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30.07.2019

04:00

S/4 Hana

SAP-Chef steuert bei seinem wichtigsten Produkt um

Von: Christof Kerkmann

Für Konzernchef Bill McDermott ist S/4 Hana das zentrale Produkt im Portfolio. Die Einführung läuft aber schleppend. SAP baut daher den Bereich um.

S/4 Hana: SAP reagiert auf Probleme beim wichtigsten Produkt SAP AG

SAP-Chef Bill McDermott

Stärker auf Kundenwünsche reagieren.

Düsseldorf Als SAP im Juli zu einem „Industrie 4.0 Gipfel“ nach Walldorf einlud, präsentierte Hala Zeine, was der Softwarehersteller unter diesem Schlagwort konkret versteht. Gemeinsam mit einem Manager des Roboterbauers Kuka erklärte sie, wie Unternehmen ihre Maschinen einfach und schnell vernetzen können – auch dank Lösungen von SAP. Im Publikum hörten Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und mehrere Granden aus der Welt der Wirtschaft der Chefin des Geschäftsbereichs „Digital Supply Chain“ aufmerksam zu.

Die Managerin steht jedoch vor großen Veränderungen, ebenso wie SAP selbst: Der Konzern plant nach Informationen des Handelsblatts eine Umstrukturierung: Neben S/4 Hana – eine Software zur Steuerung von Geschäftsprozessen – liegt nun auch der Bereich „Digital Supply Chain“ in der Verantwortung von Thomas Saueressig. Das Produktmanagement für S/4 Hana liegt in einer Hand bei Jan Gilg. Zudem wird das Qualitätsmanagement enger angebunden. Mehrere Manager, darunter Zeine, geben in diesem Zuge ihre Verantwortung ab.

„Mit dem Umbau wollen wir die Bedarfe unserer Kunden noch stärker in den Mittelpunkt rücken“, teilte der Softwarehersteller auf Anfrage mit. Es gehe darum, dass die Produkte den Bedürfnissen der Unternehmen entsprechen, speziell S/4 Hana. Vier Jahre nach der Ankündigung richtet SAP mit dem Produktmanagement das Kernprodukt neu aus.

Experten beurteilen die Pläne positiv. „Wenn SAP vier Jahre nach der Einführung von S/4 Hana wieder Produktstrategie und -management zusammenführt, sieht das nach einem Neustart aus“, sagt Holger Müller, Analyst bei der Firma Constellation Research.

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Es ist eine Maßnahme mit großer Tragweite: S/4 Hana ist für SAP das wichtigste Produkt. Und die Integration von Geschäftsprozessen über die Grenzen einzelner Programme hinweg ist das wichtigste Verkaufsargument des Softwarekonzerns – er wirbt mit der Vision der „Intelligent Enterprise“, in der die Technik immer mehr Routineaufgaben übernimmt und die Mitarbeiter dank aktueller Daten bessere Entscheidungen treffen.

In der Zentrale in Walldorf und den vielen Büros in aller Welt bleibt es damit unruhig. SAP ist noch mit einer Restrukturierung beschäftigt, über die schätzungsweise 4 400 Stellen wegfallen sollen, davon mindestens 1 200 in Deutschland.

Das Management hat ein Gremium eingesetzt, das Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung finden soll, wie die Investoren sie verlangen. Gleichzeitig will es mit Initiativen wie „Customer First“ die Kundenzufriedenheit stärken. Beim wertvollsten Konzern im Dax ist viel in Bewegung.

Unverzichtbar für globale Konzerne

S/4 Hana ist die Essenz von SAP. Der Softwarehersteller steht für Programme, mit denen Unternehmen ihre Geschäftsprozesse steuern können. Es geht um den Einkauf und die Materialbedarfsplanung, um Auftragseingang und Rechnungsstellung, um Buchführung und Budgetplanung.

Die Software hält die Informationen bereit, automatisiert Routineaufgaben und erleichtert die Analyse von Zahlen. In der Technologiewelt ist vom Enterprise Resource Planning (ERP) die Rede.

Diesen Markt dominiert SAP seit den späten 1990er-Jahren. Damals war in Vorstandssitzungen, auf Konferenzen und in Managementkursen vom „Business Process Reengineering“ die Rede, es ging darum, Geschäftsprozesse auf dem Flipchart neu zu entwerfen und mit Software nachzubauen.

Diese sollte Transparenz über Mitarbeiter, Warenströme und Finanzen schaffen. Der Softwarehersteller aus der deutschen Provinz lieferte mit R/3 das beste Produkt – und machte sich so bei vielen multinationalen Konzernen unverzichtbar.

Mit der Nachfolgeversion S/4 Hana will SAP eine moderne Version liefern. Das Programm reduziert die Zeit zur Erstellung von Geschäftsberichten und Prognosen von Stunden oder gar Tagen auf Minuten. Gewährleisten soll das die Datenbank Hana, die alle Informationen im Zentralspeicher verarbeitet. Zudem ist die Software jetzt auch aus der Cloud verfügbar – der Konzern verspricht mehr Flexibilität und schnellere Innovationen.

Kommentare (2)

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Herr Axel Braun

30.07.2019, 14:02 Uhr

Es gab einiges an Wandel bereits bei der SAP....während früher der Kunde mit seinen Bedürfnissen im Vordergrund stand, und das auch aus dem Vorstand heraus gelebt wurde, geht es heute in erster Linie ums Verkaufen. Überraschende Lizenzauslegungen (Indirekte Nutzung) haben da für reichlich böses Blut gesorgt.

Wee es nicht von den Spatzen auf dem Dach gehört hat, der hat es möglicherweise in unabhängigen Magazinen wie der E3 gelesen: SAP Strategie läuft nicht rund. Hana hat Probleme mit der Performance (aber 3TB Hauptspeicher helfen schon mal weiter...), und die Profis fluchen über die Intransparenz des neuen Systems incl. der Fiori-Apps. Kunden merken, dass 'Run easy' eben doch nur eine Marketing Floskel ist.

Positv für die SAP: Bei den anderen Herstellern ist es noch schlimmer.....

Frau gte stöbich

31.07.2019, 13:42 Uhr

SAP will seit Jahrzehnten in den Mittelstand ... wo sind sie denn? wenn sie so gut sind??

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