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25.04.2019

06:56

Facebook rechnet nach Datenskandal mit Milliardenstrafe  Reuters

Facebook

Die Nutzerbasis von Facebook wächst zwar nach wie vor. Im vergangenen Quartal gewann die Plattform acht Prozent neue Fans hinzu.

Online-Netzwerk

Facebook bereitet sich auf Milliardenstrafe vor – Gewinn bricht ein

Von: Britta Weddeling

Facebook droht nach dem Datenskandal eine Rekordstrafe der US-Wettbewerbsbehörde. Das schmälert den Gewinn des sozialen Netzwerks deutlich.

Menlo Park Der Datenskandal um Cambridge Analytica könnte Facebook im Nachhinein teuer zu stehen kommen. Das soziale Netzwerk rechnet damit, zwischen drei und fünf Milliarden Dollar Bußgeld an die Federal Trade Commission (FTC) zahlen zu müssen.

Die Verhandlungen mit der US-Wettbewerbsbehörde liefen zwar noch, erklärte Facebooks Finanzchef Dave Wehner im an die Veröffentlichung der Quartalszahlen anschließenden Analysten-Gespräch. Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, peilt die FTC aber die Summe von fünf Milliarden Dollar an.

Mit dem Milliardenbußgeld würde die FTC die größte Datenschutzstrafe ihrer Geschichte verhängen. Im Fall Facebook untersucht die Behörde den Skandal um die britische Datenfirma, die illegal auf Daten von Millionen Facebook-Nutzern zugriff. Der Vorfall wurde im März 2018 bekannt. Die Behörde ermittelt, ob Facebook gegen Vorgaben von 2011 verstieß, in denen es sich verpflichtete, nur persönliche Daten zu sammeln und mit Dritten zu teilen, wenn es die Einwilligung erhalten dazu habe.

Die einbehaltene Strafsumme schmälert Facebooks ansonsten starkes Konzern-Ergebnis. In den ersten drei Monaten des Jahres stieg der Umsatz um 26 Prozent auf 15,1 Milliarden Dollar. Die Gewinnsumme reduzierte sich auf 2,43 Milliarden Dollar.

Die Milliardenstrafe dürfte das ohnehin angekratzte Image von Facebook in der Öffentlichkeit darüber hinaus weiter schädigen – und das Anzeigengeschäft gefährden. „Jede Art von Einigung mit der FTC“ könnte ändern, wie Werber die Plattform in Zukunft nutzen können, warnt die eMarketer-Analystin Debra Aho Williamson.

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Die operative Marge fiel auf 42 Prozent von 46 Prozent im Vorjahr. Die Ausgaben wuchsen von 6,52 Milliarden Dollar auf 8,76 Milliarden Dollar. Finanzchef Wehner warnt seit längerem davor, dass steigende Investitionen in die Sicherheit und das Inhalte-Management Gewinne schmälern.

Das Gewinn pro Aktie lag nur bei 85 Cent, im Vorjahreszeitraum belief es sich noch auf 1,69 Dollar. Ohne den FTC-Betrag hätte Facebook einen Gewinn von 1,89 Dollar pro Aktie eingestrichen – und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen, die laut FactSet bei 1,62 Dollar pro Aktie gelegen hatten.

Immerhin: Die Zahl der Nutzer der verschiedenen Facebook-Plattformen Facebook, WhatsApp, Instagram oder Messenger ist im abgelaufenen Quartal auf 2,7 Milliarden Menschen gestiegen, davon nutzen 2,1 Milliarden die Angebote täglich. Doch in den USA, Kanada und Europa, wo die Firma etwa 70 Prozent aller Umsätze einstreicht, stagniert die Expansion des blauen Facebook-Imperiums. Die meisten Zuwächse erzielte es in Asien. Dort legte die Nutzerzahl um vier Prozent zu. Möglicherweise sind dortige Nutzer bei Datenschutzfragen weniger zimperlich.

Facebook bemüht sich nach dem Datenskandal um Schadensbegrenzung „Wir fühlen uns verpflichtet, Vertrauen zurückzugewinnen“, versprach Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Sie und Gründer Mark Zuckerberg kündigten an, weiterhin in Datenschutz und Sicherheit der Plattform zu investieren. Die Strategie belastet das Ergebnis ebenfalls.

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Doch mit der neuen Strategie sollen auch die US-Behörden befriedet werden: Die Amerikaner orientieren sich bei Fragen um Privatsphäre und Regulation verstärkt an Europa. Erst vor knapp vier Wochen verhängte EU-Kommissarin Margrethe Vestager eine 1,5 Milliarden Euro hohe Wettbewerbsstrafe gegen Facebook-Konkurrent Google wegen dessen AdSense-Geschäft. Google habe seine beherrschende Stellung auf dem Markt für die Vermittlung von Suchmaschinenwerbung missbraucht, so die EU-Kommission.

Im Jahr zuvor kassierte der Suchmaschinen-Anbieter die Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Dollar. 2017 fiel eine Strafe von 2,4 Milliarden Dollar Strafe an. Google legte in allen Fällen Widerspruch ein.

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