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30.07.2019

14:25

Smartphone-Hersteller

Huawei wächst weiter schnell – und arbeitet trotzdem an einem Notfallplan

Von: Sha Hua

Huawei spürt die US-Sanktionen bisher kaum, der Umsatz ist fast um ein Viertel gestiegen. Trotzdem arbeiten 10.000 Entwickler in drei Schichten täglich an einem Plan B.

Die USA haben den chinesischen Konzern mit Sanktionen belegt. AP

Huawei-Store in Peking

Die USA haben den chinesischen Konzern mit Sanktionen belegt.

Shenzen Liang Hua bemüht bei der Präsentation der Halbjahreszahlen von Huawei ein Bild. Hinter dem Verwaltungsratschef in der Konzernzentrale im südchinesischen Shenzhen hängt es: Abgebildet ist ein durchlöcherter Kampfflieger, der sich trotzdem in der Luft hält. „Wir sind wie dieses Flugzeug: Auch mit Löchern fliegen wir weiter“, kommentierte Liang an diesem Dienstag die Vorlage der Konzernzahlen. Der Manager wiederholt damit eine Metapher von Huawei-Gründer Ren Zhengfei.

Die Löcher in der Maschine stehen wohl sinnbildlich für die US-Sanktionen. Denn der Mobilfunk-Ausrüster und Smartphone-Anbieter wurde von US-Präsident Donald Trump Mitte Mai unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt. Damit ist Huawei der Zugang zur Technologie von US-Unternehmen und dem US-Markt seitdem weitgehend gesperrt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist Huawei laut Liang jedoch rapide gewachsen, sodass sich die US-Sanktionen kaum auf die Zwischenergebnisse ausgewirkt hätten.

Huawei hat den Umsatz in den ersten sechs Monaten 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23,2 Prozent auf 401,3 Milliarden Yuan gesteigert, das sind umgerechnet 52 Milliarden Euro. Die Nettoumsatzrendite betrug 8,7 Prozent. Mit 220 Milliarden Yuan kam mehr als die Hälfte der Erlöse aus dem Geschäft mit dem Endverbraucher. Das Geschäft mit den Netzbetreibern hingegen machte mit 146,5 Milliarden Yuan rund ein Drittel der Einnahmen aus.

Huawei ist zwar nicht börsennotiert, veröffentlicht aber trotzdem regelmäßig Finanzergebnisse. Das hat vor allem einen Grund: Der Konzern will so Behauptungen entgegenwirken, Huawei sei undurchsichtig.

Der Konzern setzte im ersten Halbjahr nach eigenen Angaben 118 Millionen Smartphones ab, das sind 24 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders der Heimatmarkt dürfte das Wachstum getragen haben. Nach Berechnungen der Analysefirma Canalys erreichte Huawei im zweiten Quartal in China einen Rekord-Marktanteil von 38 Prozent. Dort sei der Smartphone-Absatz der Firma in dieser Zeit um 31 Prozent auf 37,3 Millionen Geräte gestiegen.

Weder die Produktion noch die Lieferungen seien durch die Sanktionen angehalten oder gestört worden, sagte Liang. „Wir sind weiterhin voller Vertrauen in die zukünftige Entwicklung des Unternehmens, gleichgültig wie vielen Schwierigkeiten wir gegenüberstehen.“ Deshalb plane Huawei, dieses Jahr insgesamt 120 Milliarden Yuan, umgerechnet 16 Milliarden Euro, in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Huawei will dem Eindruck entgegenwirken, der Konzern sei undurchsichtig

Erst am Rande des G20-Gipfels Ende Juni im japanischen Osaka hatte Trump das Verkaufsverbot teilweise aufgehoben, nachdem er sich mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping getroffen und sich auf die Wiederaufnahme der Verhandlungen im Handelsstreit geeinigt hatte.

Für wen und wann genau die Sanktionen außer Kraft gesetzt werden, ist bisher unklar. „Das weiß nur Washington“, sagte Liang an diesem Dienstag. Seit dem G20-Gipfel könne Huawei wieder einige nicht-essenzielle Komponenten bei US-Firmen kaufen, das Verkaufsverbot gelte jedoch noch für Schlüsselkomponenten.

Liang nennt mehrere Gründe, warum Huaweis Ergebnisse trotz der Sanktionen solide sind: Die Verbraucher hätten weiter Vertrauen in Huawei, der Konzern selbst plane sehr umsichtig und horte zudem Chip-Vorräte. Huawei hat einem Bericht zufolge sogar Mitarbeiter ausgezeichnet, die dem Konzern wesentlich geholfen hätten, eine Krise abzuwenden. Diese Mitarbeiter haben der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge Komponenten gehortet oder alternative Zulieferer für die entsprechenden US-Unternehmen organisiert.

Video-Report

Huawei im Visier – Wieso der Tech-Riese in einer Vertrauenskrise steckt

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Auf das Geschäft mit Technik für den kommenden superschnellen 5G-Datenfunk hatten die US-Sanktionen nach Darstellung Huaweis keine erheblichen Auswirkungen. So habe das Unternehmen seit Mitte Mai elf neue Aufträge für die Ausrüstung von 5G-Netzen bekommen. Huawei gilt als ein führender Anbieter von Technologie für 5G-Mobilfunknetze, die in den kommenden Jahren weltweit entstehen werden.

Eine genaue Prognose für das Wachstum im laufenden Jahr gibt Verwaltungsratschef Liang zwar nicht ab, doch allzu überbordenden Optimismus bremst er: Man rechne mit negativen Auswirkungen des Verbots für das Gesamtjahr. Huawei-Gründer Ren hatte bereits im Juni prognostiziert, dass der Umsatz in diesem Jahr rund 30 Milliarden US-Dollar unter dem bisher vorausgesagten Wert liegen werde.

Die Aussicht, dass Huawei-Smartphones keine Updates des Android-Betriebssystems von Google mehr bekommen, erschwert auch die Verkäufe, unter anderem in Europa. Bereits jetzt beobachte man einen Rückgang im Smartphone-Geschäft außerhalb Chinas, so Liang. „Wir ziehen es vor, weiterhin mit Google zusammenzuarbeiten und Android zu benutzen.“

Sollte das künftig nicht mehr möglich sei, werde Huawei sein eigenes Betriebssystem auf den Markt bringen. Bloomberg berichtet, dass bis zu 10.000 Entwickler in drei Schichten pro Tag an Huaweis Android-Alternative arbeiten.

Eine mit der Sache vertraute Person sagte dem Handelsblatt, dass das System frühestens diesen Herbst betriebsfähig sein werde. Dann könne Huawei es auf dem chinesischen Markt testen. „Das wäre für Google nicht gut“, sagte der Insider. „Denn dann werden sie Stück für Stück den chinesischen Handy-Markt verlieren.“

Mehr: Vodafone hat die Wartung und Steuerung der Mobilfunknetze an Huawei ausgelagert. Eine Tochter der Deutschen Bahn sollte den Vertrag übernehmen. Das scheiterte.

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