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08.08.2019

11:03

Smartphone-Hersteller

Samsung bewirbt Galaxy Note 10 und 10+ mit Sicherheitsversprechen

Von: Christof Kerkmann

Im hart umkämpften Smartphone-Markt suchen die Hersteller neue Argumente, um Preise im vierstelligen Bereich zu rechtfertigen. Samsung geht dabei anders vor als die Konkurrenz.

Der koreanische Konzern rückt Datenschutz und Sicherheit in den Mittelpunkt. Bloomberg

Samsung Galaxy Note 10

Der koreanische Konzern rückt Datenschutz und Sicherheit in den Mittelpunkt.

Berlin Huawei preist das P30 als Fotowunder an, Apple hebt die lange Akkulaufzeit des iPhone XR hervor, Sony stellt beim Xperia 1 den Bildschirm im Kinoformat in den Mittelpunkt: In der Werbung für Smartphones geht es um Technik und das Design, inszeniert mit hochglänzenden Bildern.

Bei der Kampagne für das neue Galaxy Note 10 will Samsung dagegen ungewohnte Schwerpunkte setzen: Der koreanische Konzern rückt Datenschutz und Sicherheit in den Mittelpunkt. „Damit deins deins bleibt“, lautet der Slogan einer neuen Kampagne, die in Deutschland im Herbst laufen soll.

Die Ausstattung bleibe zwar in der Kommunikation weiter wichtig, sagte Mario Winter, Manager bei Samsung Deutschland, dem Handelsblatt am Mittwoch bei der Präsentation des neuen Spitzenmodells. Aber: „Wir wollen auch mit anderen Faktoren punkten.“ Dazu zähle die sichere Datenspeicherung auf der Plattform Knox.

Diese Positionierung kommt nicht von ungefähr. „Die Technik entwickelt sich zwar weiter, aber das ist eine Evolution“, sagt Annette Zimmermann, Smartphone-Spezialistin beim Analysehaus Gartner. Die Hersteller stehen daher mehr denn je vor der Frage, wie die Preise von 1000 Euro oder mehr für Premiummodelle rechtfertigen können.

Mit der Note-Reihe hat Samsung 2011 einen Trend gesetzt. Die Smartphones haben einen Bildschirm, der fast so groß ist wie ein Tablet – heute ist das Standard. Zudem verfügen sie über einen Eingabestift, mit dem Nutzer beispielsweise Notizen machen können, und einen Akku, der deutlich länger als einen Tag hält. Der Konzern positioniert die Geräte als Produktivitätshelfer.

Großer Bildschirm, schlauer Stift

In der neuen Generation gibt es erstmals zwei Modelle: Das Note 10 misst 6,3 Zoll, das Note 10+ sogar 6,8 Zoll. Der Bildschirm bedeckt praktisch die gesamte Vorderseite, sieht man von einem kleinen Kreis für die Kamera ab. Das große Gerät wird es auch mit Unterstützung für den neuen Mobilfunkstandard 5G geben, gegen Aufpreis natürlich.

Einige Neuerungen hat sich Samsung für den Stylus einfallen lassen. Schon bislang eignet er sich als Fernauslöser für die Kamera, nun können Nutzer mit Gesten auch zoomen und zwischen den Modi hin- und herschalten – das Unternehmen spricht von einem „magischen Zauberstab“. Auch App-Entwickler können die Funktion nutzen.

Mehr Leistung, eine bessere Kamera, längere Nutzungszeit: Bei der pompösen Präsentation in New York am Mittwoch ging das Management alle Neuerungen durch. Im Vergleich zum Vorjahr sind Note 10 und 10+ indes nur eine Weiterentwicklung. Und mit üppiger Ausstattung können auch Konkurrenten wie Huawei und Oneplus aufwarten.

Daher rückt Samsung in Deutschland bei der Werbung andere Aspekte in den Mittelpunkt. Da die Nutzungsdauer der Smartphones steige, habe die Zuverlässigkeit für die Kunden an Bedeutung gewonnen, sagte Samsung-Manager Winter. Gleiches gelte angesichts der vielen Datenpannen für die Informationssicherheit.

