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12.06.2019

20:59

Telekommunikation

5G-Auktion endet bei 6,5 Milliarden Euro – Vodafone nennt Ergebnis „katastrophal“

Von: Stephan Scheuer

Die längste Frequenzvergabe in Deutschland ist zu Ende – und der Weg damit frei für den Ausbau des Echtzeitmobilfunks 5G. Die Telekom gibt das meiste Geld aus.

Rekordergebnis

5G-Frequenzauktion beschert Bund mehr als 6,5 Milliarden Euro

Rekordergebnis : 5G-Frequenzauktion beschert Bund mehr als 6,5 Milliarden Euro

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DüsseldorfNach zwölf Wochen ist die Versteigerung der Frequenzen für den 5G-Mobilfunk zu Ende gegangen. Mit einer Gesamtsumme der Höchstgebote von 6,5 Milliarden Euro endet die Auktion am Mittwochabend, wie die Bundesnetzagentur mitteilte. Es war die bislang längste Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen in Deutschland.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Auktion wurde nach zwölf Wochen und 497 Auktionsrunden beendet.
  • Die Telekom hat mit 2,17 Milliarden Euro am meisten Geld für Frequenzen ausgeben.
  • United Internet hat 1,1 Milliarden Euro in die Frequenzen investiert und könnte damit zum vierten Netzbetreiber in Deutschland aufsteigen.
  • Vodafone hat 1,9 Milliarden Euro für die Frequenzen ausgeben, Telefónica gab 1,4 Milliarden Euro.

Die Versteigerung wurde für die Mobilfunkunternehmen teurer als die vergangenen beiden Auktionen in Deutschland. Im Jahr 2010 hatten die Mobilfunker insgesamt 4,4 Milliarden Euro in 224 Runden für die Frequenzen bezahlt, 2015 waren es rund fünf Milliarden Euro in 181 Runden. Im Jahr 2000, bei der Versteigerung der UMTS-Frequenzen, entrichteten die Firmen allerdings sogar 50,8 Milliarden Euro.

Mit dem Ende der aktuellen Auktion ist der Weg für den Ausbau des Echtzeitmobilfunks in Deutschland frei. Besonders die Industrie hofft auf die schnelle Datenübertragung, um ihre Produktion besser zu vernetzen. 5G soll als Turbo für die Industrie 4.0 fungieren.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sagte: „Das Ende der Auktion ist zugleich der Startschuss für 5G in Deutschland.“ Er freue sich, dass vier Unternehmen Frequenzen ersteigert hätten. „Es liegt nun in der Hand der Unternehmen, die Frequenzen zügig zu nutzen und die damit verknüpften Versorgungsauflagen zu erfüllen“, sagte Homann. Die Bundesnetzagentur schreibt den Firmen vor, unter anderem alle Autobahnen und Bundesstraßen in Deutschland mit schnellem Internet zu versorgen.

Neben den etablierten Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica konnte auch der Herausforderer United Internet über seine Tochterfirma 1&1 Drillisch Frequenzen ersteigern. Damit könnte das Unternehmen zum vierten Netzbetreiber in Deutschland aufsteigen.

Die Deutsche Telekom gab mit 2,17 Milliarden Euro am meisten Geld für die Frequenzen aus. „Die Telekom hat das Spektrum erhalten, das sie wollte“, teilte der Dax-Konzern mit. Trotzdem hinterlasse die Auktion einen bitteren Beigeschmack, klagte das Unternehmen. „Das Ergebnis ist ein Dämpfer für den Netzausbau. Auch diesmal ist das Spektrum in Deutschland viel teurer als in anderen Ländern. Das Geld für die Auktion fehlt den Netzbetreibern in Deutschland.“

Hannes Ametsreiter, Deutschlandchef von Vodafone, zeigte sich erleichtert, dass die Auktion nach mehr als drei Monaten endlich vorbei ist. „Ich bin aber sehr unglücklich mit der Dauer des Verfahrens und dem hohen Preis, den wir als Bieter bezahlen müssen. Digital-Deutschland verliert wertvolle Zeit. In Europa werden wir nicht zu den Ersten gehören, die mit 5G starten“, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ („WAZ“). Die Milliarden Euro, die die Telekommunikationsunternehmen nun allein für die Lizenzen zahlen müssen, würden bei den dringend nötigen Investitionen in das deutsche Mobilfunknetz fehlen. „Insofern ist das Ergebnis katastrophal“, sagte der Vodafone-Deutschlandchef.

Vom Bund forderte er, die über die Auktion eingenommenen Milliarden in den Ausbau des Mobilfunknetzes zu stecken. Das Geld solle Ametsreiter zufolge in Form einer Förderung an die Unternehmen zurückfließen, „um damit ein besseres Mobilfunknetz zu bauen“.

United Internet hatte über die Tochterfirma 1&1 Drillisch an der Auktion teilgenommen. Das Unternehmen bekräftigte den Anspruch, zum vierten Netzbetreiber in Deutschland aufzusteigen. „1&1 Drillisch beabsichtigt, ein leistungsfähiges Mobilfunknetz aufzubauen“, teilte die Firma mit.

Vor allem United Internet habe das Ende der Auktion herbeigeführt, indem die Firma ihren Anspruch auf einen Block zurückgezogen habe, argumentierte Professor Vitali Gretschko vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). „Irgendwann musste der Punkt kommen, an dem einer der Bieter nachgibt.“

Versteigerung brachte mehr Geld als die Auktionen von 2010 und 2015

Das Ende hätten die Mobilfunkunternehmen schon nach zwei statt zwölf Wochen haben können, argumentierte Gretschko. „Die gleiche Verteilung der Frequenzen von heute lag damals schon auf dem Tisch. Hätten sich die Firmen damals geeinigt, hätten sie nur die Hälfte des heutigen Betrages zahlen müssen“, sagte Gretschko dem Handelsblatt.

Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas zeigte sich mit der Auktion zufrieden: „Wir haben in der Auktion ein gutes Ergebnis erzielt.“ Er wies jedoch darauf hin, dass das Spektrum den Mobilfunkunternehmen nicht sofort zur Verfügung steht. Der für 5G besonders wichtige Frequenzbereich von 3,6 Gigahertz wird schrittweise bis zum Jahr 2022 freigegeben. Ein Teil des weiteren Spektrums im Bereits 2,1 Gigahertz wird erst Anfang 2021 und ein weiterer Teil erst Anfang 2026 zur Verfügung stehen.

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