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31.10.2022

14:33

Medizinalhanf

Deutsches Cannabis-Start-up Cantourage will an die Frankfurter Börse

Von: Arno Schütze, Maike Telgheder

Die Berliner Firma bietet medizinisches Cannabis an. Die Erlöse aus der Privatplatzierung am Aktienmarkt will Cantourage in neue Produktionskapazitäten stecken.

Viele Unternehmen erhoffen sich große Chancen durch die Legalisierung von Cannabis. dpa

Hanf-Pflanzen

Viele Unternehmen erhoffen sich große Chancen durch die Legalisierung von Cannabis.

Frankfurt Der Medizinal-Cannabis-Anbieter Cantourage strebt an die Frankfurter Börse. Das Berliner Unternehmen, das dieses Jahr einen Umsatz von rund 15 Millionen Euro anpeilt, hat bereits eine Privatplatzierung abgeschlossen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Dabei sei die im Jahr 2019 gegründete Firma mit knapp 100 Millionen Euro bewertet worden, hieß es in Unternehmenskreisen.

Cantourage will sich im November im Einstiegssegment Scale am Frankfurter Aktienmarkt listen lassen. Die Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe organisiert den Börsengang.

Die Firma vertreibt medizinische Cannabis-Blüten, Cannabis-Extrakte, pharmazeutisches CBD und Dronabinol – den Wirkstoff THC – in Europa und Großbritannien. Cantourage importiert dazu Cannabis aus der ganzen Welt und stellt daraus Arzneimittelprodukte her, die in Apotheken erhältlich sind.

Experten sehen noch Potenzial bei Cannabis zu Therapiezwecken

Im medizinischen Bereich kann Cannabis in Deutschland seit 2017 von Ärzten verordnet werden und wird auch von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. 2021 wurden mehr als 370.000 Verordnungen von Cannabisblüten sowie cannabinoidhaltigen Extrakten und Fertigarzneimitteln ausgestellt. Das entspricht einem Bruttoumsatz von mehr als 185 Millionen Euro und einem Wachstum gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent.

Allerdings sehen Branchenvertreter und Marktbeobachter bei Cannabis zu therapeutischen Zwecken noch weit größeres Potenzial – nicht nur, weil viele Ärzte Cannabis noch nicht verordnen. Auch die Krankenkassen bewilligen bisher nur knapp zwei Drittel der Anträge auf Kostenerstattung.

Das Unternehmen hat derzeit 38 Partnerschaften mit Anbauern aus 17 Ländern. Die Einnahmen aus der Platzierung sollen in neue Verarbeitungskapazitäten fließen, also das Trocknen, Testen, Lagern, Labeln und die Keimreduktion.

Im Dronabinol-Segment hat die 35 Mitarbeiter beschäftigende Cantourage nach eigenen Angaben in Deutschland einen Marktanteil von über 20 Prozent. In Großbritannien betreibt das Unternehmen seit Anfang des zweiten Quartals auch eine eigene Cannabisklinik. Die Firma bietet ihre Produkte bisher ausschließlich für medizinische Anwendungen an.

Cantourage hofft auf die Cannabis-Legalisierung

Sollte der Hanfkonsum legalisiert werden, wäre das Unternehmen allerdings gut positioniert, davon zu profitieren. „Das Marktpotenzial ist sehr groß“, sagte Firmenchef Philip Schetter dem Handelsblatt. Er verwies auf Studien, die zeigen, dass der Schwarzmarkt für den Freizeitkonsum von Cannabisprodukten in Deutschland etwa 20-mal so groß ist wie der Markt für medizinische Cannabisprodukte.

Legalisiert ist der Konsum in Ländern wie den Niederlanden, Kanada und vielen US-Bundesstaaten. Auch die Ampelkoalition hatte kürzlich eine Initiative zur Freigabe gestartet. Allerdings steckt das Projekt in Deutschland noch im Anfangsstadium.

Cantourage gehört derzeit zu mehr als 70 Prozent den Gründern und dem Management. Zu weiteren Investoren zählen die Risikokapitalgeber Think Health und TenX.

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