Das bestätigt eine Untersuchung des Marktforschers Kantar: Demnach sind Sicherheit und Datenschutz für 11,2 Prozent der Kunden in Deutschland ein Kaufkriterium, 0,7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Das Unternehmen installiert auf seinen Geräten beispielsweise den Dienst Knox, der Nutzerdaten verschlüsselt und den Zugriff von Apps aufs Betriebssystem kontrolliert. Zudem verspricht es regelmäßige Sicherheitsupdates – 13 Modelle erhalten derzeit monatliche Aktualisierungen. Firmenkunden sollen zudem mit der „Enterprise Edition“ vier Jahre lang mit frischer Software versorgt werden.

Für eine Kampagne rund um das Thema Sicherheit und Zuverlässigkeit sei bis Jahresende ein Betrag von ein bis zwei Millionen Euro eingeplant, so Samsung-Manager Winter. Auch im nächsten Jahr soll sie weiterlaufen. Dabei geht es auch darum, Bestandskunden zu binden: Von den 54,3 Millionen Smartphones, die derzeit schätzungsweise in Gebrauch sind, tragen laut dem Marktforscher GfK rund 43 Prozent den blauen Schriftzug.

Die Positionierung von Samsung erinnert indes an Apple: Der Konzern aus Kalifornien hat in den vergangenen Jahren das Thema Datenschutz besetzt. „What happens on your iPhone, stays on your iPhone“ textete er beispielsweise auf einem riesigen Plakat während der Elektronikmesse CES in Las Vegas. Er präsentiert das iPhone als sichere Alternative zu allen Android-Geräten. Tatsächlich übertragen diese in den Standardeinstellungen viele Daten an Hersteller Google.

Umkämpfter Markt

Samsung, Apple und andere Smartphonehersteller befinden sich in einer schwierigen Situation. Der Markt dürfte in diesem Jahr schrumpfen, gleichzeitig gewinnen chinesische Marken wie Huawei, Xiaomi und Oppo Anteile. Zudem ist bei den Preisen der Zenit erreicht – auch für Modelle wie das Note 10.

Ein Problem: Die Hardware ist weitgehend ausgereift. Viele interessante Neuerungen liegen in der Software, etwa wenn Algorithmen Fotos aufhübschen. „Für viele Verbraucher lohnt es sich daher nicht, schnell wieder ein neues Gerät zu kaufen“, sagt Gartner-Analystin Annette Zimmermann – zumindest, wenn sie halbwegs leistungsfähige Smartphones haben.

Hinzu kommt: Auch Mittelklassemodelle verfügen inzwischen über Funktionen, die früher nur Premiumprodukten vorbehalten waren. So hat das A80 als einziges Smartphone von Samsung eine ausklappbare und rotierende Kamera mit einigen Spezialfunktionen. Zudem ist wie beim Flaggschiff S10 eine Funktion integriert, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Und das für gut 600 Euro und somit rund 300 Euro weniger.

Dieser Trend lässt sich an den Zahlen von Samsung Electronics ablesen. Der Konzern steigerte zwar den Absatz im zweiten Quartal nach Einschätzung von Marktforschern um sieben Prozent auf gut 77 Millionen Stück, teure Premiumprodukte wie das Galaxy S10 verkauften sich aber schleppend – der Zuwachs geht auf die A-Serie zurück. Der Umsatz stieg um acht Prozent 24,3 Billionen Won (17,8 Milliarden Euro), während der Gewinn auf 1,56 Billionen Won (1,1 Milliarden Euro) sank.

Auch der Ausblick ist durchwachsen: Die Nachfrage in der Sparte für mobile Geräte werden wegen „wachsender Unsicherheit in der Weltwirtschaft“ schwach bleiben, warnte der Konzern kürzlich bei der Veröffentlichung der Zahlen. Die Aussichten für die Note-10-Modelle sowie das Galaxy Fold mit dem biegbaren Display sind also ungewiss.

Mehr: Huawei spürt die US-Sanktionen bisher kaum, der Umsatz ist fast um ein Viertel gestiegen. Trotzdem arbeiten 10.000 Entwickler in drei Schichten täglich an einem Plan B.

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