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24.05.2022

11:41

Corona-Impfung

Stiko empfiehlt Covid-19-Impfung für Kinder von fünf bis elf

Von: Maike Telgheder

Die Mehrheit der deutschen Kinder hat sich bereits mit Corona infiziert. Die Stiko empfiehlt dennoch eine Impfung. Im Spätsommer wird die Lage neu bewertet.

Coronavirus: Covid-19-Impfung dpa

Corona-Impfung für Kinder

Die Ständige Impfkommission empfiehlt nun generell eine Covid-Impfung für die Fünf- bis Elfjährigen.

Frankfurt Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat heute ihre Impfempfehlung für fünf- bis elfjährige Kinder aktualisiert: Generell sollen gesunde Kinder dieser Altersgruppe nun zunächst eine Covid-19-Impfung erhalten. Vorzugsweise soll dabei der Biontech-Wirkstoff Comirnaty verwendet werden, da zu diesem Vakzin mehr Daten vorliegen als zu dem Moderna-Impfstoff Spikevax. Die Verwendung des Moderna-Impfstoffs sei allerdings ebenfalls möglich, so die Stiko.

Die Kommission spricht diese Impfempfehlung vorsorglich aus, weil ein erneuter Anstieg der Sars-CoV-2-Infektionszahlen im kommenden Herbst beziehungsweise Winter zu erwarten sei. Durch die Impfung von Kindern und Jugendlichen soll eine Basisimmunität aufgebaut werden und seltene schwere Covid-19-Erkrankungen und Krankenhauseinweisungen in der Bevölkerung verhindert werden. Ein weiteres Ziel ist aber auch, die indirekten Folgen der Infektionen wie Isolations- und Quarantänephasen zu reduzieren.

Stiko empfiehlt Corona-Impfung für Kinder

„Die Kinder gehen in den dritten Winter der Coronapandemie. Wir müssen alles dafür tun, dass wir sie besser als die vergangenen beiden Winter durch diese Saison bringen“, sagte Professor Reinhard Berner vom Universitätsklinikum in Dresden dem Handelsblatt. Dafür seien alle Anstrengungen notwendig und dazu gehöre jetzt auch diese Empfehlung, so der Kinder- und Jugendmediziner, der auch externer Sachverständiger der Stiko ist.

Neue Daten zeigen, dass eine durchgemachte Corona-Infektion nicht ausreicht, um spätere Covid-19-Erkrankungen zu verhindern, heißt es in der Begründung der Stiko. Ein solider Schutz vor Infektion und schwerer Erkrankung sei erst durch eine mehrmalige Auseinandersetzung mit dem Sars-CoV-2 Spikeprotein zu erlangen. Im Spätsommer will die Kommission die Lage erneut bewerten.

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    Bisher hatte die Kommission keine generelle Impfempfehlung für die Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen gegeben, unter anderem, weil Corona-Infektionen bei Kindern eher mild verlaufen. Lediglich für Kinder mit Kontakt zu Risikopersonen, die sich nicht impfen lassen können, war eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen vorgesehen. Für Kinder mit Vorerkrankungen wurde zudem noch eine Auffrischungsimpfung empfohlen.

    Nun hat die Stiko wie angekündigt die Datenlage neu bewertet, denn seit der Zulassung der mRNA-Impfstoffe von Biontech Ende 2021 und Moderna im Februar dieses Jahres hat sich die Infektionslage durch die Ausbreitung der Omikron-Variante deutlich verändert.

    50 Prozent aller Kinder haben sich bereits mit Corona infiziert

    Gerade in der Omikron-Infektionswelle haben sich viele Kinder mit Sars-CoV-2 infiziert. Dabei wurden in der Altersgruppe der fünf- bis elf-jährigen Kinder die höchsten Inzidenzen gemeldet. Nach den Daten von bestätigten PCR-Tests, die dem Robert Koch-Institut übermittelt wurden, hatten bis Mitte April fast 50 Prozent aller Kinder in dieser Altersgruppe eine Sars-CoV-2-Infektion. Aufgrund der anzunehmenden hohen Dunkelziffer geht die Stiko davon aus, dass mehr als 80 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe eine Infektion mit dem Virus durchgemacht haben.

    Deswegen kann bei einem Großteil der Kinder durch eine Impfung eine sogenannte hybride Immunität erzielt werden, erwartet die Stiko. Diese Kombination einer natürlich erworbenen Immunität nach einer Infektion und einer Impfstoff-induzierten Immunität bietet einen besseren Schutz vor Infektionen mit bisher bekannten Coronavirusvarianten als die alleinige Infektion oder die alleinige Impfung, heißt es in der Begründung. Durch die breitere Immunantwort besteht möglicherweise auch gegen neue Varianten ein besserer Schutz.

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    Die Stiko empfiehlt, die Impfung gegen das Coronavirus frühestens drei Monate nach einer durchgemachten Sars-CoV-2-Infektion zu verabreichen. Gesunde Kinder, die bereits eine zweimalige Impfung erhalten haben, sollen zunächst nicht erneut geimpft werden, so die Stiko.

    Kinder mit Vorerkrankungen sollen weiterhin eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen sowie eine Auffrischimpfung erhalten. Und Kinder mit engem Kontakt zu Risikopersonen, die nicht geimpft werden können, sollen ebenfalls weiterhin eine Grundimmunisierung mit zwei Impfstoffdosen bekommen.

    Corona: Ungeimpfte haben höheres Übertragungs-Risiko

    Zur Infektionsübertragung von geimpften im Vergleich zu ungeimpften Personen gibt es bisher wenig Daten. Eine Studie aus Dänemark zeigt, dass ungeimpfte Personen ein um sieben bis 21 Prozent höheres Risiko der Übertragung der Omikron-Variante haben als grundimmunisierte Personen.

    Insgesamt wird die Corona-Impfung für Kinder den bisherigen Daten zufolge als sicher und effektiv eingeschätzt. Zu den am häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen gehören Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Kopfschmerzen.

    Für ältere Kinder von zwölf bis 17 Jahren gilt weiterhin die Empfehlung einer Grundimmunisierung mit zwei Impfstoffdosen Comirnaty ab 30 Mikrogramm und einer Auffrischungsimpfung. Ein Covid-19-Impfstoff für Kinder unter fünf ist noch nicht zugelassen.

    Für alle Kinder will die Stiko im Spätsommer vor einem Wiederanstieg der Infektionszahlen erneut prüfen, ob eine Grundimmunisierung durch eine Impfung oder eine Auffrischungsimpfung nötig ist.

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