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03.02.2021

18:00

Kampf gegen Covid-19

Impfstoff von Astra-Zeneca reduziert laut Oxford-Studie die Virus-Übertragung

Von: Alexander Möthe

Neue Daten zu dem in der EU zugelassenen Vakzin machen Hoffnung. Die Studie des Mitherstellers stützt die britische Impfstrategie. Weitere Untersuchungen sind aber notwendig.

Daten der Universität Oxford legen eine höhere Wirksamkeit nahe als bisher bekannt – und implizieren, dass das Mittel die Virusübertragung deutlich reduziert. Reuters

Impfstoff von Astra-Zeneca

Daten der Universität Oxford legen eine höhere Wirksamkeit nahe als bisher bekannt – und implizieren, dass das Mittel die Virusübertragung deutlich reduziert.

Düsseldorf Eine Studie der Universität Oxford legt nahe, dass der gemeinsam mit Astra-Zeneca entwickelte Corona-Impfstoff effizienter sein könnte, als es durch die bisherigen Daten belegt ist. Der Veröffentlichung zufolge soll die Wirksamkeit auf bis zu 82 Prozent steigen, wenn die zweite Impfdosis erst nach drei Monaten verabreicht wird. Die Studie muss allerdings noch einer sogenannten Peer Review unterzogen werden, also von anderen Wissenschaftlern begutachtet werden. Die neuen Ergebnisse wurden in einer Vorabfassung vom medizinischen Fachblatt „The Lancet“ geprüft.

Im Durchschnitt wird für das Vakzin eine etwa 70-prozentige Wirksamkeit nach zwei verabreichten Impfdosen angegeben. Allerdings wurden aufgrund von Dosierungsfehlern in der zulassungsrelevanten Studie von Astra-Zeneca auch schon Werte von 90 Prozent erreicht. Das betrifft Probanden, die anfangs aus Versehen eine Impfung mit halber Dosis erhalten hatten und nach einem Monat mit einer vollen Dosis geimpft wurden.

Zwischen Tag 22 und 90 nach der ersten Impfung liegt den neuen Daten zufolge die mittlere Wirkung bei 76 Prozent. Astra-Zeneca und die Oxford-Universität empfehlen eine zweite Impfung nach etwa 28 Tagen. In den Studiendaten auffällig ist, dass bei kürzeren Impfabständen sogar die statistische Gefahr einer asymptomatischen Infektion zu steigen scheint.

Die britische Regierung, die dem Impfstoff bereits im Dezember eine Notfallzulassung erteilt hatte, entschied sich inzwischen dazu, den Zeitraum zwischen den Impfungen zu verlängern. Ziel ist es, mehr Menschen mit einer ersten Dosis einen grundlegenden Schutz zu gewährleisten.

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    Ein weiteres Testresultat könnte, sofern es sich bestätigt, dabei die wichtigere Rolle spielen: Die Forscher haben beobachten können, dass sich die Virusübertragung durch den Impfstoff deutlich reduziert. Demnach waren 67 Prozent der genommenen Abstriche unter Geimpften negativ auf das Coronavirus. Dies könnte bedeuten, dass das Mittel nicht nur Erkrankungen verhindert, sondern generell eine Infektion – und damit auch andere schützt. Bisher liegen zu allen verfügbaren Impfstoffen dazu noch keine belastbaren Daten vor.

    Dieses hohe Ergebnis findet sich allerdings in der Testgruppe mit niedriger Impfstoffdosierung, in die kaum ältere Menschen einbezogen waren. Bei der von der EMA zugelassenen Standarddosierung lag die Quote demnach bei nur noch 49 Prozent.

    „Die Kombination aus einer Verringerung der Übertragung und der Tatsache, dass es keine Krankenhauseinweisungen gibt, ist eine sehr gute Nachricht“, sagte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock dem Sender Sky News. „Und es unterstützt definitiv die Strategie, die wir gewählt haben, einen Zwölf-Wochen-Abstand zwischen den Dosen zu haben.“

    Schwere Verläufe wohl auch bei Mutanten verhindert

    Auch in Deutschland ist diese Strategie angesichts der Impfstoffknappheit diskutiert worden. Die Ständige Impfkommission sprach sich gegen eine Verlängerung des Abstands aus, allerdings bezogen auf die in der EU zu dem Zeitpunkt zugelassenen Wirkstoffe von Biontech/Pfizer sowie Moderna.

    Diese Impfstoffe basieren auf der sogenannten mRNA-Technologie und unterscheiden sich vom Verfahren Astra-Zenecas. Erstere nutzen Boten-RNA, die den menschlichen Körper veranlasst, die Proteinhülle (Spike-Protein) des Coronavirus nachzubauen, auf die wiederum das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern und anderen Abwehrmechanismen reagiert.

    Beim Vektorverfahren von Astra-Zeneca werden harmlose Viren mit der Erbinformation für das Spike-Protein geimpft. Daraufhin baut der Körper einen Schutz gegen das Virus auf.

    Grafik

    Die mRNA-Wirkstoffe erzielen eine Wirksamkeit von 90 Prozent und mehr, müssen aber aufwendig zwischen minus 20 Grad und minus 70 Grad tiefgekühlt werden. Die Vektorimpfstoffe hingegen können bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden und sind damit auch etwa in Hausarztpraxen anwendbar. Auch das russische Mittel „Sputnik V“, dem jüngst in „The Lancet“ eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent bescheinigt wurde, ist ein Vektorimpfstoff.

    Alle Stoffe sollen auch gegen die aktuell bekannten Virusmutanten Wirkung zeigen, teilweise jedoch mit einer geringeren Schutzwirkung. Der Wirkungsgrad bezeichnet dabei die Zuverlässigkeit, mit der eine Erkrankung verhindert wird. Darüber hinaus schützen die Impfstoffe in einem hohen Maße vor schweren und schwersten Verläufen.

    Andrew Pollard, einer der führenden Forscher des Impfstoffprojekts an der Universität Oxford, erklärte, sein Team glaube, dass der Impfstoff weiterhin Schutz gegen neue Varianten des Virus bieten werde, obgleich dies noch mit Daten belegt werden muss. Selbst wenn das Virus mutiere, bedeute dies nicht, dass die Impfung keinen Schutz vor schweren Erkrankungen mehr bieten werde, sagte er der BBC. „Wenn wir die Impfstoffe aktualisieren müssen, dann ist das eigentlich ein sehr leichter Prozess, er dauert nur Monate, statt der riesigen Anstrengungen, die jeder vergangenes Jahr durchlief, um die sehr großen Studien zum Laufen zu bringen“, sagte er. Astra-Zeneca kündigte hier ebenfalls am Mittwoch die Entwicklung von Impfstoff-Updates an.

    Das Mittel von Astra-Zeneca ist inzwischen auch in der EU zugelassen. Allerdings ist eine Debatte um die Wirksamkeit bei älteren Geimpften entbrannt. Aufgrund der dünnen Datenlage haben sich einzelne Staaten, allen voran Deutschland und Italien, zunächst entschlossen, die Impfung nur für Menschen im Alter bis 64 oder sogar nur 55 Jahren zu empfehlen. Zudem ist zwischen der EU und dem Hersteller ein Streit über Liefermengen entbrannt.

    Mit Agenturmaterial.

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