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08.02.2021

09:48

Corona

Russischer Sputnik-Impfstoff erzielt laut Studie eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent

Von: Maike Telgheder

Das Fachblatt „The Lancet“ hat ermutigende Studienergebnisse zum in Russland zugelassenen Vakzin veröffentlicht. Das ist auch für die EU interessant.

Inzwischen sollen laut Regierungsangaben 1,5 Millionen Russen ohne große Nebenwirkungen damit geimpft worden sein. dpa

Impfstoff

Inzwischen sollen laut Regierungsangaben 1,5 Millionen Russen ohne große Nebenwirkungen damit geimpft worden sein.

Frankfurt Der russische Covid-19-Impfstoff Sputnik V zeigt laut einer neuen Veröffentlichung eine hohe Wirksamkeit von 91,6 Prozent gegen einen symptomatischen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung. Im medizinischen Fachblatt „The Lancet“ wurden Zwischenergebnisse einer klinischen Phase-3-Studie publiziert, die rund 20.000 Teilnehmer umfasst.

Der russische Impfstoff wurde von dem staatlichen Gamaleja-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie in Russland entwickelt. Das Vakzin war Mitte August vergangenen Jahres als weltweit erstes für eine breite Anwendung in der Bevölkerung freigegeben worden, obwohl bis dahin entscheidende Tests mit einer großen Zahl an Studienteilnehmern fehlten.

Das löste international Kritik aus. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte den Impfstoff damals öffentlichkeitswirksam als bahnbrechende Innovation gefeiert und ihm in Anlehnung an den ersten russischen Satelliten, der eine Erdumlaufbahn erreichte, den Namen Sputnik V gegeben.

Nach Kritik an fehlenden belastbaren Daten haben russische Forscher mit der Veröffentlichung in „The Lancet“ nun weitere Details zum Corona-Impfstoff bekanntgegeben. Eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent bedeutet, dass in der geimpften Gruppe 91,6 Prozent weniger Erkrankungen pro 100 Probanden auftraten als in der Kontrollgruppe. Damit käme Sputnik V fast an die Wirksamkeit der Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer mit je rund 95 Prozent heran und läge deutlich über der des Vakzins von Astra-Zeneca (70 Prozent).

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    Der russische Impfstoff, der eigentlich Gam-COVID-Vac heißt, ist wie das Mittel von Astra-Zeneca ein Vektorimpfstoff. Er verwendet ein an sich harmloses Virus als Fähre für die Bestandteile des Coronavirus. Das Immunsystem der Geimpften erkennt beides als fremd und erzeugt eine Antwort dagegen.

    Im Unterschied zu dem Astra-Zeneca-Impfstoff werden bei Sputnik V in der ersten und zweiten Impfdosis aber unterschiedliche Viren als Transportfähre benutzt. So wird das Problem umgangen, dass der Patient auch eine Immunreaktion gegen das Transportvirus entwickelt und damit die zweite Impfdosis weniger wirksam ist.

    Spahn offen für Impfstoffe aus Russland und China

    Der Impfstoff aus Russland wird mittlerweile in mehr als 15 Ländern im Kampf gegen Corona eingesetzt. Russland strebt eine Registrierung in der EU an und hatte am Freitag angekündigt, die EU im zweiten Quartal mit 100 Millionen Dosen des Impfstoffs Sputnik V versorgen zu können. Damit könnten 50 Millionen Menschen geimpft werden. Der Entwickler des Impfstoffs hat bisher aber lediglich einen Antrag auf eine wissenschaftliche Beratung durch die Europäische Arzneimittelagentur gestellt, wie die Behörde dem Handelsblatt auf Anfrage bestätigte.

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich im Falle einer erfolgreichen EU-Zulassung auch für den Einsatz von Corona-Impfstoffen aus Russland und China in Deutschland offen gezeigt. „Wenn ein Impfstoff sicher und wirksam ist, egal in welchem Land er hergestellt wurde, dann kann er bei der Bewältigung der Pandemie natürlich helfen“, sagte Spahn der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Entscheidend sei eine reguläre Zulassung nach europäischem Recht.

    Nach Angaben der russischen Wissenschaftler habe es bei Sputnik V nur in wenigen Fällen schwerwiegende Nebenwirkungen gegeben, die die Forscher aber nicht auf das Vakzin zurückgeführt hätten, hieß es. Die meisten Freiwilligen hätten von „milden“ Nebenwirkungen wie grippeähnlichen Symptomen und Schmerzen am Arm berichtet. Während der Studie habe es zudem vier Todesfälle gegeben, die den Wissenschaftlern zufolge aber nicht im Zusammenhang mit der Impfung gestanden hätten. Ein Freiwilliger habe einen Schlaganfall erlitten.

    Den russischen Forschern zufolge wurde Sputnik V auch an mehr als 2000 Menschen über 60 Jahre getestet. In dieser Gruppe sei das Vakzin „ähnlich wirksam und gut verträglich gewesen“, hieß es in der Studie. Sie sei aber noch nicht abgeschlossen.

    Die Forscherin Polly Roy von der London School of Hygiene & Tropical Medicine sagte, es habe Kritik an Sputnik V wegen dessen schneller Entwicklung und mangelnder Transparenz gegeben. Das nun vorliegende Ergebnis sei hingegen eindeutig. Das wissenschaftliche Prinzip der Impfung sei aufgezeigt worden, sagte sie „The Lancet“.
    Mit Agenturmaterial

    In der ursprünglichen Fassung des Artikels stand, dass bereits ein Zulassungsantrag für Sputnik V bei der Europäischen Arzneimittelagentur eingereicht wurde. Nach Angaben der Ema wurde bislang von den Entwicklern aber lediglich ein Antrag auf eine wissenschaftliche Beratung gestellt, kein formaler Zulassungsantrag.

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