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24.04.2019

09:24

Softwarekonzern

SAP erhöht trotz Verlust die Prognose – CEO McDermott will umbauen

Von: Christof Kerkmann

Der Konzernumbau sorgt bei SAP für rote Zahlen. Doch das Geschäft läuft glänzend – und der Dax-Konzern hebt seine Prognosen deutlich an.

Der SAP-Chef hat das Ziel ausgegeben, dass der Konzern bis 2023 einen Börsenwert von 300 Millionen Dollar erreicht. SAP SE

Bill McDermott

Der SAP-Chef hat das Ziel ausgegeben, dass der Konzern bis 2023 einen Börsenwert von 300 Millionen Dollar erreicht.

Düsseldorf SAP ist mit seinen Geschäften stark ins neue Jahr gestartet, auch wenn unter dem Strich wie erwartet ein Verlust steht. Der Softwarekonzern konnte bis Ende März den Umsatz deutlich steigern – und die Profitabilität noch mehr, zumindest wenn man Sondereffekte wie das Restrukturierungsprogramm herausrechnet. Die wichtigsten Zahlen und Fakten, die der Dax-Konzern an diesem Mittwochmorgen vorgelegt hat:

  • Der Umsatz wuchs um 16 Prozent auf 6,091 Milliarden Euro – vor allem dank des starken Geschäfts mit dem Cloud Computing, auf das sich der Softwarehersteller seit einigen Jahren ausrichtet.
  • Ein neues Effizienzprogramm soll dafür sorgen, dass die Profitabilität in den nächsten Jahren kontinuierlich steigt – für 2019 hebt SAP die Prognose bereits jetzt an. Auf einem zusätzlichen Kapitalmarkttag im November will der Konzern den Investoren die Details vorstellen.
  • Wie erwartet kam SAP aber ein Restrukturierungsprogramm teuer zu stehen. Wegen der Kosten in Höhe von 886 Millionen Euro sank das Betriebsergebnis auf minus 136 Millionen Euro. Die bereinigte Kennzahl stieg um 19 Prozent auf 1,467 Milliarden Euro.

Das fällt positiv auf

Das Cloud-Geschäft brummt, der Umsatz wuchs um 48 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro. Bei dieser deutlichen Steigerung spielten die Übernahmen von Callidus und Qualtrics im April 2018 und Januar 2019 eine wichtige Rolle: Sie erwirtschafteten zusammen 120 Millionen Euro, wie Finanzchef Luka Mucic sagte. Ohne sie betrug das Plus gut 36 Prozent.

Die wichtige Kennzahl „New Cloud Bookings“ wuchs um 32 Prozent. Sie berücksichtigt bereits unterschriebene, aber noch nicht verbuchte Neuverträge – hier bietet sich also ein Blick in die nächsten Monate.

Vergleichsweise stabil lief das Geschäft mit Softwarelizenzen, mit dem SAP groß geworden ist. Der Umsatz wuchs um vier Prozent auf 650 Millionen Euro. Hinzu kamen 2,838 Milliarden Euro aus dem Support, den Kunden beim Abschluss eines Vertrags buchen müssen – dieser hängt somit vom Lizenzgeschäft ab.

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Das Management von SAP will mehr tun, um die Profitabilität zu stärken – das ist vielen Aktionären und Analysten ein wichtiges Anliegen. Mehrere neue Initiativen, die teils bereits seit dem vergangenen Jahr laufen, sollen die Strukturen und Prozesse vereinfachen. Ziel ist es, die operative Marge bis 2023 um durchschnittlich einen Prozentpunkt pro Jahr zu steigern.

Das soll sich bereits in diesem Jahr bemerkbar machen. Der Softwarehersteller hebt die Prognose fürs bereinigte Betriebsergebnis an, die Spanne liegt nun zwischen 7,85 und 8,05 Milliarden Euro, was einem Plus von 9,5 bis 12,5 Prozent entspricht (zuvor lag der Wert bei 7,5 bis 11,5 Prozent). Neben dem Effizienzprogramm macht sich das Wachstum bemerkbar, das die Effizienz steigert.

Das fällt negativ auf

Der permanente Umbau kommt SAP teuer zu stehen. Die Restrukturierung, in deren Zuge rund 4400 Stellen wegfallen sollen, schlug im ersten Quartal wie avisiert einmalig mit 886 Millionen Euro zu Buche. Da auch die Übernahme von Qualtrics sowie die aktienbasierten Vergütungen teuer waren, verzeichnete der Konzern einen operativen Verlust von 136 Millionen Euro.

So geht es weiter

SAP-Chef Bill McDermott hat das Ziel ausgegeben, dass der Konzern bis 2023 einen Börsenwert von 300 Milliarden Dollar erreicht. Dabei spielt die Entwicklung der Profitabilität eine wichtige Rolle – auf einem zusätzlichen Kapitalmarkttag im November will der Amerikaner den Investoren schildern, was er plant.

Außerdem stellt er ihnen einen Schub für den Aktienkurs in Aussicht: „Wir analysieren auch ein Aktienrückkaufprogramm“, sagte er dem Handelsblatt – wie das Ergebnis der Prüfung ausfällt, will er ebenfalls im Herbst berichten.

Was derzeit hilft: SAP profitiert – anders als im Vorjahr – von Wechselkurseffekten. Der Umsatz beispielsweise ist dadurch um vier Prozentpunkte höher ausgefallen. Nach jetzigem Stand wird sich dieser Faktor auch in den nächsten Monaten positiv auswirken.

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Wie außerdem am Mittwoch bekannt wurde, ist der aktivistische Investor Elliott bei dem Konzern eingestiegen. Die Beteiligung habe einen Wert von 1,2 Milliarden Euro, teilte Elliott mit. Das sind knapp ein Prozent des aktuellen Börsenwertes des Walldorfer Konzerns von rund 130 Milliarden Euro. Zugleich stellte sich der US-Hedgefonds hinter das SAP-Management. „Elliott unterstützt die heute bekannt gegebenen Initiativen vollumfänglich“, erklärte Elliott.

Der für seinen oftmals harschen Umgang mit dem Top-Management von Unternehmen bekannte Investor hatte zuletzt unter anderem beim Industriekonzern Thyssen-Krupp, beim Energiekonzern Uniper und beim Anlagenbauer Gea von sich reden gemacht. Es sei für SAP nun an der Zeit, die Früchte aus den Investitionen der Vergangenheit zu ernten, erklärte Elliott.

SAP erklärte dazu, man sei in der glücklichen Situation, zahlreiche Aktionäre zu haben, die regelmäßig Feedback lieferten. „Wir befürworten das und nehmen das sehr ernst, besonders in Bezug auf unseren Plan, die Ziele für 2023 zu erfüllen oder zu übertreffen“, sagte ein SAP-Sprecher.

Für den Hedgefonds von Paul Singer ist es das erste Technologieinvestment in Europa. In den USA ist Elliott unter anderem am Online-Händler Ebay, am Computerbauer Dell und am IT-Dienstleister Cognizant beteiligt.

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Kommentare (2)

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Herr Mustafa Sahinli

24.04.2019, 08:42 Uhr

Meint ihr nicht 300 Millionen Börsenrwert ist ein bisschen zu niedrig als Ziel? Sollten es nicht 300 Milliarden sein ?
VG

Herr Louis Johannwille

24.04.2019, 12:35 Uhr

Aktueller Börsenwert sind 135 Milliarden, gehe davon aus das ein Börsenwert von 300 Milliarden angestrebt werden

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