jahr werden in der Bundesrepublik laut einer Studie erstmals mehr Gesprächsminuten über die Programme abgewickelt als über das Festnetz.

In einer Studie des Branchenverbandes VATM wurde das Aufkommen von Whatsapp und den anderen Diensten auf 265 Millionen Minuten täglich geschätzt im Gegensatz zu 263 Millionen Minuten im Festnetz.

„Seit Jahren wird immer weniger über das Festnetz telefoniert“, sagte Studienautor Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Hingegen habe sich das Aufkommen der Gesprächsminuten über Whatsapp und Co. auf dem Niveau des Vorjahres stabilisiert. Für den Mobilfunk wies Gerpott einen Anstieg von 330 Millionen Minuten im Vorjahr auf 345 Millionen Minuten im Jahr 2019 aus.

Die Entwicklung unterstreicht die Schwierigkeit der Telekommunikationsbranche, langfristige Geschäftsmodelle zu entwickeln und zu halten. Dienste wie WhatsApp bauen zwar auf der Infrastruktur auf, werden jedoch nicht über einen der Betreiber Deutsche Telekom, Vodafone oder Telefónica abgerechnet. Branchenexperten sprechen daher von Over-the-Top-Diensten, kurz OTT.

Für die Netzbetreiber wiederholt sich beim Telefonieren ein Problem, das sie bereits bei SMS erlebt haben. Generierten Kurznachrichten anfangs lukrative Mehreinnahmen für die Netzbetreiber, ist dieses Geschäft heute nur noch ein Nischenprodukt. Die meisten Kunden weichen für Textnachrichten auf WhatsApp, iMessage oder verschlüsselte Messenger wie Signal oder Threema aus.

Gleichzeitig sind die Netzbetreiber gezwungen, viel Geld in die Modernisierung ihrer Infrastruktur zu investieren. Mit 9,4 Milliarden Euro investieren die Betreiber in diesem Jahr in Deutschland laut VATM-Studie so viel wie seit 18 Jahren nicht mehr. Von dem Betrag entfällt mit 4,6 Milliarden Euro rund die Hälfte allein auf die Deutsche Telekom. Zudem gaben die Betreiber in diesem Jahr 6,5 Milliarden Euro für die Frequenzen für den 5G-Mobilfunkstandard in Deutschland aus.

Vodafone schließt 1000 Shops

Die Netzbetreiber reagieren auf den Druck und den Trend zu Onlinediensten unter anderem mit einer Verlagerung ihrer Vertriebsstrukturen. Nachdem die Telekom den Abbau einiger ihrer Shops sowie die Streichung von rund jeder vierten Stelle angekündigt hatte, zog Vodafone nach. Vodafone-CEO Nick Read gab die Schließung von mehr als 1000 der rund 7700 Geschäfte in Europa über die nächsten zwei Jahre bekannt.

Vodafone hatte unter anderem in Deutschland den Konkurrenten Unitymedia übernommen. Daher war seit Monaten über die Schließung von Shops spekuliert worden. Ein Vodafone-Sprecher sagte: „Wo wir Shops in Doppellagen vereinheitlichen, werden wir unser Personal im weiter bestehenden Geschäft zusammenführen. Die Maßnahme hat damit keinerlei Jobauswirkungen auf die in unseren Shops beschäftigten Mitarbeiter – weder auf die von Vodafone noch die von Unitymedia.“

Allerdings betreiben Vodafone und Unitymedia nur einen kleinen Teil ihrer Shops selbst. Bei Vodafone beläuft sich die Zahl der eigenen Geschäfte auf 170, bei Unitymedia auf 14. Dem stehen laut Unternehmen jedoch bei Vodafone 1200 Niederlassungen von Partneragenturen gegenüber.

Bei der Marke Unitymedia beläuft sich die Zahl der Shops von Partnern auf 150. Es ist unklar, wie sie vom geplanten Umbau betroffen sein werden. Geschäftsführung und Betriebsräte verhandeln in den nächsten Tagen, wie die Zusammenlegung von Vodafone und Unitymedia gestaltet wird.

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