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01.12.2022

06:30

Digitale Gesundheit

Frisches Kapital für Gesundheits-Start-ups: Teleclinic-Gründer legt 100-Millionen-Euro-Fonds auf

Von: Britta Rybicki, Maike Telgheder

Der Wagniskapitalgeber Yzr will junge Unternehmen in der digitalen Gesundheitswirtschaft unterstützen. Auch ein namhafter Konsumgüterkonzern beteiligt sich.

Die Yzr-Gründer haben einen klaren Digitalfokus. Tom Solo Int.

Reinhard Meier und Markus Feuerecker

Die Yzr-Gründer haben einen klaren Digitalfokus.

Düsseldorf, Frankfurt Ein neuer Investmentfonds will Start-ups in der digitalen Gesundheitswirtschaft bei der Frühfinanzierung unterstützen. Aufgelegt wird er von Yzr Capital. Hinter dem Wagniskapitalgeber stehen der Start-up-Unternehmer Reinhard Meier, einst Mitgründer des Telemedizinanbieters Teleclinic, und der Venture-Capital-Experte Markus Feuerecker.

Der Fonds hat bislang 60 Prozent seines Zielvolumens in Höhe von 100 Millionen Euro erreicht. Zu den Anlegern des Yzr-Fonds zählen institutionelle und strategische Investoren wie der European Investment Fund, Bertelsmann Investments und die Beiersdorf AG. Zudem sind Family-Offices sowie Industrie- und Tech-Unternehmer investiert.

Yzr Capital selbst will sich an jungen Unternehmen in der digitalen Gesundheitswirtschaft beteiligen. Der Name Yzr (gesprochen „Waiser“) leitet sich von einer alten Schreibweise der durch München fließenden Isar ab und steht für „wise and informed investment decisions“, erklärt das Unternehmen.

Yzr will ausschließlich in digitale Gesundheitslösungen investieren. Das können digitale Medizingeräte, virtuelle Dienstleistungen oder reine Softwareprodukte sein. Die Anwendungen können sich an medizinisches und pharmazeutisches Fachpersonal richten, Patienten aber auch direkt ansprechen. „Als Arzt und Investor ist mir wichtig, Ideen eine Chance zu geben, die die Gesundheit der Menschen nachhaltig verbessern können“, sagt Reinhard Meier.

Und um in den digitalen Gesundheitsmarkt zu investieren, sei nun ein guter Zeitpunkt, ergänzt Feuerecker. Die Coronapandemie habe eine Umwälzung des Gesundheitssystems ausgelöst. Weiter erläutert er: „Trotzdem gibt es ein noch großes Aufholpotenzial, an dem Start-ups einen entschiedenen Anteil haben werden.“

Konkurrenz mit weniger Kapital

Das Team von Yzr bringt Erfahrung mit. Reinhard Meier war praktizierender Arzt und hatte 2015 gemeinsam mit Katharina Jünger und Patrick Palacin den Telemedizinanbieter Teleclinic gegründet. 2020 wurde das Start-up an den börsennotierten Apothekenkonzern Zur Rose verkauft. Markus Feuerecker war zehn Jahre bei verschiedenen Private-Equity-Investoren beschäftigt. Beraten wird das Team um die Yzr-Initiatoren von Seriengründern und ehemaligen CEOs aus der Gesundheitsindustrie.

Europaweit gibt es 13 Wagniskapitalgeber, die ähnliche Strategien verfolgen. Die Mehrheit der Konkurrenten verfügt allerdings über weniger Kapital. Eckhard Weber, Geschäftsführer des Berliner Wagniskapitalgebers Heal Capital, freut sich auf den stärkeren Wettbewerb: „Im Gesundheitswesen gibt es so viele Probleme, weshalb ich mehr Kapital für mehr gute Ideen erst mal positiv bewerte.“ Gemeinsam investiert sind Heal Capital und Yzr bislang nicht, beide nehmen aber die Gesundheitswirtschaft in den Blick.

Für Yzr sind laut Feuerecker zudem „Gesundheitstechnologien interessant, die große Märkte adressieren“. Einzelanwendungen stehen dabei nicht im Fokus. Man achte darauf, dass bei dem Geschäftsmodell, in das man investieren will, auch das Ziel verfolgt werde, das Portfolio perspektivisch auszubauen.

Dominik Burziwoda ist ehrenamtlich beim Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung aktiv, der viele Digital-Health-Start-ups vertritt. Er sagt: „Hierzulande ist es aktuell eine Herausforderung, Finanzierungsrunden der Serie A, B und C abzuschließen und Produkte in die breite Versorgung zu bringen.“ Vor allem in Deutschland bräuchten junge Unternehmen mehr Startkapital.

Yzr-Partner Beiersdorf verspricht sich einen wertvollen Zugang zum Start-up-Ökosystem im Bereich der digitalen Gesundheit. „Digital Health ist für die Innovationsaktivitäten von Beiersdorf von großer Bedeutung und bietet neue Ansätze für die Hautforschung und Hautpflege“, sagt Ascan Voswinckel, Head of Venture-Capital das Dax-Konzerns. Die Partnerschaft mit Yzr eröffne die Chance, relevante technologische Innovationen frühzeitig zu erkennen und als Partner für deren Realisierung bereitzustehen.

Die ersten sechs Investments von Yzr stehen beispielhaft für den Fokus auf Europa. Drei Unternehmen kommen aus Deutschland, eines jeweils aus Großbritannien, Polen und der Schweiz. Scan.com etwa sitzt in London und digitalisiert die medizinische Bildgebung. Clare&me aus Berlin bietet einen Bot (Computerprogramm), der auf Englisch per Chat bei psychischen Krankheiten unterstützen kann. Mit dem Angebot der Hamburger von Apoqlar können Ärzte Operationen virtuell üben. Bestimmte Körperregionen und Organe werden dafür in eine 3D-Umgebung übertragen, in die mit einer Virtual-Reality-Brille eingegriffen werden kann.

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