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09.03.2018

09:42 Uhr

Schnellballeffekt für Unwahres

Lügen verbreiten sich auf Twitter schneller als die Wahrheit

Falschmeldungen verbreiten sich über Twitter schneller und erreichen mehr Menschen als richtige Informationen. Forscher haben das anhand von Millionen Tweets nachgewiesen.

Lügen verbreiten sich auf Twitter schneller als die Wahrheit Reuters

Wo Lügen gestreut werden

Ein unwahrer Inhalt hat der Studie zufolge eine um 70 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, weiterverbreitet zu werden.

CambridgeMit gezogener Waffe stürmt im Dezember 2016 ein Mann in eine kleine Pizzeria in der US-Hauptstadt Washington. Er will dort einen Kinderpornoring ausheben, in den angeblich Hillary Clinton verwickelt ist. Doch der vermeintliche Pornoring entpuppt sich als Falschmeldung – weit gestreut auch via Twitter.

US-Forscher haben sich jetzt genauer mit der Verbreitung unwahrer Inhalte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter beschäftigt. Ergebnis: Solche Behauptungen und Nachrichten verbreiten sich schneller und erreichen mehr Menschen als richtige Informationen. Das berichtet ein Team um Sinan Aral vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Fachjournal „Science“.

In einem aufwendigen Verfahren untersuchten sie in der bisher größten Langzeitstudie dieser Art die Verbreitung von rund 126.000 englischsprachigen Storys via Twitter zwischen 2006 und 2017. Unabhängige Faktenchecker hatten sie zuvor überprüft und als „wahr“ oder „falsch“ eingruppiert. Die untersuchten Inhalte hatten drei Millionen Menschen in insgesamt 4,5 Millionen Tweets verbreitet.

Den Forschern zufolge hat ein unwahrer Inhalt – ein Bild, eine Behauptung oder ein Link zu einem Onlineartikel – eine um 70 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, weiterverbreitet zu werden. Ob die untersuchten unwahren Behauptungen und Nachrichten mit Absicht verbreitet wurden, nahm die Studie nicht unter die Lupe.

In allen Sparten verbreiteten sich unwahre Inhalte, am häufigsten jedoch waren politische Themen betroffen. Mit deutlichem Abstand folgten Tweets oder Retweets zu modernen Mythen (urban legends), und dann mit weiterem Abstand solche zu Wirtschaft, Terrorismus, Wissenschaft, Unterhaltung und Naturkatastrophen. Der Schnellballeffekt für Unwahres nahm mit der Zeit zu und war in den US-Wahlkampfjahren 2012 und 2016 besonders stark.

Unwahres wirkt oft spannender

Ein wichtiger Punkt, der offenbar zum Weiterleiten anregt: Unwahre Inhalte wirken den Forschern zufolge oft spannender und neuartiger auf die Twitter-Nutzer. Ihre Antworten darauf zeigen größere Überraschung, stärkere Angst und mehr Ekel. Wahre Nachrichten hingegen lösten öfter traurige Reaktionen aus, aber auch Vorfreude und Vertrauen.

Software-Roboter, die automatisch Tweets absetzen, treiben die Weiterverbreitung von Unwahrheiten dabei eindeutig an – aber: „Menschliches Verhalten trägt mehr zur unterschiedlichen Ausbreitung von Unrichtigem und Wahrheit bei als automatisierte Roboter“, schreiben die Forscher. Das solle man auch bei der Bekämpfung dieses Trends im Blick behalten.

Auch andere US-Experten glauben, dass man Mittel gegen die Ausbreitung von unwahren Behauptungen im Netz finden muss. Ob dies alleine durch Fakten-Checks gelingen kann, bezweifeln der Politikwissenschaftler David Lazer (North Eastern University) und mehr als ein Dutzend Kollegen in einem „Science“-Begleitartikel jedoch. Viele Menschen bevorzugten schlicht Informationen, die ihre vorhandenen Sichtweisen bestätigen.

Die Fachleute sehen deshalb vor allem die Anbieter Sozialer Medien in der Pflicht. „Die Plattformen könnten den Konsumenten Hinweise auf die Qualität der Quellen liefern.“ Auch könnten sie aus den sogenannten Trending-Themen die Aktivität von Bots herausfiltern.

Trotz erster derartiger Ansätze sollten Facebook, Twitter und Co. dabei mit unabhängigen Fachleuten zusammenarbeiten. „Wir müssen unser Informations-Ökosystem für das 21. Jahrhundert neu designen.“ Das könne aber nur interdisziplinär und in weltweiter Zusammenarbeit gelingen.

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Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Holger Narrog

09.03.2018, 13:26 Uhr

Es stellt sich zunächst die Frage was wahr ist und was nicht.

In der Vormerkelzeit hatten Behörden eine politische/ideologische Unabhängigkeit gewahrt und so entsprachen Behördenaussagen häufig bestem Wissen. Mit der Machtübernahme von Rot-Grün hatte BMU seinerzeit das Bundesamt für Strahlenschutz ideologisiert und Fachleute durch Ökologen, Landschaftsgärtner etc. ersetzt. Das Umweltbundesamt veröffentlicht Fantasieberichte von 1000enden Dieseltoten.

Bis in die 80er Jahre hat das Staatsfernsehen den Anspruch erhoben die wahrheitsgemäss zu berichten. Mittlerweile ist das Staatsfernsehen ein Erweiterung des Merkelschen Politiksystems.

Alternative Medien verfolgen mit ihrer Berichterstattung gleichfalls eigene Zwecke. Vieles ist wahr....anderes nicht.

Ich denke, die Intention des Berichts ist das werben für die politische Zensur bzw. die Verbreitung der Regierungsmeinung als einziger Wahrheit.

Herr Peer Kabus

09.03.2018, 13:51 Uhr

Banale Erkenntnisse von Forschern „erforscht“ – lachhafter geht es kaum noch.

Die menschliche Neugier ist immer die Triebfeder, sich „Neues“ oder vom üblichen Abweichendes anzusehen. Einfachstes Beispiel dafür sind Gaffer und ähnlich gestrickte Spezies bis hin zu den in Vergessenheit geratenen Klatschweibern „hast Du schon gehört?“

Auch ich klicke hin wieder auf „Nachrichten“, bei deren Lesen sich allerdings auch mal erschließt, dass da Nonsens oder geistiger Müll verbreitet wird.

Als Müll werte ich auch diesen Artikel. Denn im Ergebnis wäre es demnach ideal, wenn jeder am besten das Übliche konsumiert. Die riesige Gefahr, sich mit „Filterblasen“ weiter zu infizieren, ist nicht hinnehmbar.

Ich jedenfalls suche mir weiter meine „Filterblasen“ und sondiere dabei nach harten Fakten und logischen Zusammenhängen.

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