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12.08.2019

04:31

Suchmaschinenanbieter

Suchmaschine Ecosia will Android-Auktion von Google boykottieren

Von: Florian Kolf

Google will zukünftig andere Suchmaschinen bei der Ersteinrichtung von Android-Geräten berücksichtigen. Dafür müssen sie aber viel Geld zahlen.

Die EU-Kommission hatte gegen Google ein Bußgeld verhängt, weil der Konzern seine Konkurrenten benachteilige. Bloomberg

Google

Die EU-Kommission hatte gegen Google ein Bußgeld verhängt, weil der Konzern seine Konkurrenten benachteilige.

Düsseldorf Auf den ersten Blick sieht es nach einer guten Nachricht für die Konkurrenz aus. Google will eine Forderung der EU-Kommission umsetzen und andere Suchmaschinen bei der Ersteinrichtung von Android-Geräten berücksichtigen.

An diesem Dienstag will das Unternehmen eine Auktion starten, bei der ermittelt werden soll, wie prominent Konkurrenten auf einer Liste platziert werden, die dem Nutzer bei der Installation ihrer Suchmaschine gezeigt wird.

Doch genau da liegt aus Sicht der Wettbewerber der Haken: Wer am meisten zahlt, landet ganz oben auf der Liste. Google verdient also mit der Umsetzung der EU-Forderungen noch Geld.

„Wir sind wirklich enttäuscht, dass Google entschieden hat, seine dominante Marktposition derart auszunutzen“, sagt Christian Kroll, Gründer und Geschäftsführer der Suchmaschine Ecosia, dem Handelsblatt. Er wird deshalb an der Auktion nicht teilnehmen.

Google dagegen erklärte: „Eine Auktion ist eine faire und objektive Methode, um festzulegen, welche Suchanbieter auf den Auswahlbildschirm kommen." Die Suchmaschinen könnten dabei selbst entscheiden, wie viel es ihnen Wert ist, in der Liste zu erscheinen. Die Lösung sei mit der EU abgestimmt.

EU-Kommissarin Margrethe Vestager hatte erklärte, dass die Kommission begrüßt, dass Google seine Anstrengungen in Zusammenhang mit der EU-Entscheidung verstärkt hat. Sie werde genau beobachten, wie sich die Umsetzung des Auswahlbildschirms entwickelt.

Nach Ansicht von Ecosia steht die Auktion jedoch im Widerspruch zur Entscheidung der EU-Kommission und sei „rechtlich fragwürdig“. Ecosia, 2009 in Berlin gegründet, ist eine Suchmaschine, deren Gewinne zu 80 Prozent in die Pflanzung von Bäumen fließen. Deshalb ist sie gerade bei jüngeren Internetnutzern beliebt.

„Wir benutzen unsere Einnahmen, um Bäume genau dort zu pflanzen, wo sie aufgrund von Rodung oder Wüstenbildung am meisten gebraucht werden, und nicht, um in teure und unnötige Bieterkämpfe mit anderen Suchmaschinen zu treten“, schimpft Kroll. Er ruft andere Suchmaschinenanbieter dazu auf, ebenfalls die Auktion zu boykottieren.

Harte Kritik auch von anderen Konkurrenten

Er dürfte damit offene Türen einrennen. Mehrere Konkurrenten haben das Vorgehen von Google in den vergangenen Tagen mit deutlichen Worten kritisiert. So hat Eric Leandri, Geschäftsführer der französischen Suchmaschine Qwant, bereits angedeutet zu prüfen, ob sie sich überhaupt an der Auktion beteiligen. Er nannte das Vorgehen von Google „einen totalen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung“.

Auch die Burda-Tochter Cliqz nannte das Verfahren unfair. „Die Dreistigkeit, mit der Google den klaren politischen Willen der EU missachtet, verblüfft mich immer wieder“, sagte Cliqz-Geschäftsführer Marc Al-Hames dem Webportal Golem.de.

Die EU-Kommission hatte gegen Google ein Bußgeld in Höhe von 4,3 Milliarden Euro verhängt. Als Begründung führte sie an, der Konzern benachteilige Konkurrenten, weil er bei seinem Betriebssystem Android seine eigene Such-App und seinen Browser Chrome vorinstalliert habe.

Die Behörde ordnete an, dass das Unternehmen diese Praktiken einstellt. Seit April werden Nutzer bereits darauf hingewiesen, dass sie einen anderen Browser oder eine andere Such-App installieren können. Ab 2020 soll das dann in die Ersteinrichtung des Geräts integriert werden.

Mehr: Installieren Nutzer von Android-Geräten alternative Suchmaschinen, fordert Google Geld von seinen Konkurrenten. Den Preis dürfen die Rivalen bestimmen.

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