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24.10.2022

13:24

Medizintechnik

Neuer Philips-Chef streicht weltweit 4000 Stellen – „Schwierige, aber notwendige Entscheidung“

Von: Axel Höpner

Der Medizintechnikkonzern leidet immer noch unter dem Rückruf von 5,5 Millionen Beatmungsgeräten. Beim deutschen Rivalen Siemens Healthineers lief es zuletzt besser.

Der neue Konzernchef von Philips hat einen Stellenabbau angekündigt. Philips

Roy Jakobs

Der neue Konzernchef von Philips hat einen Stellenabbau angekündigt.

München Der neue Konzernchef Roy Jakobs streicht als erste größere Amtshandlung bei dem kriselnden Medizintechnik-Spezialisten Philips kurzfristig 4000 Arbeitsplätze. Der Schritt sei „schwierig, aber notwendig“, sagte Jakobs am Montag.

Der niederländische Konzern hat derzeit eine ganze Reihe von Baustellen. Der millionenfache Rückruf von Beatmungsgeräten belastet Ergebnis und Reputation, in den USA laufen Sammelklagen. Zudem sind die Lieferketten noch immer teilweise gestört. Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn um 60 Prozent gefallen.

Die endgültigen Quartalszahlen, die Jakobs am Montag vorlegte, zeigen den großen Handlungsbedarf. In einem insgesamt positiven Branchenumfeld sank der Umsatz von Philips im dritten Quartal um vergleichbar gut fünf Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten fiel das Minus ähnlich groß aus.

Philips: Abschreibungen sorgen unter dem Strich für Verlust

Unter dem Strich stand im dritten Quartal wegen Abschreibungen auf die Beatmungsgeräte-Sparte Respironics ein Verlust von gut 1,3 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen einen Gewinn von knapp drei Milliarden Euro ausgewiesen. Der Umsatz sank um fünf Prozent auf 4,3 Milliarden Euro.

Das größte Problem sind derzeit die Folgen der Rückrufe. In den betroffenen Beatmungsgeräten wurde ein Dämmschaumstoff verarbeitet, von dem sich Partikel lösen, die möglicherweise gesundheitsgefährdend sind. Zum Jahreswechsel hatte der Konzern angekündigt, statt der bisher genannten vier Millionen Beatmungsgeräte insgesamt 5,2 Millionen Geräte zurückrufen zu müssen.

Im dritten Quartal verzeichnet der Konzern wegen Abschreibungen einen Verlust von gut 1,3 Milliarden Euro. Reuters

Philips-Zentrale in Amsterdam

Im dritten Quartal verzeichnet der Konzern wegen Abschreibungen einen Verlust von gut 1,3 Milliarden Euro.

Mehr als 100 Sammelklagen wurden bereits eingereicht. Möglicherweise hängen die Probleme mit unsachgemäßer Reinigung zusammen. Jakobs Vorgänger Frans van Houten hatte dem Handelsblatt Anfang des Jahres gesagt, dass die Geräte innerhalb der Sicherheitsnormen lägen.

Viele Fragen zum Stellenabbau blieben noch offen. Jakobs sagte, er solle so schnell wie möglich umgesetzt werden, um die Firma auf profitablen Wachstumskurs zurückzubringen. Die Aufwendungen für Abfindungen und Kündigungen werden sich voraussichtlich auf etwa 300 Millionen Euro belaufen und in den kommenden Quartalen anfallen. Das Unternehmen hat hierzulande Standorte unter anderem in Aachen und Böblingen, in Hamburg befindet sich die Deutschland-Zentrale.

Bei Siemens Healthineers läuft es besser

Der große europäische Philips-Konkurrent Siemens Healthineers legt seine Quartalszahlen erst im November vor. Zuletzt lief es bei der Siemens-Tochter aber teilweise besser. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres steigerte Siemens Healthineers die Umsätze um vergleichbar sechs Prozent auf 15,7 Milliarden Euro. Im dritten Quartal – also von April bis Juli – sanken die Erlöse allerdings wegen des Ende des Covid-Schnelltestbooms um knapp sechs Prozent auf knapp 5,2 Milliarden Euro.

Der Wechsel an der Spitze von Philips sollte die Wende bringen. Der Vertrag von van Houten lief noch bis zur kommenden Hauptversammlung im Mai. Laut dem Unternehmen handelt es sich aber um einen geordneten Übergang, da der Ex-CEO keine vierte Amtszeit mehr angestrebt habe.

Nachfolger Jakobs ist seit 2010 in verschiedenen Tätigkeiten für Philips tätig. Im vergangenen Jahr war er als Verantwortlicher für den Bereich „Connected Care“, der Geräte für die Diagnostik und die Auswertung medizinischer Daten umfasst, auch für das Management des Rückrufs der Beatmungsgeräte verantwortlich.

Analysten und Investoren sind skeptisch, ob die Wende gelingt

Philips wolle „das Vertrauen der Patienten, Verbraucher und Kunden wiederherstellen“, sagte der neue Firmenlenker Jakobs. Die Schritte umfassten die Stärkung der Patientensicherheit und des Qualitätsmanagements sowie die dringende Verbesserung der Abläufe der Lieferketten. Die Aktien des Gesundheitsriesen haben auch wegen der zahlreichen Probleme in diesem Jahr rund 60 Prozent an Wert verloren.

Analysten und Investoren sind noch zurückhaltend, ob unter Jakobs die Wende gelingt. Der Philips-Aktienkurs sank am Montag zwischenzeitlich um knapp drei Prozent auf unter 13 Euro. Die Investmentbank JP Morgan beließ die Aktie auf „untergewichtet“.

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