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25.05.2022

11:27

Künstliche Intelligenz

Starker Anstieg: Jedes zehnte Unternehmen in Deutschland nutzt KI

Von: Barbara Gillmann, Thomas Jahn

Der Anteil der Firmen, die die Technologie verwenden, hat sich seit 2019 verdoppelt. Allerdings: Nur bei einer Minderheit dieser Unternehmen spielt sie schon eine ernsthafte Rolle.

In der Autoindustrie ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz besonders weit fortgeschritten. imago images/Science Photo Library

Systeme zum autonomen Fahren

In der Autoindustrie ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz besonders weit fortgeschritten.

Berlin, Düsseldorf Der Anteil der Unternehmen in Deutschland, die aktiv Künstliche Intelligenz (KI) einsetzen, hat im vergangenen Jahr die Marke von zehn Prozent überschritten. Gegenüber 2019 hat sich die Anzahl der KI nutzenden Firmen damit fast verdoppelt. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für das Bundeswirtschaftsministerium, die dem Handelsblatt vorliegt.

Das Institut hat zudem 550 KI-aktive Unternehmen um den Jahreswechsel genauer zu dem Einsatz der Technologie befragt. Besonders stark verbreitet ist die Nutzung demnach bei Informations- und Kommunikationsdienstleistern, den Finanzdienstleistern sowie Ingenieurbüros, Unternehmens-, Rechts- und Steuerberatern und Werbeagenturen. In der Industrie gibt es die höchsten Anteile in der Elektroindustrie, dem Fahrzeugbau und dem Maschinenbau.

„Das Thema ist heiß“, sagt Sabine Laukemann, Vorstandsmitglied beim mittelständischen IT-Dienstleister Datagroup aus Stuttgart. „Wir werden von Kunden aus allen Branchen darauf angesprochen.“

Haupteinsatzgebiete von KI sind bislang die Spracherkennung, die Automatisierung und Optimierung von Prozessen, maschinelles Lernen und das sogenannte Text-Mining, bei dem Texte mit Software ausgewertet werden. „Bei KI geht es nicht nur um Automation, sondern auch um die Erweiterung und Multiplikation des Geschäftsmodells“, sagt Laukemann. „Früher war das ein Spezialistenthema, heute beschäftigt es alle.“

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    Welche zentrale Rolle KI einnimmt, zeigt sich in der Autoindustrie. Dort sind künstliche neuronale Netze, die sich am menschlichen Nervensystem orientieren, ein wichtiger Bestandteil von Assistenzsystemen und autonomen Fahrsystemen von Fahrzeugen. Die zahlreichen Informationen von Kameras, Radar und Lasern verarbeitet eine KI im Auto, die lebenswichtige Entscheidungen trifft.

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    Elektroautopionier Tesla setzt dabei so radikal auf KI wie kein anderer Autohersteller. Dafür entwickelt das Unternehmen eine sogenannte Computervision, die mit hoher Geschwindigkeit und Präzision Gegenstände im Verkehr erkennt, um das Auto von allein fahren lassen zu können. Kürzlich kündigte Tesla-Chef Elon Musk an, im August einen „KI-Tag“ abzuhalten, um „neue Talente für Tesla zu werben“.

    Viele Unternehmen stehen noch am Anfang

    Insgesamt attestiert das ZEW deutschen Unternehmen zwar ein „recht hohes Niveau an technischen Kompetenzen sowie eine gute organisatorische Verankerung des Themas KI“. Auch die Bereitschaft zur Kooperation mit Wissenschaftlern oder anderen Unternehmen sei „außerordentlich hoch“.

    Die meisten Firmen seien aber gerade erst in das Thema eingestiegen. Aktuell befinde sich rund ein Fünftel der befragten KI-aktiven Unternehmen „im Experimentierstadium“, weitere zwei Fünftel hätten zumindest erste Anwendungsfälle erschlossen. Das zeige zwar, wie rasch sich KI in der Wirtschaft ausbreite. Nur in jedem siebten Unternehmen, das KI nutzt, stellt diese aber bereits die Grundlage für das Geschäftsmodell des Unternehmens dar.

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    Zur Unterstützung müsse die Politik rasch die Rahmenbedingungen verbessern, fordert das ZEW: Sie müsse dafür sorgen, dass KI auf die Lehrpläne in Schulen und Hochschulen gesetzt wird. Und weil viele Unternehmen vor allem in nichttechnischen Bereichen Defizite hätten, müsse auch in Betriebswirtschaft und Jura gelehrt werden, wozu man KI nutzen kann. Zusätzlich sei ein umfassenderes Beratungsangebot nötig.

    Weitere Voraussetzungen, damit KI in der Wirtschaft einen Durchbruch erleben kann, seien der Aufbau einer Cloud-Infrastruktur und die Entwicklung von Standards, der flächendeckende Ausbau einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur sowie rechtliche Regelungen zur Verbesserung des Zugangs und der Nutzungsmöglichkeiten von Daten.

    Einsatz der KI wird oft von Chefs vorangetrieben

    Bisher treiben noch vor allem die Chefinnen und Chefs die Nutzung der Technologie voran. „Eigene KI-Teams und die Erschließung von KI-Anwendungsfällen in allen Bereichen des Unternehmens sind nur bei einer Minderheit der KI-aktiven Unternehmen anzutreffen“, sagt ZEW-Innovationsexperte Christian Rammer. Dabei seien diese – neben einer proaktiven Geschäftsführung – „oft eine Voraussetzung für eine hohe Effektivität der Nutzung Künstlicher Intelligenz“. 

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    Im Einzelnen verfügen die meisten KI-aktiven Unternehmen auch im eigenen Haus über Mitarbeiter mit Kompetenzen für den Umgang mit Daten und die Entwicklung von Softwarelösungen. Weniger weit verbreitet seien dagegen Methodenkompetenzen zu maschinellem Lernen und zur Erklärbarkeit von KI-Ergebnissen.

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