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26.04.2019

11:20

Schwäche der Playstation

Sony erwartet nach Rekordjahr weniger Gewinn

Von: Martin Kölling

Sony legt ein starkes Jahresergebnis vor. Aber eine alternde Playstation und Gegenwind für die Filmstudios machen Konzernchef Yoshida vorsichtig.

Playstation-Schwäche: Sony erwartet weniger Gewinn Reuters

Schwächelnde Smartphone-Sparte

Trotz etlicher Sparrunden bleibt die Smartphone-Sparte das Sorgenkind von Sony.

TokioAnleger stehen bei Sony vor einer schweren Entscheidung: Sie können sich entweder darüber freuen, dass Sony am Freitag für sein Bilanzjahr 2018 einen neuen Rekordgewinn verbucht hat. Im letzten Quartal des Ende März abgelaufenen Abrechnungszeitraums übertraf der Konzern sogar den Marktkonsens. Oder sie konzentrieren sich auf die Prognose von Konzernchef Kenichiro Yoshida. Und die sieht weniger rosig aus.

Auf der Habenseite steht zwar, dass Yoshida für das laufende Bilanzjahr mit 8.800 Milliarden Yen zwei Prozent mehr Umsatz erwartet. Aber der Betriebsgewinn soll um neun Prozent auf 810 Milliarden Yen schrumpfen, der Reingewinn gar um 45 Prozent auf 500 Milliarden Yen. Denn zum einen erwartet Sony, dass die Gewinne in der Videospielsparte wegen der alternden Playstation 4 etwas schrumpfen werden. Zum anderen führt eine Neubewertung des Musikstudios Emi zu weniger Profit.

Die große Frage ist, wie die Aktionäre auf die Zahlen reagieren werden. Denn der Wiedereinstieg von Dan Loeb mit seinem aktivistischen Investmentfonds ThirdPoint rückt Sonys strategische Optionen und Kapitalallokation in den Brennpunkt der Analysten, erklärte Damian Thong von Macquaries vor der Bilanzpressekonferenz seinen Kunden.

Sonys Vorhersage könnten skeptische Anleger negativ interpretieren. Denn damit unterbot Sony den bereits zurückhaltenden Konsens der Analysten noch einmal um 20 Milliarden Yen oder 2,4 Prozent. Außerdem würde damit Sonys Gewinnmarge von 10,3 Prozent im Jahr 2018 auf 9,2 Prozent sinken. Im Vergleich zu anderen japanischen Elektronikkonzernen wäre Sonys Profitabilität damit immer noch sehr hoch – weshalbt Analysten Sony höhere Aktienkurse zutrauen.

Bevor der Elektronik- und Unterhaltungskonzern seine Zahlen vorlegte, rieten auf Reuters 8 von 19 Analysten zum Kauf der Aktien, sieben bewerten sie mit „outperform“. Und die Vorhersage dürfte daran nichts dramatisch ändern. Denn seitdem Yoshida als Finanzchef Sony auf Kostendisziplin und auf Kerngeschäfte trimmt, übertrifft der ehemalige Krisenkonzern seine Prognosen häufiger.

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Für das Jahr 2018 sehen die Zahlen ohnehin noch ordentlich aus: der Betriebsgewinn stieg um satte 22 Prozent auf 894 Milliarden Yen, der Reingewinn sogar um 87 Prozent 916 Milliarden Yen. Denn nun zahlt sich Yoshidas Fokus auf die Videospielsparte und die preisliche Oberklasse in Elektronikprodukten aus.

Mit der Konsole Playstation, seinen Spielen und den Kundenabos aus dem Netzwerkgeschäft erzielte Sony 2018 inzwischen 27 Prozent des Umsatzes. Mit einer einer Gewinnmarge von 13,5 Prozent ist das Segment zudem der Gewinnmotor des Konzerns.

Dass Yoshida hier nun die Erwartungen senkt, könnte daher Sonys Aktienkurs kurzfristig drücken. Denn schon jetzt führt die Sorge der Aktionäre, dass der Einstieg von Google in Cloud-Spiele Sony Kunden kosten könnte, zu einer niedrigeren Bewertung Sonys. Trotz der Rekordjagd sank der Aktienkurs seit September 2018 um 25 Prozent auf 5212 Yen.

Doch für den optimistischen Analysten Koto Ezawa von Citigroup Japan ist der verstärkte Wettbewerb neben Devisenkursen nur ein Risiko, „aber kein großes Problem“. Er setzt darauf, dass Sony mit seinem Spieleknowhow seine dominante Position verteidigen kann. Außerdem erwarten viele Experten, dass Sony 2020 die Playstation 5 auf den Markt bringen wird. Dies könnte der Spielesparte wieder zu mehr Wachstum und Gewinn verhelfen.

Ein weiterer Erfolg Yoshidas ist, dass Sony bei Unterhaltungselektronik selbst mit Fernsehern wieder Gewinne macht. Denn der einstige Weltmarktführer hat sich nun auf das hochpreisige Segment konzentriert und überlässt den margenschwachen Massenmarkt den Rivalen aus Südkorea und China.

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Bei Digitalkameras wiederum bestimmt Sony derzeit das Tempo technologischer Innovation. Daher hat der Konzern gute Chancen, bei einem weiteren Rückgang des Kameramarkts nicht in die Verlustzone zu rutschen.

Die offene Frage ist allerdings die Zukunft des Smartphonesparte. 2018 rutschte die wieder in die Verlustzone. Yoshida hat daher eine erneute Sanierung angeordnet. Doch ob die Sonys schlimmste Schrumpfsparte wieder zu einen Gewinner machen wird, ist offen. Sony gab für das Mobilsegment dieses Jahr keine Prognose ab.

Ein weiterer Pfeiler sind Bildsensoren, bei denen Sony Weltmarktführer ist. Zwar werden 2019 Kamera- und Smartphonemarkt laut einigen Vorhersagen schrumpfen. Aber da die Smartphonehersteller ihren Geräten immer öfter zwei, drei oder gar vier Kameras spendieren, erwartet Sony auch in diesem Segment mehr Absatz und etwas mehr Gewinn.

Auch der Einstieg des Aktionärsaktivisten Loeb nährt die Fantasie einiger Anleger. Seine Forderung, die Filmstudios zu veräußern, wird zwar wahrscheinlich von Sonys Vorstand abgeschmettert werden. Aber Sony verfügt inzwischen über genügend große finanzielle Mittel, um die Anziehungskraft von Loebs Argumenten auf andere Anleger durch kurssteigernde Aktienrückkäufe oder andere Mittel schwächen.

Das einzige Problem für Aktionäre nach den guten Zahlen: Es wird eine Zeit dauern, bis die Märkte reagieren können. Denn erstens legte Sony seine Zahlen wie üblich nach Börsenschluss vor. Zweitens ist die Börse kommende Woche wegen des Kaiserwechsels und anderen Feiertagen erstmal geschlossen. Die Aktionäre haben daher viel Zeit, über ihr eigenes Sony-Engagement nachzudenken.

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